So sind Berufseinsteiger finanziell gut fürs Leben gewappnet

Mit den ersten selbstverdienten Franken kommen viele Fragen und Entscheidungen auf junge Berufseinsteiger zu. Es gilt, eine erste und sinnvolle Wahl beim Bankkonto, bei der Krankenkasse sowie Vorsorge- und Versicherungslösungen zu treffen. Auf folgende Dinge sollten Berufsanfänger achten.

Die Corona-Krise macht den Berufseinstieg für junge Menschen mit Schul- oder Lehrabschluss nicht einfacher. Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat sich die Jugendarbeitslosigkeit der 15- bis 24-Jährigen in der Schweiz im Mai 2020 um 567 Personen auf 17 758 Arbeitslose erhöht – ein Anstieg von rund 77% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Wer den Schritt ins Berufsleben trotz Corona-Krise schafft, muss spätestens mit dem Wegzug aus dem «Hotel Mama» finanziell auf eigenen Beinen stehen.

Doch viele Junge tappen in die Schuldenfalle. Am grössten ist die Verschuldungsgefahr gemäss der Studie «Verschuldungssituation in der Schweiz – Radar 2019» im Alter von 18 bis 29 Jahren. Erwerbstätige mit obligatorischer Schulbildung haben ein rund viermal höheres Verschuldungsrisiko als solche mit mittlerem oder gar hohem Ausbildungsgrad. Die am häufigsten vorkommenden Zahlungsrückstände sind die Steuerrechnungen und Krankenkassenprämien.

Alle Ausgaben und Einnahmen in «Gesamtbudget» auflisten

Andrea Schmid, Präsidentin des Dachverbandes Budgetberatung Schweiz, sagt: «Ich empfehle Berufseinsteigern, unbedingt ein ‹Gesamtbudget› zu erstellen. So wird sichergestellt, dass zum Beispiel Steuern, Krankenkassenprämien, Energiekosten oder Serafe-Gebühren nicht vergessen gehen. Unregelmässig anfallende Kosten sollte man mit monatlichen Rückstellungen ins Budget einplanen.» Berufseinsteiger finden auf sie zugeschnittene, kostenlose Budgetvorlagen unter www.budgetberatung.ch. Die Gratis-App «BudgetCH» hilft den mobilen Lehrlingen auch unterwegs, Löcher im Portemonnaie zu vermeiden.

Günstiges Privat- und Sparkonto mit Jugend-Bonus auswählen

Umsichtige Eltern eröffnen ihren Kindern bereits im zarten Alter von 12 Jahren ein Jugendkonto. Damit lernen die Heranwachsenden früh den Umgang mit Geld und den verschiedenen Zahlungsmitteln. Die Jugendorganisation Pro Juventute empfiehlt, Kindern bereits einen altersgerechten «Jugendlohn» auszuzahlen (siehe www.jugendlohn.ch). Mit dem fixen Monatslohn der Eltern müssen die Teenager dann bestimmte Ausgaben übernehmen wie Coiffeur, Handy, Taschengeld usw. Der Lehrlingslohn löst den Jugendlohn dann ab.

Sabrina Wachter, Programmverantwortliche Finanzkompetenz bei Pro Juventute Zürich, sagt: «Lernende können mit ihrem Lehrlingslohn meist noch nicht die gesamten Lebenskosten selbst finanzieren und sind auf die Unterstützung ihrer Eltern weiter angewiesen. Es ist wichtig, dass sie gemeinsam im Vorfeld klären, was mit dem Lehrlingslohn bezahlt werden muss und an welchen Kosten sich die Eltern beteiligen.»

Freiburger Kantonalbank mit attraktivem Zins beim Jugendkonto

Jugendliche, die noch kein Bankkonto haben, müssen sich spätestens mit Lehrbeginn ein Jugendprivatkonto für den Zahlungsverkehr und den ersten Lohneingang zulegen. Benjamin Manz, Geschäftsleiter des Vergleichsportals Moneyland.ch, sagt: «Für junge Personen in Ausbildung haben Banken häufig spezielle Angebote mit niedrigeren Kosten und höheren Zinsen.» Berufseinsteiger gehören je nach ihrem Alter aber oft nicht mehr zu den «Jungen» oder «Studenten». Für sie gelten teilweise die Konditionen für Erwachsene.

