Hypothekarschulden: Abzahlen anstatt verlängern kann sich lohnen

Schweizer Immobilienbesitzer haben im internationalen Vergleich hohe Hypothekarschulden, die sie oftmals nicht begleichen. Ist mit den steigenden Kreditzinsen die Zeit gekommen, die Hypothekarschulden nach Möglichkeit zu reduzieren?

Autor: Bernhard Bircher-Suits
20.11.2022, 07:39 Uhr

Es tönt paradox: Schweizer Privathaushalte haben in Westeuropa sowohl die höchsten Netto-Finanzvermögen als auch die höchsten Schulden. Gemäss der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bestehen die finanziellen Verpflichtungen der privaten Haushalte im Wesentlichen aus Hypotheken und Konsumkrediten.

Ende 2020 beliefen sich die finanziellen Verpflichtungen der Haushalte auf insgesamt 934 Milliarden Franken. Ende 2000 lag der Schuldenberg der Schweizer Haushalte noch bei 480 Milliarden Franken. Von den gesamten Kreditverpflichtungen entfielen Ende 2020 95 Prozent auf Hypotheken (Vorjahr: 91 Prozent).

Das Ende der ultratiefen Zinsen

Hypothekar-Schuldner wurden in den letzten zehn Jahren mit tiefen Zinsen «verwöhnt». Im Idealfall haben die Kreditnehmenden in der nun endenden Tiefzinsphase für die Hochzinsphase Reserven gebildet oder das Ersparte für den Abbau ihrer Hypothek eingesetzt. Denn höhere Zinsen schmerzen – je nach individueller Restlaufzeit einer bestehenden Hypothek – früher oder später alle Kreditnehmenden.

Die Hypothekarzinsen sind stark gestiegen. Der Zinsindex der Plattform Hypotheke.ch stand Ende Oktober bei 2,71 Prozent. Vor einem Jahr hatte er noch 1,12 Prozent betragen. Dies zeigt eine deutliche Erhöhung der Finanzierungskosten. Steigt der Index um 0,01 Prozentpunkte, so bedeutet dies, dass sich die Zinskosten einer Hypothek über 800 000 Franken pro Jahr um 80 Franken verteuern. Im vergangenen Jahr hat sich eine solche Hypothek also um 12 720 Franken im Preis erhöht.

Wie sich die Hypothekarzinsen weiterentwickeln, hängt stark von der Geldpolitik der Nationalbanken ab. Bekommen die Zentralbanken die Inflation nicht unter Kontrolle, dürften weitere Leitzinserhöhungen anstehen und damit auch die Hypozinsen weiter steigen. Eine globale Wirtschaftsflaute könnte sie aber auch wieder nach unten drücken oder zumindest ihren Auftrieb dämpfen.

Hypozinsen sind steuerlich absetzbar

Die Zinshöhe spielt bei der Überlegung, ob eine Hypothekarschuld amortisiert beziehungsweise zurückbezahlt werden soll oder nicht, eine wesentliche Rolle. Ein Rechenbeispiel: Zahlt ein Kreditnehmer bei einem Zinssatz von 2,2 Prozent 100 000 Franken der Hypothek an die Bank zurück, spart er pro Jahr 2200 Franken an Zinskosten. Bei einem Zinssatz von 1,2 Prozent sind es lediglich 1200 Franken. Je höher der Zinssatz ist, desto mehr lohnt es sich somit, die Hypothek zu tilgen.

Gut zu wissen: Die Abzahlung einer Hypothek im zweiten Rang ist Pflicht. Im Gegensatz zur zweiten Hypothek ist die Rückzahlung einer ersten Hypothek hingegen freiwillig. Eine Rückzahlung kann bei einer Festhypothek nur nach Laufzeitende ohne teure Strafgebühr – die sogenannte «Vorfälligkeitsentschädigung» – vorgenommen werden.

Dennoch gibt es je nach Ausgangslage gute Gründe, die Hypothek zu amortisieren, sofern ein Kreditnehmer über freies Kapital verfügt. Andere Faktoren sprechen dagegen – wie zum Beispiel die steuerliche Absetzbarkeit von Hypothekarzinsen. Sie ist für viele Kreditnehmende mit ein Grund, Kredite stehen zu lassen.

Renditechancen wegen Amortisierung verpassen

Nutzt ein Wohneigentümer liquide Mittel zur Amortisation der Hypothek, steht dieses Geld nicht für andere, allenfalls gewinnträchtigere Investitionen zur Verfügung. Das ist ebenfalls zu beachten.

Wie viel Rendite jemand mit Wertschriften verpasst, hängt von der persönlichen Risikobereitschaft ab. Eine Annahme: Jemand investiert in risikobehaftete Aktien und erzielt eine jährliche Rendite von drei Prozent. Dann ist diese Rendite in der Regel höher als die Zinsersparnis bei einer Amortisation. In diesem Fall fährt ein Kreditnehmer mit einer Amortisierung schlechter.

Investiert jemand hingegen in sicherere Staatsanleihen oder parkiert sein Geld auf dem Sparkonto, ist die Rendite deutlich weniger hoch. Dann profitiert man stärker von der Zinsersparnis infolge der Amortisation als von der Rendite aus den Investitionen.

Inflation verkleinert die Hypothekarschuld laufend

Der Entscheid zu «Rückzahlung oder nicht?» hängt auch davon ab, wie hoch der offerierte Zins für eine neue Hypothek ist. Ist die Inflation – im Oktober dieses Jahres lag sie bei 3 Prozent – höher als der offerierte Zinssatz, verkleinern sich die Schulden laufend. Solche Kreditnehmer könnten also mit einer Amortisation zuwarten. Hypotheken ohne fixe Laufzeit werden in Zeiten steigender Inflation in der Regel teurer. Dann kann es sich lohnen, das Darlehen zu amortisieren.

Wer vor allem auf Sicherheit setzt und genügend freie Mittel oder grosse Vorsorgeguthaben hat, wählt die Amortisation – ganz nach dem Motto: Lieber schuldenfrei im Alter und unabhängig von Kreditgebern. Im Einzelfall kann eine (vollständige) Amortisation der Hypothek aber Nachteile bringen: Vor allem dann, wenn nach der Abzahlung nicht mehr genügend Liquidität vorhanden ist. Es gilt daher, die Hypothek nur so weit zu reduzieren, dass mindestens ein paar zehntausend Franken als Barreserve für Unvorhergesehenes verfügbar bleiben. Der Grund: Banken verwehren Pensionierten mit tiefen Renteneinkommen eine Wiederaufstockung der Hypothek.

Jeder Fall ist anders gelagert

Eine generelle Empfehlung für oder gegen die freiwillige Amortisation gibt es folglich nicht. Es gilt die individuellen Faktoren zu betrachten und die eigene Finanzsituation zu prüfen. Hypothekarnehmerinnen und -nehmern stellen sich folgende Fragen:

  • Wie sieht meine finanzielle Situation aus?

  • Spare ich mehr, wenn ich weniger Zinsen zahlen muss, oder ist der Steuervorteil dank den Abzugsmöglichkeiten grösser?

  • Kann ich eine höhere Rendite mit dem Geld erzielen, als ich an Zinsen spare?

  • Brauche ich viel Liquidität, oder kann ich es mir leisten, die Hypothek zu amortisieren?

Drei Experten geben Empfehlungen

Die NZZ hat in Zusammenarbeit mit dem Hypothekarspezialisten Florian Schubiger von Hypotheke.ch drei reale, anonymisierte Hypo-Schuldnerprofile zusammengestellt. Experten von Hypotheke.ch, UBS und Raiffeisen Zürich geben für alle drei Lebenssituationen Empfehlungen ab. Die Leitfrage lautete: abzahlen oder nicht?

Ehepaar Charlene & Daniel Müller

Das Ehepaar Müller wohnt in einem Reiheneinfamilienhaus in Zürich. Sie weisen eine niedrige Risikobereitschaft bei Geldanlagen aus. Sie haben deshalb ihr Vermögen auf einem Konto bei einer Kantonalbank. Sie haben keine Wertschriften. Ihre Hypothek wird per 31. 10. 2022 fällig. Sie haben von ihrer Hausbank eine Offerte von 2,7 Prozent Zins für eine zehnjährige Festhypothek erhalten, welche sie annehmen möchten.

Empfehlung von Florian Schubiger (Hypotheke.ch):
Hypothek amortisieren

Herr und Frau Müller sollten sich überlegen, die Hypothek zu reduzieren. Einerseits erhalten sie auf dem Konto kaum Zinsen, müssen für die Hypothek aber mehr als 20 000 Franken Zinsen pro Jahr bezahlen. Wenn sie die Hypothek amortisieren, verringern sie die Zinslast und haben auf der anderen Seite kaum Mindererträge, weil die Zinsen auf dem Konto so tief sind. Auch nach einer Amortisation besteht keine Gefahr, dass sie in einen Liquiditätsengpass geraten, da sie ja über eine gewisse Sparquote verfügen.

Mit einer Amortisation haben sie einen weiteren Vorteil: Sie können besser über den Hypothekarzinssatz verhandeln, weil die Hypothek tiefer ist und die Belehnung dann unter 65 Prozent fällt (Stichwort Bonität / Rating der Kreditnehmer). Die Belehnung und die Tragbarkeit sind die zwei wichtigsten Einflussfaktoren beim Zinssatz. Wer die Hypothek amortisiert, verbessert gleichzeitig beide Faktoren und kann mit einem deutlich besseren Zinssatz rechnen. Gut zu wissen: Bei einer so tiefen Belehnung offerieren auch Pensionskassen, Anlagestiftungen und Versicherungen sehr gute Zinsen bei Hypotheken. Es kann sich lohnen, weitere Offerten für die Erneuerung der Hypothek einzuholen.

