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Kriminelle versuchen auf Booking und Airbnb, gutgläubigen Ferienreisenden das Geld aus der Tasche zu ziehen

Ferienreisende und Betrüger freuen sich auf die anstehenden Sommerferien. Auf diese Alarmzeichen sollten Sie achten, damit Sie keinen Reinfall erleben.

Autor: Bernhard Bircher-Suits, Publikation in der NZZ am 28.05.2024

Wohnungsnot? So erhöht man seine Chancen auf eine Miet- oder eine Eigentumswohnung

Eine aktuelle Betrügermasche auf der Online-Hotelbuchungsplattform Booking.com funktioniert so: Nach einer getätigten Hotelbuchung meldet sich jemand von der angeblichen Unterkunft und bittet darum, die Kreditkartendaten auf einer anderen Website «zu verifizieren». Der Booking.com-Nutzer Florian H. wurde dazu direkt im offiziellen Nachrichtenkanal der Plattform vom vermeintlichen Hotel kontaktiert und zur Verifizierung seiner Zahlungsdaten aufgefordert.

Parallel dazu erhielt er eine Whatsapp-Nachricht mit seinem echten Namen und dem Namen des Hotels. Buchungszeitraum und -nummer waren gemäss Florian H. korrekt. Über einen Link auf eine gefälschte Booking-Website sollte er seine Kreditkartendaten nochmals eingeben. Die gefälschte Booking.com-Website glich der offiziellen Website. Hätte Florian H. dort seine Kreditkartendaten eingegeben, hätten die Kriminellen beispielsweise im Internet auf seine Kosten einkaufen können.

Ähnliche Betrugsmasche auch auf Airbnb

Sarah M. erlebte 2024 einen ähnlichen Betrugsversuch auf der amerikanischen Ferienwohnungsplattform Airbnb. Nach der Buchung einer Wohnung in Barcelona erhielt sie eine Nachricht über das Airbnb-System. Darin wurde behauptet, es gebe ein Zahlungsproblem. Sie solle eine alternative Zahlungsweise nutzen. Parallel erhielt sie eine professionelle Whatsapp-Nachricht mit einem Zahlungslink, der zu einer gefälschten Airbnb-Seite führte.

Sarah bemerkte den Unterschied in der Web-Adresse und kontaktierte den Airbnb-Kundensupport. Airbnb sperrte daraufhin das betrügerische Konto. Auch dieser Fall zeigt: Es ist wichtig, die Web-Adresse jeweils genau zu prüfen und keine Zahlungsinformationen über inoffizielle Kanäle zu teilen (siehe weitere Tipps am Textende).

Gemäss der deutschen Verbraucherzentrale greifen Kriminelle offenbar «echte Buchungsdaten ab» und geben sich damit als Hotel, Pension oder Ferienwohnung aus. Ihr Vorgehen: Hacker stehlen dafür ganze Nutzerdatenbanken. Darin können unter Umständen hinterlegte Zahlungsdaten mit persönlichen Angaben gespeichert sein. Die Daten nutzen die Cyberkriminellen, um den Betrugsversuch glaubhafter zu machen und abzukassieren.

Airbnb, Booking sowie das Touristikportal Tripadvisor warnen Nutzer auf ihren Websites vor solchen und ähnlichen Betrugsversuchen. Tripadvisor mahnt zum Beispiel: «Tripadvisor kommuniziert nicht über Whatsapp oder Telegram mit Benutzern. Wenn Sie mit einem solchen Angebot kontaktiert werden, handelt es sich um einen Betrugsversuch.»

Über 44 000 registrierte Straftaten im digitalen Raum

Die Zahlen der offiziellen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) der Schweiz zeigen: Die Fallbeispiele sind keine Einzelfälle. In der Schweiz wurden im letzten Jahr über 44 000 Straftaten im digitalen Raum begangen bzw. polizeilich registriert. Die digitale Kriminalität hat gegenüber 2022 um rund ein Drittel zugenommen.

Den grössten Anteil mit 92 Prozent machte 2023 die «Cyber-Wirtschaftskriminalität» aus. Sie hat im Vergleich zum Vorjahr um rund 37 Prozent zugenommen. Dies ist insbesondere auf die Zunahme von sogenannten «Phishing-Fällen» wie gefälschten E-Mails/SMS oder Anrufen, den Missbrauch von Online-Bezahlsystemen oder einer fremden Identität zu betrügerischen Zwecken sowie auf bezahlte, aber nicht erhaltene Waren auf Kleinanzeigenplattformen zurückzuführen.