Attraktiv ist zum Beispiel ein Jugendprivatkonto für bis zu 22-Jährige bei der Freiburger Kantonalbank. Der Zins liegt bei einem halben Prozent, und die Kontoführung ist kostenlos. Für die Debit-Mastercard fällt zudem keine Jahresgebühr an. Bei den Jugendsparkonten sind die Regiobank Männedorf und die Tessiner Kantonalbank mit einem Sparzins von 1% interessant. Einen raschen Vergleich von Zinsen und Gebühren ermöglichen Vergleichsdienste wie Bonus.ch, Moneyland.ch oder www.kgeld.ch, siehe «Zinslisten».

Zahlungsmittel aus Plastik sind nicht immer «fantastic»

Junge mit mageren Lehrlingslöhnen sollten aus Selbstschutz auf Plastikgeld bzw. Kreditkarten verzichten. Sie erschweren den Überblick über die tatsächlich getätigten Ausgaben. Grund: Die Höhe der Einkäufe ist nur nachträglich im Internet oder per Smartphone abrufbar. Kreditkarten senken die Hemmschwelle, grössere Ausgaben zu tätigen, da die Ausgaben auch nicht sofort bezahlt werden müssen. Wenn es eine «Kreditkarte» für Online-Shopping oder Computerspiele sein muss, können Junge auch auf Prepaid-Karten setzen.

Debitkarten, Twint oder Bargeld haben auch in Corona-Zeiten Vorteile

Bei Prepaid- und Debitkarten kann nur so viel Geld ausgegeben werden, wie auf dem Konto ist. Andrea Schmid von der Budgetberatung Schweiz sagt: «Debitkarten, Twint und Bargeld haben den Vorteil, dass sich fast in Echtzeit auf Konten zeigt, was mit den eigenen Finanzen passiert.» Bei den meisten Banken können Kontoinhaber auch im E-Banking Bezugslimiten definieren, um das Lehrlingsbudget nicht unnötig zu strapazieren. Für reisefreudige Jugendliche ist die britische TransferWise-Karte interessant. Damit profitieren Junge und auch ältere Semester von vorteilhaften Wechselkursen im Ausland. Junge ab 16 Jahren sollten auch die Schweizer App-Kontolösung Neon prüfen (www.neon-free.ch). Die Kontoführung ist wie die zugehörige Mastercard kostenlos. Kontoüberzüge sind nicht möglich.

Krankenkasse: So profitieren Junge von tiefen Prämien

Die Grundversicherung der Krankenkassen ist für alle Personen in der Schweiz obligatorisch. Sobald Junge das 18. Altersjahr hinter sich haben, müssen sie sich selbst um ihre Krankenkasse kümmern. Unter www.priminfo.admin.ch finden Junge den unabhängigen Prämienrechner des Bundes, um Krankenkassenprämien zu vergleichen. Kinder haben normalerweise keine Franchise. Sie sollten mit der Volljährigkeit prüfen, welche Franchise wirklich sinnvoll ist und ob sie allenfalls weiterhin von einem Familienrabatt sowie Sparmodellen in der Grundversicherung wie HMO- oder Hausarztmodell profitieren können.

Gemäss Priminfo-Rechner bezahlt ein 16-jähriger Jugendlicher bei der Krankenkasse Assura eine Jahresprämie für die Grundversicherung (0 Fr. Franchise und Unfall inklusive) von Fr. 1166.40. Zum Vergleich: Bei Vivacare wären es Fr. 1873.20. Sparpotenzial: Fr. 525.60 im Jahr.

In der Grundversicherung sind alle Krankenversicherer verpflichtet, auch Junge mit Vorerkrankungen und ohne Gesundheitsfragebogen vorbehaltlos und ohne Wartefrist aufzunehmen. Wer zudem mindestens acht Stunden pro Woche beim selben Arbeitgeber tätig ist, kann zudem auf eine Unfalldeckung bei der Krankenkasse verzichten und zusätzlich Geld sparen.

Versicherungen: Das nötige Rundum-sorglos-Paket zum Sparpreis

Die wichtigste Versicherung für Junge mit einem eigenen Einkommen und eigener Wohnung ist die private Haftpflichtversicherung. Sie kommt für Verletzungen anderer Personen infolge von Unfällen und Schäden am Eigentum anderer auf. Für die erste eigene Wohnung braucht es in der Regel eine solche Privathaftpflichtversicherung. Einige Versicherer schliessen volljährige Jugendliche, die noch bei den Eltern wohnen und nicht erwerbstätig sind, bis zum 25. Geburtstag mit in die elterliche Versicherung ein. Zu prüfen gilt es, was in der Versicherungspolice und den allgemeinen Versicherungsbedingungen steht.