Empfehlung von Andrea Steinmann Mascaro (Raiffeisenbank Zürich):
Abzahlung der zweiten Hypothek

Die Abzahlung der zweiten Hypothek erscheint in diesem Fall als sinnvoll. Allenfalls könnte auch mehr amortisiert werden, bis zu einem Betrag von etwa 250 000 Franken, da die Gelder nur auf dem Konto liegen und keine Anlagen getätigt werden. Die tiefen Zinserträge auf dem Konto und die Inflation sprechen dafür, ebenso wie die weiteren Kennzahlen des Ehepaares.

Zu berücksichtigen gilt es den Zinsabzug zum Eigenmietwert. Dieser fällt bei höheren Zinsen wieder stärker ins Gewicht und muss bei dem Entscheid ebenfalls in die Überlegungen einbezogen werden. Die Eheleute sind zwar erst knapp 50, dennoch könnte auch das Einkaufspotenzial für die Pensionskasse überprüft werden. Es bestünde wohl die Möglichkeit, dort einzuschiessen, was wir als sinnvoller erachten, als zu viel zu amortisieren.

Empfehlung von der UBS:
Teilrückzahlung der Hypothek/Amortisation

Aufgrund dessen, dass die Kunden ihr gesamtes Sparguthaben auf einem Konto haben und eine niedrige Risikobereitschaft aufweisen, sind die Zinskosten der Hypothek höher als die Erträge, welche auf dem Kontoguthaben erzielt werden. Auch wenn man die Steuerersparnis, welche Herr und Frau Müller durch den Abzug des Hypothekarzinses erzielen, mit einberechnet, sind die Kosten für die Hypothek noch immer höher als die Nettoerträge auf dem Konto.

Single Julia Studer

Frau Studer lebt alleine in ihrer Eigentumswohnung. Sie legt ihr Geld seit vielen Jahren selber in Aktien an. Sie spart damit in erster Linie für die Pensionierung. Seit dem Kauf der Eigentumswohnung vor über zehn Jahren hat Frau Studer eine Libor-Hypothek, die 2021 in eine Saron-Hypothek umgewandelt wurde. Sie ist damit gut gefahren und kann steigende Zinsen gut verkraften. Sobald der Saron nicht mehr negativ ist, steigt auch der Zinssatz für die Hypothek von Frau Studer im Gleichschritt mit dem Saron-Zins an. Ein Wechsel in eine Festhypothek kommt nach dem Zinsanstieg für Frau Studer nicht mehr infrage.

Single Julia Studer - NZZ Hypothekarschulden

Empfehlung von Florian Schubiger:
keine Amortisation

Eine Amortisation der Hypothek ergibt bei Frau Studer keinen Sinn. Die Hypothek ist im Vergleich zum Immobilienwert bereits tief. Dies hat auch damit zu tun, dass die Immobilienpreise in den letzten 20 Jahren so massiv angestiegen sind. Diese Situation teilt Frau Studer mit anderen Immobilienbesitzern: Viele wissen gar nicht, dass sie durch die Preissteigerungen in den letzten Jahren heute eine tiefe Belehnung haben.

Zudem hat Frau Studer auf den Aktienanlagen einen langen Anlagehorizont und damit gute Renditechancen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rendite auf den Geldanlagen höher ist als der Zinssatz bei der Hypothek, ist relativ hoch. Steigen die Zinsen sehr stark an, kann die Situation neu beurteilt werden. Durch Kontoguthaben und die Sparquote besteht die Möglichkeit, auch später zu amortisieren. Bei Saron-Hypotheken kann entweder nach einer kurzen Anzeigefrist oder beim Auslaufen des Rahmenvertrags amortisiert werden. Die meisten Rahmenverträge laufen drei Jahre.

Empfehlung von Andrea Steinmann Mascaro:
keine Amortisation

In diesem Fall besteht eine tiefe Belehnung. Aus diesem Grund ergibt es wenig Sinn, die Hypothek zurückzuzahlen. Einen Liquiditätspuffer von rund 100 000 Franken für Notfälle erachten wir als sinnvoll. Anlagen werfen im langjährigen Durchschnitt eine bessere Rendite ab als die Ersparnisse, die durch die tiefere Zinsbelastung bei einer Amortisation entstehen. Bei einem allfälligen weiteren Zinsanstieg sind Mittel für eine Amortisation vorhanden, so dass dies zu einem späteren Zeitpunkt nochmals überprüft werden kann.

Empfehlung von der UBS:
Weiterführung Saron-Hypothek / keine Amortisation

Geht man von historisch durchschnittlichen Aktienrenditen aus, sollten diese höher ausfallen als die zu zahlenden Hypothekarzinsen. Die Belehnung der Liegenschaft ist mit rund 42 Prozent sehr tief. Solange sich das Einkommen von Frau Studer nicht verändert, läuft Frau Studer keine Gefahr, ihre Hypothek (teil)amortisieren zu müssen. Sollten die Hypothekarzinsen jedoch stark ansteigen, ist es ratsam, die Situation neu beurteilen zu lassen.

Rentner-Ehepaar Pino & Stefanie Moreno

Das Rentnerpaar Moreno lebt in einer Doppelhaushälfte. Sie möchten so lange wie möglich auch im Alter im Haus bleiben und fühlen sich sehr wohl. Sie sind aber überrascht, wie stark die Zinsen gestiegen sind, und wollen die Zinskosten reduzieren. Sie haben im Dezember 2017 eine fünfjährige Festhypothek zu einem Zinssatz von 1,1 Prozent abgeschlossen. Sie überlegen sich deshalb, ob sie die Hypothek reduzieren sollten, um Zinskosten zu sparen.

Rentner-Ehepaar Pino und Stefanie Moreno - NZZ Hypothekarschulden

Empfehlung von Florian Schubiger:
keine Amortisation

Auch wenn es verlockend ist, die Hypothek im Alter so stark wie möglich zu amortisieren, sollten es die Morenos nicht tun. Die Belehnung ist schon jetzt sehr tief, und der Grossteil ihres Vermögens ist in der Immobilie gebunden. Würden sie noch mehr amortisieren, bestünde die Gefahr, dass sie irgendwann einen Liquiditätsengpass hätten. Morenos haben schon jetzt ein Gesamtvermögen von deutlich mehr als 1 Million Franken. Nur einen kleinen Teil davon können sie zur Bestreitung des Lebensunterhalts verwenden. Die Kontoguthaben von 150 000 Franken sollten sie als Sicherheit nicht auch noch in der Immobilie binden, sondern als Sicherheitsreserve behalten.

Empfehlung von Andrea Steinmann Mascaro:
eher keine Amortisation

Grundsätzlich ist eine Amortisation in diesem Fall nicht notwendig, da die Belehnung sehr tief ist. Eine gewisse Liquiditätsreserve ist sinnvoll, auch um höhere Zinsen in Zukunft durch allfällige spätere Amortisationen abzufedern. Unbedingt in die Betrachtung mit einzubeziehen sind allfällige grössere Investitionen – zum Beispiel in die Heizung oder die Fassadensanierung –, da häufig eine spätere Wiederauszahlung der Hypothek schwierig wird. Dies ist auch relevant unter dem Aspekt, dass einer der Ehepartner verstirbt und danach das Einkommen tiefer ausfällt.

Empfehlung von der UBS:
Hypothek verlängern

Obwohl Herr und Frau Moreno konservative Anleger sind und die Hypothekarkosten höher sind als die Erträge auf der Kontolösung, raten wir in diesem Fall dazu, die Hypothek zu verlängern. Morenos haben lediglich 150 000 Franken liquide Mittel zur Verfügung. Wir wissen nicht, ob ihre Renteneinkommen sämtliche Lebenshaltungskosten decken und ausserdem Spielraum lassen, um auf unvorhergesehene Ausgaben wie grössere Reparaturen oder hohe Arztrechnungen reagieren zu können. Unseres Erachtens bringt Familie Moreno die Flexibilität der Sparkontolösung mehr als die Reduktion der Kosten der Hypothek.

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Versicherungen für Privatpersonen: Diese Policen sind wirklich sinnvoll

Wenige Versicherungen sind ein Muss und viele optional. Ein Überblick darüber, welche Versicherungen in der Regel unabdingbar sind und wie hoch die Prämienunterschiede bei wichtigen Deckungen ausfallen.

Autor: Bernhard Bircher-Suits
11.10.2022, 05:30 Uhr

Gemäss dem Schweizerischen Versicherungsverband (SVV) hat die Schweizer Versicherungswirtschaft im Jahr 2021 das Prämienvolumen im Nichtlebengeschäft gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent gesteigert. Auch bei der freiwilligen Krankenzusatzversicherung gab es ein sattes Plus von 2,5 Prozent. Dazu gehören die Versicherung von Heilungskosten sowie das Krankentaggeld. Ein noch höheres Plus von rund 4 Prozent resultierte in der Feuer-, Elementar- und Schadenversicherung. Der Grund: Die versicherten Werte stiegen an, was sich in einer Zunahme des Prämienvolumens niederschlägt.

Versicherungsverband identifiziert neue Toprisiken

Das steigende Prämienvolumen freut die Branchenvertreter. Aus Kundensicht ist die Zunahme des Prämienvolumens eher mit Fragezeichen behaftet. Denn das oberste Ziel von scharf kalkulierenden Versicherungskunden sollte sein: nur die nötigsten Risiken zum besten Preis zu versichern. Gerade in Zeiten hoher Inflation gilt es auch bei Versicherungspolicen, Sparpotenzial auszuloten. Doch der Schweizer Versicherungsverband hat bereits neue «Toprisiken» identifiziert, die aus seiner Sicht «von der Öffentlichkeit nicht im erforderlichen Ausmass wahrgenommen werden». Dazu zählt der SVV Cyberattacken, Strommangellagen und Erdbeben.