Eine hohe Dunkelziffer verzerrt aber die offiziellen Polizeistatistiken. Gemäss einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Universität St. Gallen melden sich bloss 10 Prozent der Geschädigten bei der Polizei. Eine Zunahme von Cyberdelikten stellt auch das Anfang 2024 gestartete neue Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) fest. Im zweiten Halbjahr 2023 wurden dem Amt doppelt so viele Cybervorfälle wie im Vorjahreszeitraum gemeldet, nämlich über 30 000 Fälle. Gemäss BACS ist «die Verfolgung der Cyberdelikte hochkomplex und stellt die Strafverfolgungsbehörden vor besondere Herausforderungen».

Auch Bankenombudsmann stellt alarmierende Fallzunahme fest

Auch der Schweizerische Bankenombudsmann, Andreas Barfuss, stellt in seiner Beratungstätigkeit für Kundinnen und Kunden von Finanzinstituten im vergangenen und im laufenden Jahr eine starke Zunahme von Betrugsfällen fest. Als Vermittler tritt Barfuss erst dann auf, wenn die Kundinnen und Kunden bereits selbst versucht haben, das Problem im direkten Kontakt mit dem Finanzinstitut zu lösen. Barfuss mahnt: «Wenn der Trend anhält, werden wir bis Ende Jahr wieder rund eine Verdoppelung der Kredit- und Debitkarten-Betrugsfälle haben.» Die Methoden der Betrüger würden technologisch und psychologisch «immer raffinierter».

Betrüger gaben sich auf Buchungsplattform als Hotel aus

Barfuss nennt eine ähnliche Betrugsmasche wie eingangs geschildert: «Es gelang Kriminellen beispielsweise, in das Netzwerk einer bekannten Hotelbuchungsplattform einzudringen und sich als Anbieter diverser Dienstleistungen auszugeben. Die Betrüger infiltrierten so den gesamten Verkaufs- und Buchungsprozess. Das machte es für die Kunden fast unmöglich, den Betrug zu erkennen.»

Die gefälschte Mail sei in diesem Fall sehr perfide gewesen. Der Ombudsmann Barfuss sagt: «Dieses Beispiel zeigt klar, es sind in aller Regel die Kunden oder auch Händler bzw. deren Intermediäre und nicht die Bank beziehungsweise die Kartenherausgeber Ziel dieser Angriffe. Folglich ist eine Haftung der Finanzdienstleister für entstandene Schäden im rechtlichen Sinn höchstens in Ausnahmefällen gegeben.»

Betrüger locken Gutgläubige mit sehr attraktiven Preisen

Eine weitere, altbekannte Masche auf Buchungsportalen: Betrüger versuchen mit preiswerten Traumimmobilien Interessenten von den offiziellen Buchungsportalen wegzulocken bzw. Vorauszahlungen für Kautionen oder ähnliche «Sicherheiten» zu erhalten. Die Bilder in den betrügerischen Inseraten zeigen gemäss Angaben der Zürcher Kantonspolizei oft die tatsächliche Immobilie an der erwähnten Adresse. Auf diese Weise wirken die Angebote authentischer.

In Wirklichkeit kopierten die Betrüger schlicht bestehende Anzeigen oder übernehmen zumindest deren Bilder. Die potenziellen Opfer werden etwa aufgefordert, den angeblichen Anbieter direkt per E-Mail anzuschreiben und nicht den offiziellen Kommunikationskanal des Portals zu benutzen. Sie versuchen in der Regel zudem, eine Überweisung auf ein ausländisches Bankkonto zu erreichen – für eine (Ferien-)Unterkunft, die gar nicht existiert.

Das Vorgehen bei Online-Betrug

Falls Sie auf digitale Betrüger hereingefallen sind, können Sie bei der zuständigen Polizeibehörde an Ihrem Wohnort Anzeige erstatten. Setzen Sie zudem das betroffene Buchungsportal über das betrügerische Angebot umgehend in Kenntnis, auch um andere zu schützen. Buchungsportale zeigen sich allenfalls kulant, sofern man die grundlegenden Sicherheitsvorschriften bzw. Plattformregeln eingehalten und nicht leichtfertig gehandelt hat.

Sichern Sie alle relevanten E-Mails, Nachrichten und Screenshots der Buchungsbestätigung. Nehmen Sie bei Bedarf auch Kontakt zur Bank oder zum Kreditkartenanbieter auf. Lassen Sie Ihre Kreditkarte bei fragwürdigen Belastungen umgehend sperren, und melden Sie den Betrugsfall dem Anbieter.

