Crowdfunding: So wählen Fundraiser die richtige Spendenplattform

Mit Hilfe von 37 Online-Plattformen können Fundraiser in der Schweiz Gelder für gemeinnützige und kommerzielle Projekte sammeln. Fundraiso.ch lichtet den Plattform-Dschungel und sagt, was es bei der Auswahl alles zu beachten gilt.

Das Projekt Mini-Restaurant auf Rädern von Annika Berger hat auf Crowdify.ch bereits über 28’000 Franken Spenden erhalten. Doch wie hat die 44-jährige LKW-Fahrerin aus Pfäffikon ZH ihre Spenden-Plattform ausgewählt? Annika Berger sagt: «Ich hatte noch aus der Werbung den alten Namen von Crowdify – 100 days – im Kopf. Ich habe mich dann einfach für Crowdify entschieden». Auf einen Vergleich mit anderen Plattformen hat Annika Berger verzichtet.

Plattformwahl nicht dem Zufall überlassen
Auch wenn die Hobby-Fundraiserin mit ihrem Fundraising-Projekt auf Crowdify erfolgreich ist, sollte jede(r) FundraiserIn eine in Frage kommende Plattform vorgängig auf Herz und Nieren prüfen (siehe Kasten unten). Doch welche Plattformen gibt es überhaupt in der Schweiz? Gemäss Crowdfunding-Monitor Schweiz 2019 der Hochschule Luzern (HSL) gab es im Jahr 2018 insgesamt 37 Crowdfunding-Plattformen mit Schweizer Sitz. Zu den grössten Spendenplattformen zählen: Crowdify.ch, Cause direct, fundeego, funders, GivenGain, I believe in you, I care for you, Indiegogo, Kickstarter, Lokalhelden.ch, Progettiamo, ProjektStarter und Wemakeit. Doch welche Plattform eignet sich für Ihr Projekt? Diese Frage kann nur ein seriöser Plattform-Vergleich beantworten. Fakt ist: Jede Plattform hat ihre Vor- und Nachteile – und oft auch hinderliche inhaltliche, zeitliche, finanzielle, technische und juristische Beschränkungen.

Unterschiede bei Gebühren und Laufzeiten
Ein Beispiel: Bei Crowdify zahlt ein Nutzer für eine erfolgreiche Kampagne 9 oder 11 Prozent Bearbeitungsgebühren von den erhaltenen Spenden. Auf der Raiffeisen-Plattform Lokalhelden.ch entfallen solche hohen Kosten. Ein weiterer Knackpunkt ist oft die Laufzeit: Eine Crowdify-Kampagne ist zum Beispiel auf 100 Tage beschränkt. Das kann ein Vorteil sein, um bei potenziellen Spendern einen gewissen Zeitdruck zu erzeugen. Für mehrjährige Projekte ist diese «kurze» Zeitspanne aber allenfalls ein Nachteil.

Reichweiten und Nutzerzahlen prüfen
Ein Blick auf ausländische Spendenplattformen kann sich zudem lohnen: Auf der US-Plattform Gofundme.com waren zum Beispiel bereits mehr als 50 Millionen Menschen aktiv und haben über 5 Milliarden US-Dollar für Kampagnen gespendet. Diese Plattform ist in Deutsch verfügbar und bietet eine grosse Reichweite. Eine Spendenkampagne kann hier auch ohne Zeitlimit aufgeschaltet werden. Es gibt somit gute Gründe, Plattformen vor einer definitiven Auswahl mit dem eigenen, individuellen Anforderungskatalog im Detail zu prüfen.

Bernhard Bircher-Suits, FundCom AG

So wählen Sie die «richtige» Crowdfunding-Plattform aus

  • Anforderungskatalog: Überlegen Sie, was die eingesetzte Spendenplattform alles können muss, damit Ihr Projekt erfolgreich wird. Erstellen Sie dazu einen detaillierten Anforderungskatalog.
  • Plattform-Ausrichtung: Je nach Projekt gilt es eine thematisch passende Plattform zu finden. Einige Crowdfunding-Plattformen sind eher für Non-Profit-Organisationen geeignet, andere eher für Unternehmen oder Privatpersonen. Einige haben Sport oder Kultur zum Thema, andere fokussieren eher auf karitative Projekte.
  • Wo ist meine Crowd? Es ist wichtig, dass Sie möglichst viel über Ihre Zielgruppe bzw. Ihre potenziellen Unterstützer wissen. Jede Plattform spricht einen bestimmten Typus Mensch an. Prüfen Sie, ob sich Ihre potenziellen Unterstützer auf Ihren favorisierten Plattformen aufhalten und dort auch effektiv Spenden tätigen.
  • Multimedia und Social Media-Kanäle: Prüfen Sie, welche Medien (Bilder, Grafiken, Videos, etc.) und welche Social Media-Kanäle für ein Projektbeschrieb eingesetzt werden können.
  • Bedienung und Hilfestellungen: Klären Sie, ob die Plattform Hilfstexte und Anleitungen anbietet und einfach und schnell zu bedienen ist.
  • Eingenommene Spendensumme: Klären Sie nach Möglichkeit, wie hoch die erzielten Spenden in Ihrem Themenbereich auf der Plattform waren.
  • Nutzungsbedingungen: Prüfen Sie den Vertrag bzw. die Nutzungsbedingungen der Plattform im Detail. Wer gegen Nutzungsbedingungen verstösst, kann von der Plattform ausgeschlossen werden.
  • Support: Bietet die Plattform einen technischen Support und ist der Support kostenlos oder bezahlpflichtig? Über welche Kanäle (Telefon, Mail, etc.) kann man die Plattform erreichen?
  • Datenschutz und Adressen: Prüfen Sie im Detail, was mit denen von Ihnen benutzten Adressen auf der Plattform geschieht. Hält sich die Plattform an die in der Schweiz und der EU geltenden Datenschutz-Vorschriften?
  • Marketing-Unterstützung: Prüfen Sie, welche Marketing-Hilfsmittel die Plattform kostenlos oder gegen Bezahlung anbietet.
  • Reichweite: Wie viele SpenderInnen können Sie mit Ihrem Projekt auf der Plattform theoretisch erreichen?
  • Sprachen: Deckt die Plattform die von Ihnen benötigten Sprachen ab?
  • Zahlungsmöglichkeiten: Prüfen Sie, ob alle für Sie wichtigen Zahlungsmöglichkeiten auf der Plattform verfügbar sind.
  • Spendenbescheinigung: Bietet die Plattform Unterstützung bei der Erstellung von Spendenbescheinigungen?
  • Kampagnendauer: Gibt es auf der Plattform zeitliche Vorgaben für Projektfinanzierungen?
  • Gebühren: Die Gebühren liegen in der Schweiz gemäss Crowdfunding-Monitor Schweiz 2019 zwischen null und 12 Prozent des gesammelten Betrags. Lokalhelden.ch und Progettiamo erheben keine Gebühren. Hinzu kommen in der Regel Transaktionsgebühren für Zahlungen.

Dieser Artikel ist am 19.02.2020 auf Fundraiso.ch erschienen.