Sobald man über einen eigenen Haushalt verfügt, gehört auch eine Hausratversicherung zu den prüfenswerten Versicherungen. Sie schützt vor Schäden an beweglichen Teilen durch Diebstahl, Feuer oder Wasser. Das Möbelhaus Ikea offeriert mit der im Februar 2020 lancierten Hemsäker-Versicherung eine günstige Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung. Sie kostet deutlich weniger als der Durchschnitt der anderen Schweizer Hausratversicherungen. Was junge Berufstätige hingegen kaum benötigen, sind eine Rechtsschutzversicherung sowie eine Lebensversicherung – zumindest solange sie weder Kinder haben noch einen Lebenspartner wegen einer Hypothek finanziell absichern müssen.

Vorsorge: Lange Anlagedauer mit Säule 3a nutzen

Wenn junge Berufseinsteiger nach der Pensionierung ähnlich viel Rente erhalten wollen wie die Pensionäre heute, müssen sie schon früh Geld auf die hohe Kante legen. Es kann sinnvoll sein, monatlich einen Beitrag in die steuerbegünstigte, freiwillige Säule 3a einzuzahlen. «Hohe» Zinsen zahlt zum Beispiel die WIR-Genossenschaftsbank mit derzeit noch 0,3% im Jahr. Den jährlichen Maximalbetrag von gegenwärtig 6826 Fr. können Junge ohne hohe Einkommen und Reserven auf kleine, monatliche Tranchen aufteilen, mit dem Ziel, am Jahresende den Maximalbetrag zu erreichen. Steuerlich bringen solche Einzahlungen aufgrund des tiefen Lohnes und geringer Steuerprogression aber noch wenig Vorteile.

Und das Problem von 3a-Einzahlungen: Das Geld ist blockiert, und falls eine junge Person zum Beispiel eine Weiterbildung machen möchte, kann sie das Geld in der dritten Säule nicht beziehen. Da Berufseinsteiger einen sehr langen Anlagehorizont bis zur Pensionierung haben, gilt es zu prüfen, ob sie ihre dritte Säule nicht in Wertschriften anlegen sollten. Ab einem Anlagehorizont von zehn Jahren ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein 3a-Sparer mit Wertschriftenfonds deutlich mehr Rendite erzielt als mit einem derzeit mager verzinsten 3a-Zinskonto. Vorteilhaft sind passiv verwaltete 3a-Wertschriftenfonds. Die Terzo-Stiftung der WIR-Bank bietet beispielsweise unter der Marke Viac solche kostengünstigen Fonds an.

Fallgrube 3a-Sparpolicen

Eine Verkaufsstrategie von wenig seriösen Finanzberatern ist es, jungen Leuten Säule-3a-Sparpolicen mit sehr langen Vertragslaufzeiten anzudrehen. Der Versicherungsexperte Stefan Thurnherr vom VZ Vermögenszentrum warnt: «Man sollte sich nicht zu einer gemischten Lebensversicherung 3a überreden lassen. Es drohen hohe Kosten, wenig Flexibilität, und es wäre schlicht das falsche Produkt für Junge.»

Steuern: Mit Dauerauftrag Löcher im Sparstrumpf vermeiden

Jugendliche werden in dem Jahr, in dem sie 18 Jahre alt werden, persönlich steuerpflichtig. Falls sie schon vorher einen Lohn erhalten, müssen sie diesen selbständig versteuern. Eine Steuererklärung müssen sie erst im folgenden Jahr ausfüllen. Mit dem Online-Steuerrechner des Wohnkantons lässt sich die mutmassliche Steuer im Voraus berechnen. Diesen Betrag sollten Jugendliche dann durch zwölf Monate teilen und monatlich einen Teil ihres Lohns an das Steueramt bezahlen. So vermeiden sie spätere Steuerschulden, ein häufiger Grund für Verschuldung bei Jungen. Andrea Schmid von der Budgetberatung Schweiz sagt: «Viele Berufseinsteiger treten ihre Stelle unterjährig an. Die erste Steuerrechnung täuscht darüber hinweg, dass Steuern im Folgejahr nochmals wesentlich höher eingeplant werden müssen, wenn anstelle von wenigen Monaten ein volles Einkommen mal 12 oder 13 versteuert werden muss.»