Betrügerinserate melden und Anzeige erstatten

Prüfen Sie auch, ob Ihre Reise- oder Rechtsschutzversicherung Ihnen helfen kann, den entstandenen Schaden zu übernehmen bzw. Sie bei rechtlichen Schritten zu unterstützen. Die Polizei selbst macht wenig Hoffnung, bei Online-Betrügereien sein Geld jemals wiederzusehen.

Alexander Renner, Sprecher der Kantonspolizei Zürich, sagt: «In den allermeisten Fällen bleibt das Geld der Opfer verschwunden.» Der Grund: Vorschussbetrüger agieren gemäss Schweizerischer Kriminalprävention (SKP) – eine interkantonale Fachstelle im Bereich Kriminalprävention – meist aus dem Ausland, mit falschem Namen und nicht registrierten Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Die Täterschaft kann daher kaum ermittelt werden.

Tipps für sicheres Buchen auf Online-Plattformen:

  • Präventions-Website konsultieren: Kantonspolizei Zürich warnt auf www.cybercrimepolice.ch vor Betrugs-Phänomenen.
  • Als «Gast» buchen: Auf Online-Portalen nach Möglichkeit als Gast bestellen, um Datendiebstahl zu vermeiden.
  • Bezahlung auf Rechnung: Wählen Sie nach Möglichkeit immer diese Option für maximale Sicherheit.
  • Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen: Nutzen Sie sie bei Anmeldungen, Buchungen und Zahlungen.
  • Buchungen nur über die Plattform: Kommunikation und Zahlung ausschliesslich über die Plattform abwickeln.
  • Inserate überprüfen: Achten Sie auf klare Fotos, Bewertungen und gute Beschreibungen.
  • Zahlungsmethoden: Bevorzugen Sie «Zahlung in der Unterkunft» und Plattform-Optionen. Nutzen Sie Kreditkarten oder Paypal.
  • Auf «Probleme» richtig reagieren: Kontaktieren Sie nur den offiziellen Kundenservice bei angeblichen Problemen.
  • Anbieter recherchieren: Lesen Sie Bewertungen und Erfahrungen anderer Nutzer.
  • Skepsis bei Tiefstpreisen: Vorsicht bei unrealistisch niedrigen Preisen.
  • Überprüfung Website: Achten Sie auf Sicherheitssymbole, die Web-Adresse sowie Rechtschreibfehler oder fehlende Angaben auf Websites.
  • Unerwartete Kontaktaufnahme: Geben Sie keine heiklen Informationen preis, wenn Sie unsicher sind.

Lesen Sie den Originalartikel vom 28.05.2024 online auf nzz.ch.

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Betrug: So erkennen Sie Finanzschwindler

Wenn die Rendite zu gut aussieht, um wahr zu sein, dann ist sie es wahrscheinlich auch nicht: Das sind die gängigsten Maschen von Finanzbetrügern, und so schützt man sich davor.

Bernhard Bircher-Suits
14.03.2022, 05.30 Uhr

 

Die Zeiten für Betrüger sind im gegenwärtigen Tiefzinsumfeld rosig. Anleger wie auch Normalbürger erhalten immer wieder unseriöse Angebote per Telefon, SMS, Post oder E-Mail – von selbsternannten «Finanzexperten». Ihre bevorzugte Masche: Sie ködern potenzielle Investoren mit dem Versprechen einer Toprendite bei Investitionen in Aktien, Devisen, Kryptowährungen, Edelmetallen, Edelhölzern, Fonds oder Immobilien.

Die Website CryptoChargeback.org gibt zum Beispiel vor, von Krypto-Börsen Betrogenen zu helfen, ihr Geld wiederzuerlangen. Nachdem man bezahlt hat, hört man von der Firma gemäss Warnliste des Konsumentenmagazins «K-Tipp» «nie wieder etwas».

Warnliste der Finma konsultieren

Gelegentlich sind auch Kryptowährungen angeblich nur zeitlich befristet erhältlich – man müsse rasch zuschlagen. Der Zweck solcher bei Betrügern beliebten Zeitlimiten: Ein Anleger soll keine Zeit für eine kritische Durchleuchtung des «tollen» Angebots erhalten. Wer mit Finanzfirmen in Kontakt kommt, sollte immer zuerst ihren Handelsregister-Eintrag unter www.zefix.ch prüfen. Ist die Firma nicht im Handelsregister, sollten bereits die Alarmglocken läuten.