Solche Risiken existieren zweifelsfrei, und bei tatsächlich eintretenden Strommangellagen dürften sich im Winter viele Haushalte fragen, ob zum Beispiel allfällige Schäden am Gefriergut bei Stromausfällen gedeckt sind. Bis anhin gilt: Bei den meisten Versicherungsgesellschaften sind Schäden am Tiefkühlgut wegen eines unbeabsichtigten Ausfalls des Kühlgerätes durch die Hausratversicherung im Rahmen der entsprechenden Versicherungssumme und eines allfälligen Selbstbehalts gedeckt.

Ob diese Regeln auch bei einem absichtlich herbeigeführten Stromunterbuch zur Anwendung kommen werden, wird sich zeigen. Als Tipp bietet sich folgendes Vorgehen an: Kurz überlegen, was Schaden nehmen könnte, wenn es kalt würde in den eigenen vier Wänden, und in der Hausratspolice nachsehen oder bei Bedarf bei der Versicherung nachfragen, welche Schäden effektiv bis zu welcher Summe gedeckt wären.

Hände weg von gemischten Lebensversicherungen

Wer sich kostengünstig und vor allem risikogerecht versichern will, sollte zuerst aber seine ganz individuelle Risikoanalyse machen: Was kann meiner Person, meiner Familie, meiner Wohnung oder den eigenen vier Wänden passieren? Besteht an meinem Wohnort zum Beispiel in der Tat ein erhöhtes Erdbebenrisiko? Würde ein solches Toprisiko zudem die finanzielle Existenz bedrohen? Oder könnte man den Schaden problemlos mit dem Ersparten begleichen?

Als Faustregel gilt: Grosse und folgenschwere Risiken sollten Private wie auch Firmen unbedingt versichern. Bei kleinen Risiken kann man sich die Prämie oft sparen. Ein Kleinrisiko ist zum Beispiel die Versicherung des Reisegepäcks oder des Handy-Displays sowie eine Ski- und Snowboard-Bruchversicherung. Benjamin Manz, Geschäftsleiter des Schweizer Vergleichsportals Moneyland, sagt: «Die wohl schlechteste Entscheidung für eine Versicherung sind häufig gemischte Lebensversicherungen, die ein Risiko wie zum Beispiel einen Todesfall mit Sparen beziehungsweise Investieren kombinieren. Davon ist meistens abzuraten, da diese Versicherungen zu einer echten Kostenfalle werden können. Besser ist es, Risiko und Investieren zu trennen.»

Grosse Wissenslücken bei Finanz- und Versicherungsfragen

Ein Grundproblem im Versicherungsdschungel: Viele Menschen haben bei Finanz- und Versicherungsfragen grosse Wissenslücken und können das individuelle Risiko nur schwer abschätzen. Das zeigt auch eine empirische Untersuchung im Schweizer Versicherungsmarkt der Universität St. Gallen. Gemäss den Autoren bestehen «erhebliche Wissensdefizite bei den Konsumenten». Rund ein Drittel der Bevölkerung «zeigt erhebliche Defizite beim Basisfinanzwissen; zu Versicherungsfragen gibt es noch grössere Defizite». Die Autoren empfehlen Initiativen zur Wissensförderung, mit denen Versicherungslaien Risiken und Versicherungsfragen besser verstehen und fundiertere Entscheidungen treffen können.

Wichtig zu wissen ist: Versicherungen wie die Grundversicherung der Krankenkasse sind in der Schweiz obligatorisch. Zusatzversicherungen sind nett zu haben, aber meist teuer und unnötig. Deutlich preiswerter sind Spitalversicherungen mit flexibler Abteilungswahl (Flex-Versicherung). Sie können eine Alternative zu den teuren Zusatzversicherungen für die halbprivate oder private Spitalabteilung sein. Grundsätzlich gilt bei dieser attraktiven Lösung: Je höher die Kostenbeteiligung durch den Versicherten, desto tiefer ist die Prämie. Doch für eine Flex-Versicherung verlangen die Kassen eine Gesundheitsprüfung. Gut zu wissen: Auch ohne teure Zusatzversicherung kann man in vielen Spitälern für ein Einzel- oder Doppelzimmer aus dem eigenen Portemonnaie bezahlen (Upgrade).

Eine Privathaftpflicht gehört zur Grundausstattung

Eine Privathaftpflicht ist hingegen sehr empfehlenswert. Sie deckt Schäden, die Versicherte Dritten zufügen. Sie ist grundsätzlich freiwillig, für Hundehalterinnen und Hundehalter in den meisten Kantonen aber obligatorisch. Lebensversicherungen sind hingegen freiwillig. Eine reine Risiko-Kapital-Lebensversicherung kann aber sinnvoll sein, wenn zum Beispiel eine junge Familie und angehende Wohneigentümer die Risiken Invalidität und Tod privat versichern möchten.

Dazu sollte man vorher die Frage klären: Wie viel Geld würde der überlebende Partner von der Pensionskasse, der AHV/IV oder der Unfallversicherung erhalten? Deckt der Betrag den Lebensstandard nicht, sollte man den Abschluss einer reinen Risikopolice prüfen. Risiko-Lebensversicherungen sichern Tod und Invalidität ab – entweder einzeln oder in Kombination. Mit den bisher erwähnten Tipps haben Versicherte eine erste Grundlage für eine Analyse ihres bestehenden Versicherungsdossiers.

Haushalte in der Schweiz gelten als eher über- denn unterversichert. Von Überversicherung sprechen Versicherungsfachleute, wenn die versicherte Schadenssumme zu hoch als effektiv nötig angesetzt wurde. Oft sind Versicherte schlicht auch zwei Mal für dasselbe Risiko versichert. Sogar die Versicherung Allianz hält auf ihrer eigenen Website fest: «Häufig zahlen wir für dasselbe Risiko zwei Versicherungen, ohne es zu wissen.» Ein Beispiel: Tickets für Veranstaltungen sind unter Umständen bereits in der Reiseversicherung gedeckt. Und wer zusammen im selben Haushalt wohnt, braucht in der Regel nur eine Haushaltversicherung und nicht zwei.

Was viele auch nicht beachten: Angestellte sind in der Schweiz obligatorisch gegen die finanziellen Folgen von Berufs- und Freizeitunfällen versichert – vorausgesetzt, sie arbeiten mindestens acht Stunden pro Woche beim gleichen Arbeitgeber. In diesem Fall kann man auf die zusätzliche Unfalldeckung in der Krankenkasse verzichten.

Vergleich von Privathaftpflicht- und Hausratsversicherungen

Doch wie hoch sind die Prämien für die wichtigsten Deckungen wie zum Beispiel eine Privathaftpflicht- oder eine Hausratsversicherung effektiv? Vor jedem Abschluss einer Versicherung sollte ein Prämienvergleich stehen. Der Konkurrenzkampf unter den Gesellschaften hat zur Folge, dass für praktisch gleichwertige Versicherungslösungen bis zur Hälfte der Prämie gespart werden kann – und zwar Jahr für Jahr. Das finden Versicherte aber nur heraus, wenn sie mehrere Offerten einholen.

Eine Privathaftpflichtversicherung kann für wenig Geld vor dem finanziellen Ruin schützen. Sie ist deshalb sehr empfehlenswert. Ein Kostenvergleich für einen 40-jährigen Mann mit Wohnsitz in Zürich zeigt, dass dieser bei manchen Versicherern doppelt so viel zahlt wie bei anderen. Auch bei der Hausratsversicherung zeigen sich enorme Preisunterschiede. Und nicht vergessen: Man sollte beim Versicherungsabschluss auf einer einjährigen Laufzeit bestehen. So ist man flexibel, falls man später doch noch ein besseres Angebot findet und rasch wieder aussteigen möchte.

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Ferienwohnungen: So sinken die Fixkosten mit Hilfe von Online-Plattformen wie Airbnb und Booking

Viele Zweitwohnungen in der Schweiz sind schlecht isoliert und verbrennen viel Heizenergie, Strom und Geld. Mithilfe von Ferienwohnungs-Vermittlungsplattformen lässt sich in gefragten Orten zumindest ein Teil der Fixkosten kompensieren. Ein Ratgeber für mehr warme Betten.

Autor: Bernhard Bircher-Suits
27.09.2022, 05:30 Uhr

Die gute Nachricht für die schätzungsweise 700 000 Eigentümerinnen und Eigentümer von Ferienimmobilien vorneweg: Die Preise für Schweizer Ferienwohnungen sind im Jahr 2021 im Schnitt um knapp 10 Prozent gestiegen. Das zeigt eine im Mai dieses Jahres veröffentlichte Studie der Grossbank UBS. Die Preise legten damit so stark zu wie seit 2008 nicht mehr.

Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative «Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen» im Jahr 2012 hatte gemäss der Studie vorher zu «einer langjährigen Schwächephase auf den Zweitwohnungsmärkten» geführt. Die Initiative beschränkt die Zahl der Ferienwohnungen je Gemeinde auf 20 Prozent. Die Initiative wirkte als Preisdämpfer bei Ferienimmobilien: Zwischen 2012 und 2020 legten Ferienwohnungen insgesamt «nur» um 3 Prozent an Wert zu und damit deutlich weniger als andere Immobilien im Landesdurchschnitt.