So hat man das Familienbudget im Griff

Ein Kind stellt oft nicht nur das Leben von Eltern auf den Kopf, sondern auch das Haushaltsbudget. Die grössten Ausgabeposten sind Wohnen, Steuern und Krankenkasse. Mit einfachen Massnahmen können Eltern die vermeintlichen «Fixkosten» senken.

Sieben von zehn Frauen und rund zwei Drittel der Männer in der Schweiz sind Eltern von einem oder mehreren Kindern. Das zeigt der Bundesratsbericht «Familien in der Schweiz» aus dem Jahr 2017. Kinder machen nicht nur viel Freude und stiften Lebenssinn, sie belasten auch das Haushaltsbudget einer Familie – mit direkten und indirekten Kosten. Zu den direkten Kosten zählen zum Beispiel Ausgaben für Essen, Kleider und Handy-Abo. Die Studie «Kinderkosten in der Schweiz» des Bundesamts für Statistik kommt auf durchschnittliche direkte Kosten für das erste Kind bei Paaren von 819 Fr. pro Monat. Als Folge der Corona-Pandemie müssen viele Familien nun noch genauer rechnen.

 

Teure Krippenphase

Zu den indirekten Kosten zählt der Betreuungsaufwand mit Erwerbsausfall bzw. Fremdbetreuungskosten. Denn meist reduziert ein Elternteil sein Arbeitspensum, um die Kinder zu betreuen. Die kinderbedingte Einbusse liegt bei Frauen in Paarhaushalten bei 960 bis 1060 Franken pro Monat bei einem Kind und bei 1600 bis 1660 Franken für zwei Kinder.

Die hohen Kinderkosten werden zum Teil dank Steuerreduktionen, Kinderzulagen, Prämienverbilligungen bei der Krankenkasse sowie dem einkommensabhängigen Tarif für die Drittbetreuung abgefedert. Eine Fremdbetreuung in einer Krippe hat aber vor allem für Doppelverdiener ihren Preis. Ein Beispiel: In der Stadt Zürich zahlt eine Familie mit einem Kleinkind und einem steuerbaren Jahreseinkommen von 108 000 Franken für drei volle Krippentage pro Woche jeden Monat 1233 Franken. Mit dem Eintritt in den öffentlichen Kindergarten entspannt sich das Familienbudget aber immerhin in der Regel wieder.

Kinder sind ein Armutsrisiko

Gemäss Caritas Schweiz sind 144 000 Kinder in der Schweiz von Armut betroffen. Mitschuld haben gemäss Caritas hohe Kinderkosten, tiefe Einkommen der Eltern, mangelnde Möglichkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren, und eine schlechte Absicherung im Falle von Scheidung. Giulia L. (27) zählt zu den Eltern mit tiefen Einkommen. Sie schreibt in einem Online-Leserforum: «Ich bin verheiratet und habe ein Kind. Wir haben Schulden, weil wir die Krankenkasse und die Serafe-Gebühren nicht zahlen können – und die Steuern auch nicht. Ich und mein Mann arbeiten 100 und 80%. Wir haben keine Ausbildung und darum einen niedrigen Lohn. Sobald eine hohe Rechnung kommt, haben wir ein Riesenproblem.»

Ein Budget ist ein Muss

Damit Kinder nicht zur Schuldenfalle werden, sollten Eltern vorzeitig mit der Budgetplanung beginnen. Ein vollständiges Budget schafft Planungssicherheit und zeigt auf, bei welchen Budgetposten Eltern überhaupt Einsparungen bzw. Optimierungen vornehmen können, um über die Runden zu kommen.

Der Dachverband Budgetberatung Schweiz bietet nicht nur allgemeine Vorlagen für Alleinerziehende oder Familien, sondern auch spezifische Vorlagen für Lernende und Studierende. Die kostenlose «BudgetCH»-App von Budgetberatung Schweiz hilft Eltern zudem, die budgetierten Ausgaben und Einnahmen auch im Alltag im Griff zu halten.

Hälfte der Ausgaben sind «Fixkosten»

Budgetbeispiele mit Schweizer Durchschnittszahlen von der Budgetberatung Schweiz zeigen: Eine durchschnittliche Familie mit zwei Kindern hat bei einem Haushaltseinkommen von 9000 Franken rund die Hälfte Fixkosten: 4640 Franken. Auch die alleinerziehende Person mit zwei Kindern muss rund die Hälfte ihres tieferen Haushaltseinkommens fest einplanen. Der grösste Fixposten in den Beispielbudgets sind jeweils die Wohnkosten, es folgen die Steuern und die Krankenkassenprämien.