Ist das Unternehmen im Handelsregister eingetragen, der Firmenname wurde aber mehrmals geändert oder die Zeichnungsberechtigten haben oft gewechselt, sind das weitere Alarmsignale. Danach gilt es, zu prüfen, ob das Unternehmen überhaupt eine Bewilligung für den Vertrieb von Finanzprodukten hat.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) führt eine Warnliste mit Unternehmen, die möglicherweise ohne Bewilligung eine Tätigkeit ausüben, bewilligungspflichtig sind und unter die Aufsicht der Finma fallen. Ein Eintrag in der Warnliste bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die vom aufgeführten Unternehmen ausgeübte Aktivität illegal ist. Die Liste umfasst gegenwärtig rund 1150 Firmennamen. Hat ein Finanzunternehmen keine Finma-Bewilligung, ist erhöhte Vorsicht angebracht.

Aber auch bei Finanzinstituten mit Finma-Bewilligung kann Geld verlorengehen. Denn nicht jede Gesellschaft, die der Finma unterstellt ist, wird intensiv und laufend überwacht. In Diskussionsforen sollte man zudem Erfahrungen von anderen Kunden nachlesen und nach allfälligen Warngeschichten in den Medien mithilfe einer Suchmaschine suchen.

Hilfreich sind auch Warnlisten auf der Website der Internationalen Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (Iosco), eines Gremiums, das die Wertpapieraufsichtsbehörden der Welt zusammenbringt und als globaler Standardsetzer für den Wertpapiersektor anerkannt ist. Die Iosco entwickelt, implementiert und fördert die Einhaltung international anerkannter Standards für die Wertpapierregulierung.

Viel zu hohe Renditen versprochen – Anleger verloren Millionen

Was Anlagebetrüger meist verbindet: Sie versprechen Traumrenditen. Doch sehr hohe Renditen sind immer ein Zeichen für hohe Anlagerisiken oder schlicht Betrug. Das zeigt auch der Fall Ulrich Engler. Der deutsche Staubsaugervertreter zog mit Renditeversprechen von bis zu 72 Prozent pro Jahr rund 5000 Anleger über den Tisch, darunter auch viele Schweizer.

Die schriftlich garantierten Superrenditen waren zu schön, um wahr zu sein – die Schadenssumme lag bei 500 Millionen Euro. Engler hatte eine altbekannte Masche benutzt. Er gab sich als erfolgreicher Investmentexperte aus. Seinen Kunden tischte er eine sagenhafte Story auf. Er könne mithilfe eines Computerprogramms die Entwicklung von Aktien als Erster erkennen.

Tatsächlich besass er nur ein Computerprogramm, mit dem er Aktienkurse analysieren konnte. Er wurde 2013 in Deutschland zu achteinhalb Jahren Haft wegen gewerbsmässigen Betrugs verurteilt. «Wegen guter Führung» und des Abschlusses einer Schreinerlehre wurde er nach Verbüssung von etwas mehr als der Hälfte seiner Strafe auf Bewährung entlassen. In den Medien verriet er, er werde «nichts mehr im Finanzsektor machen». Er suche sich «etwas Bodenständiges».

Der «Tinder-Schwindler»

Betrüger halten sich aber gelegentlich auch an Orten auf, wo man sie nicht erwarten würde. Sie lauern zum Beispiel auf Dating-Apps wie Tinder auf ihre gutgläubigen Opfer. Anschauungsunterricht über ihr oft ähnliches Vorgehen liefert momentan der US-Streamingdienst Netflix mit der sehenswerten Dokumentation «Tinder-Schwindler».

Der Dokumentarfilm war Mitte Februar der beliebteste Netflix-Film in der Schweiz. Er erzählt die wahre Geschichte des israelischen Hochstaplers und Betrügers Simon Leviev (31, Geburtsname: Shimon Hayut). Leviev nutzte die Smartphone-App Tinder, um Frauen kennenzulernen und finanziell auszubeuten.

Seine Masche auf Tinder: beeindruckende Bilder hochladen, welche ihn in Privatjets, auf teuren Jachten oder mit anderen Statussymbolen zeigen. Leviev gab sich als Sohn einer steinreichen Diamantenhändler-Familie aus, um das Vertrauen und die Herzen von Dutzenden Frauen zu gewinnen. Er stellte ihnen neben einem unbeschwerten Luxusleben auch Heirat und Kinder in Aussicht. Um Vertrauen zu schaffen, nahm er seine «Angebetete» gerne einmal mit auf eine «Alles gratis»-Reise im Privatjet.

Was die Date-Partnerinnen nicht wussten: Die Zeche zahlte Leviev immer mit Darlehen oder «geliehenen» Kreditkarten von anderen Frauen. Sobald er das Vertrauen einer Frau gewonnen hatte, begannen seine finanziellen «Notlagen», aus denen er nur dank seiner «heissgeliebten» Freundin herauskommen konnte. Rund 10 Millionen Franken hat sich Leviev laut der Netflix-Doku von seinen gutgläubigen Freundinnen mutmasslich ergaunert.