Ferienimmobilien erleben Boom

Mittlerweile boomt der Markt für Ferienimmobilien wieder: Die meisten Ferienwohnungsmärkte sind gemäss UBS «leergekauft», und die Quadratmeterpreise erreichen Höchststände. Sie liegen gegenwärtig um rund 15 Prozent über dem Niveau von Anfang 2020. Der jüngste Kaufrausch wurde gemäss der genannten Studie durch die Corona-bedingt starke Nachfrage nach Wohnen in der Natur, Vermögensinflation sowie historisch tiefe Hypothekarzinsen begünstigt. Zudem hat das ortsunabhängige Arbeiten an Bedeutung gewonnen, und die Schweizerinnen und Schweizer machen wieder verstärkt im Inland Ferien.

Die nach der Corona-Pandemie wieder steigende Nachfrage nach Ferienwohnungen spüren nicht nur die Immobilienmakler, sondern auch die Vermieter von in den kühleren Bergregionen gelegenen Ferienwohnungen. Tourismusfachleute sprechen bei diesen Angeboten von «Parahotellerie». Im Verlauf des vergangenen Jahres verzeichneten Ferienwohnungen gemäss Zahlen des Schweizer Tourismusverbands in der Schweiz 7,6 Millionen Logiernächte. Das sind 5,5 Prozent mehr als im Corona-Krisenjahr 2020. 2021 betrug die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in einer Ferienwohnung 6,5 Nächte. Im Vergleich zu 2021 nahm die Zahl der Logiernächte im ersten Quartal 2022 um rund 700 000 zu. Die Parahotellerie läuft also rund.

Waren früher Ferienwohnungen in den Bergregionen im besten Fall in der Wintersaison ausgebucht, sind nun dank immer heisseren Sommern im Unterland auch die Monate Juni, Juli und August bei Mietenden «heiss» begehrt. Marcel Meek, Geschäftsführer der Feriendomizil-Vermittlungsplattform E-Domizil, sagt: «Ausgebuchte Regionen gab es in der Schweiz bisher nur im Winter zu Weihnachten und Neujahr beziehungsweise in den Sportferien. Neu gibt es einen zweiten solchen Höhepunkt im Sommer.»

Ferienimmobilien sind nur an Toplagen Rendite-Perlen

Doch die Vermietung einer Ferienimmobilie ist kein Kinderspiel, und Ferienwohnungen sind meist nur an Toplagen Rendite-Perlen. Und je höher der Mietpreis für eine Ferienwohnung, desto anspruchsvoller sind die Gäste. Doch anstatt die Ferienwohnung das ganze Jahr mehr oder weniger leer stehen zu lassen, kann man ein allfälliges Gästepotenzial auf Online-Plattformen zumindest testen und im Idealfall die Fixkosten teilweise kompensieren und die schlechte Umweltbilanz einer leerstehenden, aber meist doch geheizten Ferienwohnung aufpolieren.

Die folgende Tabelle zeigt: Preiswert für Vermietende ist vor allem die Onlineplattform Fewo-direkt. Sie verlangt von privaten Anbietern «nur» 8 Prozent Kommission. Auf der Bewertungs-Website https://www.testberichte.de erhält die Plattform aber nur die Gesamtnote «ausreichend». Nutzerinnen un Nutzer beschweren sich dort über Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme per Telefon sowie den Kundendienst.

Vier bekannte Buchungsplattformen in der Schweiz im Vergleich

* Gemäss Firmenangaben. 1) Die meisten Gastgeberinnen und Gastgeber zahlen eine pauschale Servicegebühr in Höhe von 3% der Zwischensumme einer Buchung. Die Zwischensumme ist der Übernachtungspreis zuzüglich der Reinigungsgebühren und Gebühren für zusätzliche Gäste (falls zutreffend). Den Gästen wird eine Servicegebühr von zirka 14% der gesamten Buchung belastet. 2) Fewo-direkt ist eine Vrbo-Marke und Teil der Expedia Group. Die Expedia Group hat ihren Sitz in den USA. 3) Professionelle Gastgeber (Agenturen) zahlen bis zu 15% Provision.

Quelle: Eigene Recherchen

Airbnb spricht internationale Wohn-Nomaden und Kurzaufenthalter an

Der selbständige IT-Unternehmer Manuel Berger (Name geändert) hat seine Tessiner Ferienimmobilie seit zwei Jahren auf Airbnb und E-Domizil inseriert. Berger sagt: «E-Domizil positioniert sich klar für den längerfristigen, klassischen Ferientourismus. Bei Airbnb gibt es hingegen viele Kurzaufenthalter.» Airbnb ziehe eher die «moderne, digitale und internationale Kundschaft» an. Die Website von E-Domizil ist aus Sicht von Berger nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Ein Pluspunkt bei Airbnb seien die Bewertungen der Feriengäste durch die Vermieter. Berger sagt: «Dadurch kann man sich ein Bild von den jeweiligen Mietern machen. Es führt sicher auch dazu, dass sich die Mietparteien mehr Mühe geben, weil sie am Ende keine negativen Bewertungen erhalten möchten.» Neben den Gebühren sollten auch die Benutzerführung und der persönliche zeitliche Aufwand für die Vermietung testweise geprüft werden.

Grosse Plattformen wie Airbnb oder Booking.com bieten einen hohen Grad an Automatisierung und Bedienkomfort. Martina Bieler, Leiterin Kommunikation beim Schweizer Tourismusverband STV FST, sagt: «Online-Ferienwohnungsplattformen ermöglichen den Vermieterinnen und Vermietern eine grosse Reichweite und Sichtbarkeit. Dadurch lassen sich Marketing- und Vertriebskosten einsparen. Trotzdem empfiehlt es sich, bei der Vermarktung auf verschiedene Kanäle zu setzen.» Beruhigend zu wissen für angehende Vermieter: Die meisten Plattformen kennen ein Party-Verbot, und Mietende müssen vorher den «Hausregeln» zustimmen. Im Mietpreis ist oft auch eine Versicherung für den Vermieter enthalten. So schlafen Vermieter ruhig, während sich Gäste in den warmen Betten erholen.

Lesen Sie den Originalartikel vom 27.09.2022 auf nzz.ch oder laden Sie sich die NZZ-Online-Version als PDF herunter.

 

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FundCom-Newsletter 2/2022

Die FundCom AG ist nun bereits seit fast vier Jahren erfolgreich am Markt und unsere Kundenliste wird immer länger: Seit einigen Monaten produzieren wir regelmässig Inhalte für das Schweizer Kinderhilfswerk Terre des hommes Lausanne und die führende Online-Plattform Homegate. Neu mit im Boot sind zudem die renommierte Biovision (Stiftung für ökologische Entwicklung) und das innovative Start-Up Hegias AG.

Stolz sind wir nicht nur auf unsere grösseren Büros beim Limmatplatz, sondern auch auf das fertig produzierte Lighthouse-Magazin 2/2022

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FundCom-Newsletter 1/2022

 

Ob Webdesign, Fundraising oder Nutzwert-Artikel: Die FundCom durfte wieder spannende Projekte abwickeln. Für die Zürcher Meisterwerkstatt Rast Geigenbauer haben wir zum Beispiel die brandneue Website https://rast-violins.ch produziert. Sie rankt auf Seite eins bei Google.

Viel Herzblut haben wir auch in das Weihnachtsmailing für die Stiftung Humanitas in Horgen gesteckt. Der Spendenbrief mit ausmalbaren Weihnachtskarten öffnete bei vielen GönnerInnen die Herzen und das Portemonnaie.

Die Auktion «We love to give» für die Stiftung für Kinder in der Schweiz hat bei 28 Schweizer Prominenten Erinnerungen geweckt – und noch viel mehr. Die Versteigerung ihrer liebsten Stücke erzielte Spenden von über 24’000 Franken.

Lesen Sie auch unseren NZZ-Fachartikel zum Thema Spendenabzüge.

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Nachhaltige Schweizer Investment-Apps auf dem Prüfstand

Patrik Schär (links) ist CEO und Gründer des Unternehmens Selma Finance, das nachhaltige Anlagestrategien mit ETF anbietet. Tillmann Lang (rechts), CEO und Co-Gründer der Yova AG, schwört für mehr nachhaltigen Impact auf Einzelaktien.

Felix Ertle, Bernhard Bircher-Suits
17.02.2022, 05.30 Uhr

Die Schweizer Robo-Advisors Selma und Inyova stellen nachhaltige Aktienportfolios automatisch zusammen, zugeschnitten auf die Wünsche der Investoren. Wie schlagen sich die Lösungen im Nachhaltigkeits-Check?

 

Zwischen der Zürcher Stadionbrache und der nahen Limmat befindet sich der Firmensitz von Selma Finance. Rund drei Kilometer entfernt am Limmatplatz liegt der Sitz von Yova. Beide Firmen bieten Privatanlegern gemäss eigenen Angaben «nachhaltige» Anlagestrategien an.

Die zwei Unternehmen setzen mit den Lösungen Selma und Inyova auf vollautomatische Finanzberatungen, sogenannte Robo-Advisors. Auf Basis der Nachhaltigkeitsbedürfnisse der Anleger wie Umwelt oder erneuerbare Energien erstellen die Algorithmen der Finanzdienstleister vermeintlich passende Anlagestrategien. Doch während Selma ausschliesslich Investitionen in Exchange-Traded Funds (ETF) – börsengehandelte Anlagefonds – anbietet, befinden sich in den Portfolios von Inyova ausschliesslich Einzelaktien.