Die Budgetberatungen empfehlen, dass die Wohnkosten rund einen Viertel der Einnahmen ausmachen sollten. Ist der Anteil höher, gilt es zu handeln. Denn auch eine vermeintlich «fixe» Miete kann im besten Fall deutlich sinken. Der Grund hierfür ist, dass Mieter einen Anspruch auf die Senkung des Mietzinses haben, wenn der Referenzzinssatz bei Vertragsabschluss oder bei der letzten Änderung höher war, als er gegenwärtig ist. Der Satz liegt momentan auf dem Rekordtief von 1,25%. Der Vermieter kann die Teuerung und die allgemeine Kostensteigerung mit dem Senkungsanspruch des Mieters verrechnen. 

Eine Alternative zu teuren Mietwohnungen sind die über 150 000 Wohnungen, die von Schweizer Wohnbaugenossenschaften unterhalten werden. Dank lediglich kostendeckenden Mieten sind solche Wohnungen rund 20% günstiger. Der Haken ist das beschränkte Angebot mit langen Wartelisten. 

Eigentum ist momentan günstig finanzierbar

Aufgrund der rekordtiefen Hypothekarzinsen sollten Eltern aber auch den Kauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung prüfen, um Mietkosten zu sparen. Ein Beispiel zeigt: Wer mit 100 000 Franken Eigenkapital (20%) eine Wohnung für 500 000 Franken kauft und für 0,7% eine zehnjährige Festhypothek aufnimmt und mit 1% bzw. 5000 Franken Unterhaltskosten pro Jahr rechnet, spart im Vergleich zu einer Wohnung mit einer Monatsmiete von 2500 Franken während zehn Jahren rund 177 000 Franken. Das zeigt der «Mieten- oder Kaufen-Rechner» des Vergleichsportals Moneyland.ch.

Keine Überraschungen bei Steuern

Für Wohneigentum brauchen Familien jedoch Eigenkapital. Vielen jungen Familien fehlt aber sogar das Geld für die Steuern. Jede fünfte Betreibung in der Schweiz wird wegen ausstehender Steuern eingeleitet. In eine seriöse Budgetplanung gehören daher auch die Steuerausgaben. Sébastien Mercier, Geschäftsleiter der Schuldenberatung Schweiz, rät allen Steuerpflichtigen: «Steuerpflichtige sollten ihre voraussichtlich geschuldeten Steuern nach Möglichkeit mit Online-Rechnern abschätzen und die Steuern in Raten monatlich per Dauerauftrag im Voraus ans Steueramt überweisen.»

Nicht zu vergessen sind die erlaubten Abzüge in der Steuererklärung, die geltend gemacht werden können. Fast alle Eltern machen den Kinderabzug geltend. Im Kanton Zürich lag er für minderjährige Kinder im vergangenen Jahr bei 9000 Franken. Bei der Bundessteuer waren es 6500 Franken pro Kind. Es gibt aber noch andere Abzüge, die häufig übersehen werden. Dazu gehören Ausgaben für die Kinderbetreuung. Hier können Eltern bei der direkten Bundessteuer bis zu 10 100 Franken pro Kind abziehen.

Krankenkasse wechseln

Eltern sollten sich auch die Zeit nehmen, die Prämien der Krankenkassen miteinander zu vergleichen. Bei Familien sind die Ersparnisse enorm. Für Kinder wird in der Regel null Franken Franchise empfohlen. Für Erwachsene mit geringen Gesundheitskosten ist die Franchise 2500 Franken optimal, ab Gesundheitskosten von durchschnittlich 1800 bis 2000 Franken in der Regel die 300er-Franchise.

Auf dem behördlichen Prämienportal Priminfo.ch lassen sich neutrale Vergleiche machen. Mit einem günstigen Managed-Care-Modell lassen sich die Prämien stark senken. Familien sollten auch prüfen, ob sie Anspruch auf Prämienverbilligungen der Krankenkasse haben. In vielen Kantonen erhalten sie diese nur auf Antrag. Autor: Bernhard Bircher-Suits

Dieser Artikel ist in der Neuen Zürcher Zeitung am 3. Juni 2020 erschienen.