Gefragte nachhaltige Investments

Nachhaltige Investments gewinnen in der Schweiz rasant an Popularität. Gemäss einer Marktstudie der von Swiss Sustainable Finance sind sie von 2019 auf 2020 um rund einen Drittel gestiegen. Insgesamt flossen 2020 über 1520 Milliarden Franken in der Schweiz in solche Anlagen. Das ist über 37 Mal mehr als zehn Jahre zuvor. Inzwischen bieten nahezu alle Finanzdienstleister in der Schweiz nachhaltige Anlagen in Form von ETF und Aktienfonds an. Dabei sorgen sie allerdings für Verwirrung.

«Die vorhandenen Anlagemöglichkeiten sind für Anlegerinnen und Anleger nicht einfach zu durchschauen. Zudem werden Begriffe wie ESG oder Nachhaltigkeit von verschiedenen Anbietern unterschiedlich interpretiert», sagt Manuel Rütsche, Leiter Asset-Management beim Finanzdienstleister VZ Vermögenszentrum.

Nachhaltige Anlagen werden oft anhand dreier Werte gemessen: Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Geschäftsführung (Governance) – die sogenannten ESG-Kriterien. Selma Finance kauft ihre nachhaltigen Anlageoptionen direkt von Rating-Agenturen wie dem US-Indexhaus MSCI. Das Problem dabei ist, dass es unter Rating-Agenturen Unterschiede in den Unternehmensbewertungen gibt.

Unterschiede bei den Ansätzen

Der weit verbreitete MSCI-ESG-Index bewertet weltweit 8500 Unternehmen. Dazu vergleicht er den Umgang mit brancheninternen Risiken und wählt einen «Best-in-Class-Ansatz». Der Dow-Jones-Sustainability-Index verfolgt einen ähnlichen Gedanken. Darin finden sich jedoch nur die 500 vorbildlichsten Firmen aus den 2500 grössten börsengehandelten Firmen. Der Pferdefuss dabei ist, dass damit auch Aktien aus den wenig nachhaltigen Branchen Auto, Luftfahrt und Erdöl in den Index Eingang finden.

Laut Patrick Schär, Geschäftsleiter bei Selma Finance, nutzt sein Unternehmen überwiegend die Indizes aus der Gruppe MSCI Socially Responsible Investing (SRI). Laut dem US-Indexhaus MSCI bilden SRI-Ratings die besten 25 Prozent der Unternehmen in jedem Sektor auf Basis ihrer ESG-Ratings ab. Unter dem SRI-Standard werden solche Unternehmen und Branchen ausgeschlossen, die als einer «sozial und/ oder ökologisch nachhaltigen Entwicklung entgegenstehend eingestuft werden – wie zum Beispiel Atomkraft, Kinderarbeit oder Rüstung».

Die ausschliesslich auf nachhaltige Investments fokussierte Finanz-App Inyova besitzt gemäss dem Geschäftsleiter Tillmann Lang eigene Messmethoden. «Wir überprüfen, welche Produkte und Dienstleistungen Unternehmen anbieten und ob sie einen positiven Effekt haben», sagt Lang. «Zudem betrachten wir, wie sie CO2-Emissionen, Chancengleichheit, gerechte Löhne und Menschenrechte in ihrer Arbeit berücksichtigen.»

Zudem müssten Unternehmen für Inyova in allen Nachhaltigkeitsdimensionen unbedenklich sein und mindestens in einer Dimension herausragen, um es ins Portfolio zu schaffen. Reine Waffenhersteller würden direkt ausgeschlossen. Die Anleger könnten in der App eigene Ausschlusskriterien definieren, wie zum Beispiel «Fleischindustrie» oder «Atomkraft».
Prüfung auf eigene Faust nötig

Gemäss dem Selma-Vertreter Schär bieten ETF mehr finanzielle Sicherheit als Aktien: «Mit ETF ermöglichen wir unseren Kunden eine kostengünstige Risikostreuung. So ermöglichen wir nachhaltige Investitionen und vermeiden gleichzeitig Klumpen- und Verlustrisiken.»

Dagegen sagt der Yova-Geschäftsleiter Tillmann Lang: «Auf Basis der Bedürfnisse unserer Anlegerinnen und Anleger erstellt der Inyova-Algorithmus ein Portfolio mit 37 bis 40 einzelnen Aktien, gewählt aus 350 Unternehmen.» Diese Liste könne individuell angepasst werden. Gefalle einem Anleger beispielsweise Tesla nicht, könne er dieses Unternehmen aus seinem Portfolio streichen. Als Inhaber von Unternehmensanteilen könnten Anleger zudem die nachhaltige Entwicklung der einzelnen Unternehmen mitlenken. Das gehe mit börsengehandelten Anlagefonds nicht.
Aktien bieten Vorteile bei speziellen Themen wie Recycling

Gemäss Rütsche hängt die Anlagewahl von den eigenen Bedürfnissen ab. Durch die freie Titelselektion könnten die Fondsmanager bei Aktienfonds in das Portfolio eingreifen. Auf diese Art könnten sie ihre Sichtweise zum Thema Nachhaltigkeit abbilden. Aktienfonds hätten zudem zu speziellen Themen wie Recycling einen Vorteil gegenüber ETF, da diese Themen von ETF seltener abgebildet würden.

ESG-Indizes verbänden oft mehrere Nachhaltigkeits-Massnahmen, sagt Rütsche. Dadurch stellten sie teilweise deutlich nachhaltigere Portfolios zusammen als ETF auf klassische Indizes oder aktiv verwaltete Fonds. Durch unterschiedliche Konstruktionsweisen könnten die Indizes jedoch stark voneinander abweichen.

Selma ist günstiger als Inyova

Der Anbieter-Vergleich zeigt: Die Mindestinvestionssumme ist bei beiden gleich tief (vgl. Tabelle) – bei den Gebühren bezahlt man umso weniger, je mehr man investiert. Die Lösung von Inyova ist mit Webbrowser sowie iOS- und Android-App einsetzbar. Selma ist bis jetzt nur als Web-Lösung und iOS-App verfügbar. Eine Android-App ist in Planung.

Gemäss Manuel Rütsche vom VZ schneiden Exchange-Traded Funds bei der Rendite meistens besser ab: «Ein ETF ist sehr kostengünstig und hat das Ziel, möglichst genau die Entwicklung des jeweiligen Vergleichsindexes nachzubilden.» Bei den im Normalfall deutlich teureren aktiven Fonds gehe es darum, den Index zu schlagen. Die Praxis zeige aber, dass dieses Ziel oftmals deutlich verfehlt werde.

Tillmann Lang gibt sich dennoch zuversichtlich: «Entscheiden sich unsere Anlegerinnen und Anleger gegen bestimmte Aktien, passt der Algorithmus die Gewichtung des gesamten Portfolios neu an, damit das Risikoprofil passt. Die Beimischung von grünen Anleihen sorgt für eine weitere Diversifizierung.» Durch die vollautomatische Anpassung sei diese Anlagelösung viel günstiger als von Menschen verwaltete Aktienfonds. Zudem werde bei einem Inyova-Portfolio eine langfristige Rendite von 6 bis 7 Prozent vor Gebühren pro Jahr erwartet – was sich entlang der Märkte bewege.

Nachhaltigkeit ist nicht mit Impact gleichzusetzen

Die Wissenschafter Stefan Zeisberger und Julian Kölbel von der Universität Zürich forschen eingehend zu nachhaltigen Investitionen. «Die nachhaltigste Anlagestrategie hängt von der zugrunde liegenden Motivation der Anleger ab. Wenn man nachhaltige Werte im Portfolio reflektieren möchte, dann sind klare Ausschlusskriterien oder Best-in-Class das Beste», teilen sie auf Anfrage mit.

Wenn man Nachhaltigkeitsrisiken eingrenzen wolle, sei die Berücksichtigung von ESG-Ratings der richtige Ansatz. Wer mit seinen Investitionen etwas bewirken wolle, sollte Mitbestimmungsrechte als Aktieneigentümer oder Investitionen in alternative Anlagen erwägen. Wichtig sei, die eigenen Ziele klar zu benennen und einen Ansatz zu finden, der mit ihnen in Einklang stehe.

Gut zu wissen: Es gibt noch weitere prüfenswerte Schweizer Anbieter von nachhaltigen Anlagen. Beim Robo-Advisor True Wealth beträgt das Startkapital aber beispielsweise 8500 Franken. Bei Descartes Finance beginnen Investitionen erst ab 25 000 Franken – und das zu deutlich günstigeren Grundgebühren von 0,5 bis 0,25 Prozent für die Finanzlösung True Wealth und 0,3 Prozent für Descartes Finance (Zusatzkosten exklusive). In Bezug auf Nachhaltigkeit muss man aber auch hier – wie bei allen angeblich nachhaltigen Lösungen – genau hinschauen.

Tipps für nachhaltige Anlagen
  • Eigenes Nachhaltigkeitsprofil erstellen: Möchten Sie nachhaltige Werte im Portfolio reflektieren oder mitbestimmen? Sind bestimmte Branchen ein No-Go? Ihr Nachhaltigkeitsprofil hilft Ihnen mit der Suche nach den richtigen Investitionen.

  • Mehrere Finanzanbieter vergleichen: Es gibt eine Vielzahl von Robo-Advisors, mit denen man in der Schweiz nachhaltig investieren kann. Diese Anbieter unterscheiden sich teilweise deutlich in Mindestinvestitionsmenge, Gebühren und angebotenen Anlagen. Eine aktuelle Liste der digitalen Schweizer Vermögensverwalter finden Sie unter: https://www.moneyland.ch/de/robo-advisor-schweiz-vergleich

  • Fonds miteinander vergleichen: Vergleichen Sie nachhaltige Fonds auf Plattformen wie zum Beispiel https://www.meinfairmoegen.de/infomaterial vom unabhängigen, nichtkommerziellen Projekt MeinFairMögen der Investing Initiative Deutschland oder auf www.morningstar.ch vom amerikanischen Finanzinformations- und Analyseunternehmen Morningstar.

  • Auf Kosten achten: Achten Sie auf die Kosten der Anlagelösungen. Interessant sind generell Anlagelösungen, die deutlich unter 1 Prozent pro Jahr kosten. Wenn die Kosten über 1 Prozent liegen, sollten die Nachhaltigkeitsbestrebungen des Finanzanbieters besonders hoch sein. 

  • Bei Finanzanbietern nachfragen: Fragen Sie bei potenziellen Anbietern direkt nach, wie genau Nachhaltigkeit die Investitionsentscheidungen beeinflusst und ob es Beispiele dafür gibt.

 

Lesen Sie den Originalartikel vom 17.02.2021 auf nzz.ch oder laden Sie sich die NZZ-Online-Version als PDF herunter.

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Immobilienverwaltung: Das können die digitalen Helfer

Eine Immobilienverwaltung durch Dritte kostet zwischen 4 und 5 Prozent der Mieteinnahmen pro Jahr. Wer sich selbst um seine Miethäuser oder -wohnungen kümmert, spart Geld – zum Beispiel mithilfe einer Immobilienverwaltungs-Software. Bei drei Online-Lösungen zeigen sich Unterschiede.

Bernhard Bircher-Suits
11.01.2022, 05.30 Uhr

Die Nachfrage nach Renditeliegenschaften ist weiterhin grösser als das Angebot. Die Preise von Renditeobjekten haben trotz Corona-Krise Höchststände erreicht, wie eine Studie der Immobilienberatungsfirma Wüest Partner zeigt. Zwischen Mitte 2020 und Mitte 2021 wurde bei Wohnliegenschaften ein Anstieg der Transaktionspreise von 4,7 Prozent registriert. Bei den Geschäftsliegenschaften ist die Zahlungsbereitschaft mit 0,5 Prozent deutlich schwächer gestiegen.

Wohneigentum wie auch vermietete Liegenschaften sind somit trotz anhaltender Corona-Krise heiss begehrt und liefern den Eigentümern bei einer Vermietung attraktive Renditen. Davon profitieren in der Schweiz nicht nur Pensionskassen, Versicherungen und Banken sowie grosse Immobilienunternehmen, sondern auch Privatpersonen. Insgesamt gehörten im Jahr 2019 rund die Hälfte aller Mietwohnungen in der Schweiz Privaten. Das zeigt eine Studie von Raiffeisen Schweiz.

Viele private Immobilieneigentümer lassen ihre Objekte von professionellen Hausverwaltern verwalten. Am besten lässt sich eine faire Verwalterin bzw. ein fairer Verwalter über Verbände wie Casafair oder den Hauseigentümerverband (HEV) bzw. Empfehlungen anderer Wohneigentümer finden.

Externe Verwaltung verursacht Kosten

Doch eine externe Verwaltung hat ihren Preis: Gemäss dem Schweizer Vergleichsportal Gryps.ch kostet die Verwaltung einer Mietliegenschaft zwischen 4 und 5 Prozent des Brutto- oder Nettomietzinses pro Jahr. Damit sind in der Regel Liegenschaftsabrechnung, Buchhaltungskosten und administrative Bewirtschaftung abgedeckt. Zusätzliche Kosten verursacht meist nur ein ausserordentlicher Aufwand der Verwaltung – beispielsweise ein grösserer Umbau. Die Verwaltungskosten variieren je nach Umfang der Aufgaben, Region und Anzahl zu verwaltender Objekte.

Wer solche Ausgaben sparen und die Verwaltung lieber in die eigene Hand nehmen möchte, muss sich mit Buchhaltung, Nebenkostenabrechnungen, Mietrecht, Steuern und den Mietparteien selbst herumschlagen. Das kostet Zeit, Geld und vor allem Nerven. Eine clevere Hausverwaltungssoftware kann helfen, den Überblick zu behalten und die Administration zu vereinfachen.

Eine Verwaltungssoftware sollte für Private bezahlbar, einfach zu bedienen und übersichtlich sein. Eine der wichtigsten Aufgaben der Hausverwaltung ist die Nebenkostenabrechnung. Sie ist in einer Verwaltungssoftware ein Muss. Damit können Heizkosten, Kalt- und Warmwasser, Strom und weitere Nebenkosten wie Hauswart, Kehricht und so weiter anteilsmässig abgerechnet werden. Weitere wichtige Funktionen sind die Wohnungs- bzw. Liegenschaftsverwaltung und das Bereitstellen von Dokumenten wie zum Beispiel einem Übergabeprotokoll oder einem Mietvertrag.

Clevere Programme bieten auch Inventarlisten und Vermerke, wann eine Wohnung renoviert wurde und mit welchen Geräten. Software der neuesten Generation bietet auch elektronische Schnittstellen zu Banken bzw. zum Mietzinskonto an. Dies vereinfacht die Mietzinseingangskontrolle und die Buchhaltung.

Drei Programme auf dem Prüfstand

Die NZZ hat folgende Online-Programme für unter 600 Franken pro Jahr unter die Lupe genommen: Fairwalter, Immoshome und Limmobi. Diese Programme zielen auch auf Private, die kleinere Mietobjekte verwalten. Sie lassen sich bequem über einen Internet-Browser weltweit nutzen. Geprüft wurden Leistungsumfang, Benutzerführung und die Kompatibilität mit Office-Programmen.

Man muss also auf dem Computer kein Programm lokal installieren, sondern meldet sich mit Benutzername und Passwort online an und kann loslegen. Was heikel sein kann: Erfasste Daten werden extern in einer Cloud (Datenwolke) des Anbieters gespeichert. Wie gut die Daten dort geschützt sind, ist nicht nachprüfbar. Allgemein empfiehlt es sich, zuerst die kostenlosen Demoversionen der Hausverwaltungsprogramme auszuprobieren.

Die Resultate des Vergleichs:

Hausverwaltung Limmobi

Die Online-Lösung Limmobi in Deutsch und Englisch enthält Funktionen wie Nebenkostenabrechnung, Mahnwesen, Debitoren- und Kreditoren-Buchhaltung sowie eine umfassende Vorlagenbibliothek mit nützlichen Verträgen und Briefen – wie zum Beispiel einem Übergabeprotokoll oder einem Mietvertrag. Künstliche Intelligenz hilft dem Anwender bei der automatischen Erfassung und Bearbeitung von Rechnungen.

Praktisch: Die Software bietet eine direkte Anbindung an die zehn «wichtigsten Schweizer Banken». Dazu zählt Limmobi die Postfinance, Raiffeisen, die UBS, die ZKB und weitere Banken. Diese Bankenanbindung erlaubt eine automatische Zahlungseingangskontrolle – zum Beispiel für die Mietzinsen. Gemäss dem Limmobi-Geschäftsführer und Inhaber Alexander Karg wird die Software mittlerweile von 300 Nutzern eingesetzt.

Positiv: Die Menus sind einfach verständlich und die Eingabemasken übersichtlich. Der Online-Abgleich des Bankkontos mit der Buchhaltung erlaubt eine laufende Kontrolle und stellt sicher, dass die Buchhaltung immer auf dem neusten Stand ist.

Negativ: Einzelne Texte sind in Englisch gehalten, Hilfstexte fehlen meist. Noch keine Zwei-Faktoren-Authentifizierung bei der Software-Anmeldung.

Fazit: Limmobi ist eine günstige und einfache Lösung mit nützlichen Funktionen. Die Dokumente sind mit Office-Programmen kompatibel. Das Programm bietet alle für private Verwalter wichtigen Funktionen und vieles mehr ab monatlich 9 Franken für bis zu zwei Objekte pro Anwender.

Hausverwaltung Fairwalter

Das Programm Fairwalter enthält unter anderem die zentralen Funktionen wie Nebenkostenabrechnung, einfache Buchhaltung, Mieterspiegel und Dokumentvorlagen. Die Software wird gemäss dem Geschäftsführer Max Wirz mittlerweile von mehr als 150 Kunden eingesetzt. Bei der Eingabe der Eckdaten der Immobilie kann man bequem über eine Suchfunktion die Eidgenössische Gebäude-Identifikationsnummer (Egid) anklicken. Die Egid ist eine national zugewiesene Identifikationsnummer für sämtliche Gebäude in der Schweiz.

Positiv: Der Link zur externen Egid-Datenbank funktioniert, die Daten wie Adresse und Eigentümerschaft der Testimmobilie wurden automatisch in die Eingabemaske übernommen. Das Programm fragt Eckdaten zu Mietern und Wohnobjekten Schritt für Schritt ab und liefert damit bei Bedarf auch automatisch individualisierte Briefe und Verträge. Im Rahmen der Registrierung erhält man zudem direkt ein Video-Tutorial. Fairwalter setzt gemäss eigenen Angaben auf von Microsoft in der Schweiz betriebene Server. Die Daten werden mehrmals täglich auf gespiegelten Servern gespeichert. Die Dienstleisterliste und die Schäden-Verwaltungslösung sind praktisch, zudem hat die Anwendung viele praktische Hilfe-Videos. Im Vergleich zu Limmobi punktet Fairwalter mit mehr Erklärungen, besserer Benutzerführung und modernerem Design.

Negativ: Der Bankenabgleich befindet sich noch in der Beta-Phase. Es gibt noch keine Zwei-Faktoren-Authentifizierung bei der Software-Anmeldung.

Fazit: Fairwalter von der gleichnamigen, im November 2017 gegründeten Fairwalter AG mit elf Mitarbeitenden ist eine umfassende und mittlerweile sehr intuitiv bedienbare Lösung. Die Dokumente, etwa ein Mietvertrag, sind nahtlos in Office-Programme integrierbar. Das Programm bietet alle für private Verwalter nötigen Funktionen und mehr ab monatlich 25 Franken (Abo «Landlord»). Telefon, persönlicher Chat oder E-Mail-Support sind in diesem Abo-Preis aber nicht enthalten.

Hausverwaltung Immoshome

Mit mehr Übersichtlichkeit punktet das einfach gehaltene Immoshome. Es bietet ebenfalls alle zentralen Funktionen. Aber auch bei diesem Programm fehlen bei Menus Hilfsfunktionen und Erklärungen für Einsteiger sowie eine Dokumentenvorschau. Sinnvolle Zusatzmodule wie eine Inkassokontrolle kosten 149 Franken Zuschlag.

Fazit: Immoshome ist sichtlich in die Jahre gekommen: Die Hausverwaltungssoftware genügt nur bedingt heutigen Ansprüchen an Programmgestaltung und Benutzerfreundlichkeit. Ohne das Benutzerhandbuch und eine vom Anbieter angebotene Programmschulung dürften Anwender ins Schlingern kommen.

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So legen Promis Geld langfristig an

Der Entdecker und Forscher Bertrand Piccard, der Finanzprofessor Thorsten Hens und der Chefökonom Martin Neff von der Raiffeisen-Bankengruppe erklären, wie sie 100 000 bzw. 500 000 Fr. langfristig investieren würden. Ein Honorarberater sagt, was er von den Anlageideen der Fachleute hält.

 

Wie lässt sich langfristig an der Börse Geld verdienen? Drei Promis geben Auskunft, wie sie das schaffen wollen.

von Bernhard Bircher-Suits

Kurzfristig orientierte Anleger brauchten im letzten Jahr Nerven wie Drahtseile: Aufgrund der Corona-Krise stürzten die Aktienindizes weltweit letzten Februar und März massiv ab. Der Schweizer Börsenleitindex SMI erreichte gemäss der SIX Group am 20. Februar 2020 mit 11 270 Punkten seinen Höhepunkt. Danach raste der SMI in den Keller und erreichte am 16. März seinen Jahrestiefpunkt mit 7650 Punkten. Die Märkte erholten sich jedoch rasch, und der SMI stand am 15. März dieses Jahres bei 10 867 Punkten.

Eine langfristige Strategie schützt vor Verlusten

Anleger sollten sich vom nervösen Auf und Ab an den Börsen nicht beeindrucken lassen und eine langfristig orientierte Anlagestrategie mit mindestens 10 Jahren Anlagehorizont verfolgen. Denn langfristig lassen sich Schwankungen an den Finanzmärkten aussitzen. Die Behavioral Finance befasst sich mit den Verhaltensmustern von Anlegern in unterschiedlichen Börsenphasen.

Studien zeigen, dass die meisten Anleger gar keine Strategie haben – und falls doch, ist ihr Anlagehorizont kurz. Sie treffen ihre Entscheide oft spontan und ohne fundierte Analyse. Dabei tun sie gerne, was gerade im Trend liegt oder der vorherrschenden Meinung entspricht bzw. was ihnen ihr Banker oder Tennispartner empfiehlt. Den meisten Anlegern fehlt zudem der Mut, antizyklisch zu handeln und gegen den Strom zu schwimmen und auch schlechte Zeiten ohne Panikverkäufe durchzustehen.

Den «besten» Zeitpunkt zum Einsteigen gibt es nicht

Klar ist auch: Mit «heissen» Anlagetipps von selbsternannten Börsenprofis und «wissenschaftlich» fundierten Anlagestrategien ist das unkalkulierbare Spiel an der Börse nicht zu gewinnen. Wie es in diesem Jahr an den Börsen weitergeht, weiss kein Bankberater und Börsenguru, und auch den «besten» Einstiegszeitpunkt gibt es nicht.

Langfristig orientierte Anleger kümmert dieser richtige Zeitpunkt auch nicht. Eine Studie des Fondsanbieters DWS zeigt, dass der Einstiegszeitpunkt bei langfristigen Geldanlagen fast bedeutungslos ist. Auch wer dummerweise auf dem Höchststand gekauft hat, hat nach 15 Jahren eine schöne Rendite erzielt. Kurz: Legen Sie eine für ihre finanzielle Situation angepasste, möglichst kostengünstige und diversifizierte Anlagestrategie für die nächsten 10 oder 15 Jahre fest, und halten Sie an ihr fest.

Prominente aus Show-Business sagten ab

Doch wie würden bekannte Schweizer Persönlichkeiten 100 000 oder 500 000 Fr. langfristig investieren? Diese Frage hat die NZZ rund einem Dutzend prominenten Frauen und Männern aus der Finanz-, der Show- und der Kulturbranche gestellt. Mutmasslich der Corona-Krise geschuldet, wollte keine einzige Person aus dem Show-Business Anlageideen liefern. Der Rapper Stress – immerhin mit Wirtschaftsstudium im Rucksack – sagte ebenso ab wie die Komödiantin Hazel Brugger.

Und auch die Schlagersängerin Beatrice Egli und die Schönheitskönigin Christa Rigozzi suchten für einmal nicht das Rampenlicht. Während der zweiten Welle der Corona-Krise erscheint es zugegebenermassen auch wenig opportun, auch nur «in der Theorie» so viel Geld anzulegen, während die weniger begüterten Branchenkolleginnen und -kollegen finanziell ums Überleben kämpfen. Erstaunlicherweise fehlten aber auch der Zürcher Kantonalbank die internen Ideenlieferanten. Michael Diaz, Leiter Anlegen bei der Alternativen Bank in Olten, musste ebenfalls passen. Seine Antwort: «Sie erwischen uns in einem schlechten Moment. Aufgrund hoher Nachfrage schaffen wir es zeitlich leider nicht, die gewünschten Informationen aufzubereiten.»

Anlageideen lieferten schliesslich die drei folgenden Männer: der Solarflugzeug-Pionier und Abenteurer Bertrand Piccard, der deutsche Finanzprofessor Thorsten Hens vom Institut für Banking und Finance der Universität Zürich und der Ökonom Martin Neff. Er ist Chefökonom der Raiffeisen-Bankengruppe. Doch was würden diese Geldprofis mit 100 000 bzw. 500 000 Fr. konkret tun?

Finanzprofessor setzt auf Aktienfonds

Der Finanzprofessor Thorsten Hens (59) hat zwei Kinder und Wohneigentum in Zürich. Er schickt voraus: «Eine Antwort auf diese Frage hängt von vielen persönlichen Faktoren wie Risikofähigkeit und Risikobereitschaft sowie vom Finanzwissen ab.» Sein Vorschlag passe daher vor allem zu ihm und benötige einen Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren. Er warnt: «Die Angemessenheit für andere Anleger muss im Einzelfall geprüft werden.» Thorsten Hens würde 100 000 Fr. in einen Fonds investieren, der auf seiner Forschung beruht. Dessen Idee sei es, weltweit in Aktien zu streuen und zwischen Aktien und einer Bargeldreserve je nach Marktlage kontrazyklisch umzuschichten. Damit habe man im Durchschnitt eine strategische Vermögensaufteilung mit 80% Aktien und 20% Bargeld.

Die NZZ hat diese Anlageidee auch dem Honorarberater Florian Schubiger von der Vermögenspartner AG für eine Zweitmeinung vorgelegt. Der Finanzexperte sagt: «Die Diversifikation ist gegeben durch die weltweiten Investitionen des Fonds. Er investiert in kostengünstige, physisch replizierende börsengehandelte Indexfonds bzw. ETF.» Schubiger warnt aber: «Wenn man das ganze Vermögen in nur einen Fonds investiert, muss man diesen aber sehr gut kennen.»

Mit 500 000 Fr. würde Thorsten Hens eine Vermögensverwaltung in Anspruch nehmen. Wenn er den Betrag selbst anlegen müsste, würde er seine oben genannte Basisinvestition um ein paar aktivere Fonds ergänzen. Zudem würde Hens auch mit Finanzprodukten auf das Zukunftsthema Wasserstoff und andere zukunftsweisende Rohstoffe sowie die Anwendungen der Blockchain-Technologie setzen. Damit käme er auf folgende Vermögensaufteilung: 36% Aktien, 42% Obligationen, 12% Rohstoffe und 10% alternative Anlagen.


Schubiger sagt zu diesem Vorgehen: «Ab einer halben Million kann eine Vermögensverwaltung durch Dritte Sinn ergeben. Bei einer Umsetzung in Eigenregie ist wichtig, dass der Anleger die Produktrisiken und -kosten genau kennt.»

Chefökonom setzt auf eigene vier Wände und Aktienfonds

Der Raiffeisen-Chefökonom Martin Neff (60) ist Vater von zwei Söhnen und besitzt ebenfalls Wohneigentum. Er warnt: «Sobald Gefühle ins Spiel kommen, wird die Geldanlage zum Abenteuer. Also Finger weg von Kryptowährungen oder Hebelprodukten jeder Art.» Geld anzulegen, sei eine ausgesprochen nüchterne Angelegenheit, bei der man sich eigentlich «nur» um drei Dinge kümmern sollte: Anlagehorizont, Ertrag und Risiko. Neff sagt: «Dass der Anlagehorizont hier nicht im Vordergrund steht, sondern schlichtweg als lang angenommen wird, macht die Übung um einiges einfacher. Ich muss mir somit keine Gedanken darüber machen, ob ich das angelegte Geld plötzlich abziehen muss, weil es mir an Barmitteln fehlt.»

Unter diesen Voraussetzungen gehe es beim Anlegen eigentlich «nur noch» um das Verhältnis von Ertrag und Risiko. Und zwischen diesen beiden bestehe ein «positiver Zusammenhang». Martin Neff erklärt: «Je höher der Ertrag, desto höher das Risiko. Aktien garantieren daher einen höheren Ertrag als ein herkömmliches Sparkonto.» Wer einen langen Anlagehorizont habe, der komme heute an Aktien nicht vorbei. Neff sagt: «Auf lange Sicht rentieren Aktien ganz klar besser als festverzinsliche Wertpapiere oder Bargeld. Aus Schweizer Perspektive kommt hinzu, dass unsere Währung traditionell eine der härtesten Währungen der Welt ist. Das heisst, dass Engagements in renditestärkere Märkte ausserhalb der nationalen Grenzen nicht zwingend lohnend sind, da ich gleichzeitig ein Währungsrisiko eingehe, das nicht zwingend durch die erzielbare höhere nominelle Rendite in einer anderen Währung abgefedert wird.»

ETF auf einen möglichst breiten Index

«Ausgehend von diesen Überlegungen ist für mich klar, was ich mit 100 000 Fr., die ich auf absehbare Sicht nicht benötige, täte. Ich würde sie zu 100% in Aktien investieren, die alle in der Schweiz und somit in Franken kotiert sind. Mit dem Kauf eines börsengehandelten Indexfonds (ETF) auf einen möglichst breiten Index wie zum Beispiel den Swiss-Performance-Index (SPI) kann ich von einer höheren Diversifikation profitieren. Ich würde den Swiss-Leader-Index (SLI) wählen, da er das Übergewicht der Pharmaindustrie korrigiert.»

Hätte er 500 000 Fr. anzulegen, würde er etwa die Hälfte in seine eigenen vier Wände investieren. Neff sagt: «Eine Investition in Wohneigentum hat den Vorteil, dass ich Rendite und Nutzwert kombinieren kann. Auf lange Sicht rentieren Immobilien zwar nicht spektakulär hoch, aber erweisen sich als ziemlich wertbeständig. Dazu lebe ich im Eigenheim einiges günstiger als in Miete. Das restliche Geld investiere ich wiederum in Aktien, würde aber Dividenden und Kursgewinne jeweils dazu verwenden, meine Hypothekarlast zu reduzieren.»

Nur in Schweizer Aktien investieren ist riskant

Schubiger sagt zur 100 000-Fr.-Anlageidee von Martin Neff: «100% Aktien sind dann sinnvoll, wenn der Anlagehorizont lang ist und man mit den Schwankungen umgehen kann. Investitionen in kostengünstige ETF ergeben Sinn und auch, dass der SLI als Basis genommen wird und nicht der bekanntere SMI. Der SLI bietet eine breitere Diversifikation, weil die grossen Unternehmen ein geringeres Gewicht aufweisen als im SMI.»

Kritischer sieht der Honorarberater den Vorschlag, Aktienanlagen nur in Franken zu tätigen. «Entwickelt sich die Schweizer Wirtschaft im weltweiten Vergleich schlecht, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der SLI schlecht entwickeln», sagt er. «Es wäre deshalb besser, nach der Finanzmarkttheorie vorzugehen und weltweit zu diversifizieren, so wie es beispielsweise Thorsten Hens vorschlägt.»

Bertrand Piccard setzt bei Investments auf Nachhaltigkeit

Bertrand Piccard (62) ist Entdecker, Forscher, Psychologe und Vater von drei Kindern. Er wohnt in Lausanne und besitzt Wohneigentum. Piccard sagt: «Wenn ich eine Menge Geld anlegen müsste, sind mir vor allem zwei Konzepte wichtig: Diversifikation und Nachhaltigkeit.» Piccard würde ein Viertel in seine Pensionskasse, ein Viertel in Private-Equity-Fonds, ein Viertel in Immobilien und das letzte Viertel in nachhaltige Aktien des Börsenmarkts investieren.

Bertrand Piccard erklärt: «Ich bin der Meinung, dass wir unsere Art und Weise, Geld anzulegen, ändern müssen, wenn wir den Klimawandel durch ein nachhaltiges Wirtschaftssystem bekämpfen wollen. Um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten, müssen wir unseren Worten Taten folgen lassen und unser Geld in Unternehmen stecken, deren Strategien und Aktivitäten unsere Ziele im Pariser Klimaabkommen berücksichtigen. Dies bedeutet, das Klimaerwärmungspotenzial jedes Unternehmens, seinen ökologischen Fussabdruck und sein Engagement für zukünftige Megatrends genau zu untersuchen.»

Piccard sagt: «Mein privates Portfolio mache ich vollständig öffentlich: Auf ‹Globalance World›, einer digitalen Weltkugel für Anlagen, können Interessierte alles Relevante zu Rendite und Wirkung im Detail und in Echtzeit einsehen. Derzeit liegt das Erwärmungspotenzial meines Portfolios bei 1,6 Grad Celsius, was mit dem Pariser Abkommen in Einklang steht. Die Rendite im Jahr 2020 betrug 49,5%, was ziemlich beeindruckend ist!» Piccard konzentriert sich vor allem auf die Unternehmen, «die mit den wirtschaftlichen Chancen des ökologischen Wandels wachsen werden».

Auch bei Nachhaltigkeit Gebühren berücksichtigen

Schubiger von der Vermögenspartner AG sagt dazu: «Bertrand Piccard weiss, was er will, und setzt es sehr gut um. Er verfolgt das Ziel, nachhaltige Projekte und Unternehmen zu berücksichtigen, ist sich aber der Wichtigkeit einer breiten Diversifikation bewusst. Er setzt dabei nicht nur auf klassische Anlagen, sondern auch auf Einkäufe in seine Pensionskasse. Solche Einkäufe können ein hervorragendes Instrument sein, um unter gewissen Umständen Steuern zu reduzieren und kostengünstig breit abgestützt Geld anzulegen. Gerade bei Personen ab Alter 55 sind Pensionskasseneinkäufe besonders lukrativ und prüfenswert.»

Dass Bertrand Piccard in Private Equity investiert, erstaunt Florian Schubiger nicht. Darunter verstehen Finanzexperten Beteiligungen an nicht an der Börse notierten Unternehmen. Es passe zu Piccards Pioniergeist, Ideen zu fördern und weiterzubringen, sagt Schubiger. In Private-Equity-Fonds Geld anzulegen, gehe aber mit erheblichen Risiken einher. Schubiger gibt zudem zu bedenken: «Nachhaltige Geldanlagen sind gegenwärtig stark im Trend. Es gilt dabei, die Spreu vom Weizen zu trennen und die Kosten genau zu analysieren. Unterdessen sind viele Banken auf den Zug der Nachhaltigkeit aufgesprungen – leider nicht immer mit dem alleinigen Gedanken, die Welt zu verbessern, sondern oft auch, weil mit nachhaltigen Anlagen höhere Gebühren verlangt werden können.»

NZZ-Tipps für eine langfristige Anlagestrategie

Eine langfristige Anlagestrategie muss zu Ihren zukünftigen finanziellen Bedürfnissen und Möglichkeiten passen. Es gilt, die Risikofähigkeit und -bereitschaft zu klären und die Depotstruktur.

Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Risiken und zur Rendite bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Geldanlage. Je höher die Risikobereitschaft, desto grösser der Anteil am Gesamtvermögen, der in Aktien investiert werden kann.

Da die persönlichen Rahmenbedingungen ändern können, gilt es, die Anlagestrategie von Zeit zu Zeit zu prüfen. Bei der Pensionierung zum Beispiel sollte die Anlagestrategie neu ausgerichtet werden.

Wählen Sie einen unabhängigen Anlageberater, der gegen ein Honorar tätig ist und Ihnen allfällige Rückvergütungen gutschreibt.

Setzen Sie auf verständliche und kostengünstige Finanzprodukte.

Hohe Gebühren für das Depot schmälern die Rendite des Portfolios erheblich. Und die Kostenunterschiede zwischen den Depotbanken sind gross. Mit einem Wechsel zu einer günstigeren Bank können Anleger Gebühren sparen. Auf die Dauer zahlen sich tiefe Gebühren stark aus.

Bleiben Sie der einmal gewählten Anlagestrategie möglichst treu, und verzichten Sie auf den Kauf von Produkten zu «Modethemen».

Der einmal gewählten Strategie sollte man treu bleiben und auch schwierige Perioden aussitzen. Der sogenannte Buchverlust wird erst dann zu einem wirklichen Verlust, wenn man die Aktien zu den tieferen Kursen verkauft.

Am besten investiert man gestaffelt – zum Beispiel jeden Monat eine bestimmte Summe. Ziehen Sie dann den Plan konsequent durch – so mechanisch wie möglich, unbeeinflusst von Stimmungsschwankungen auf den Anlagemärkten.

Investieren Sie nur in Anlagen, die Sie verstehen. Dazu gehört auch, dass Sie wissen, wie sich diese Anlagen in der Vergangenheit verhalten haben. Je grösser die Erfahrungswerte bei einer Anlage sind, d. h., je länger sie auf dem Markt ist, desto besser.

Wenn Sie mehr Rendite wollen als auf dem Bankkonto, müssen Sie Risiken eingehen. Sie sollten sie reduzieren, indem Sie Ihr Geld diversifiziert anlegen, zum Beispiel in kostengünstige Fonds.

Auf lange Sicht am ertragreichsten und somit am besten geeignet für den Vermögensaufbau sind Anlagen, die kurz- und mittelfristig stark schwanken. Das beste Beispiel sind Aktien. Bei ihnen muss man aber nicht selten 10 Jahre und mehr auf den Anlageerfolg warten können.

Dieser Artikel ist in der NZZ erschienen.

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