In der Schweiz richten sich zwei Drittel aller Straftaten gegen das Vermögen

Nach Angaben der US Federal Trade Commission erreichten die gemeldeten Verluste durch solchen «Romantikbetrug» (romance scam) im Jahr 2020 in den USA einen Rekordwert von 304 Millionen Dollar. Die Banden, die hinter Dating-Betrügereien stecken, sitzen oft in Russland, Osteuropa oder Westafrika. Das macht sie für die lokale Polizei schwer greifbar. Bemerkenswert: Rund zwei Drittel aller ermittelten Straftaten in der Schweiz richteten sich gemäss Schweizer Polizeistatistik im Jahr 2020 gegen das «Vermögen» von Personen. Der Angriff aufs Portemonnaie ist somit häufig.

Wer denkt, wer auf Betrüger hereinfalle, müsse leichtgläubig und naiv sein, täuscht sich. Der Soziologe Christian Thiel von der Universität Augsburg schreibt über Betrügermaschen: «Die überzeugende Kraft entsteht nicht durch einen einzelnen Trick, sondern durch den komplexen Ablauf – wie beim Zauberkunststück. Hier spielt die Dramaturgie, die Geschichte, die Show eine grössere Rolle als der Trick selbst.»

Thiel erforscht seit mehreren Jahren, warum altbekannte Betrügermaschen nach wie vor erfolgreich sind. Gemäss ihm kann «jeder und jede auf Betrugsmaschen hereinfallen». Thiel hat für seine Forschung Strassentricks von Gaunern beobachtet, Fälle bei Gericht und in den Medien verfolgt und Gespräche mit Rechts- und Staatsanwälten, Ermittlern sowie Opfervereinigungen geführt.

Keine Freundschaftsanfragen von fremden Menschen annehmen

Die Polizei rät, auf Facebook oder ähnlichen Plattformen niemals Freundschaftsanfragen von Menschen anzunehmen, die man nicht aus dem realen Leben kenne. Man solle sich zudem fragen, wie realistisch es ist, dass ein gutsituierter, attraktiver Mensch aus einem fernen Land ohne irgendeinen Bezug zur Schweiz plötzlich eine Fernbeziehung im Ausland beginnen möchte. Beispielsweise könne man mit der Bildsuche-Funktion von Google prüfen, ob das Foto des Gegenübers auch anderswo im Web auftauche. Wenn jemand dasselbe Foto, aber mit einem anderen Namen auf anderen Websites finde, dann handele es sich «zweifellos um einen Betrug».

Den Kontakt abbrechen solle man spätestens dann, wenn die Person Geld fordere oder man gebeten werde, irgendwelche Güter wie zum Beispiel Mobiltelefone, iTunes-Karten usw. zu verschicken oder Pakete entgegenzunehmen. Besonders wichtig: Man solle «unter keinen Umständen» sein Konto für fremde Finanztransaktionen zur Verfügung stellen. Man könne sich damit strafbar machen wegen Geldwäsche.

Tipps, wie Sie Betrüger entlarven

Schutz von persönlichen Daten: Besser nicht gleich den vollständigen Namen, Wohnort und Arbeitsplatz verraten, sondern beim Online-Dating ein Pseudonym verwenden. Anstatt Handynummer eine extra dafür eingerichtete Mail-Adresse als Kontakt angeben.

Treffen in der Öffentlichkeit: Das erste Date wählt man am besten an einem öffentlichen Ort mit viel Publikumsverkehr, Restaurant, Café oder Bar.

Auf Bezahl-Apps ausweichen: Bei kostenlosen Dating-Apps fehlen meist strenge Sicherheitsvorkehrungen, und es finden sich dementsprechend mehr schwarze Schafe unter den Profilen. Kostenpflichtige Portale prüfen ihre Mitglieder auf ihre Echtheit.

Niemals Geld überweisen: Ein absolutes No-Go ist das Überweisen von Geld, egal, wie vertrauenswürdig die Online-Bekanntschaft erscheint.

Unaufgeforderte Zuschriften: Die Alarmglocken sollten läuten, wenn der Erstkontakt unaufgefordert via Telefon, E-Mail oder Brief oder über eine App oder SMS erfolgt. Seriöse Firmen verfolgen keine solch aggressiven Verkaufsstrategien. Aktivieren Sie im Telefonbuch zum Selbstschutz den Stern-Eintrag gegen unerwünschte Werbeanrufe.

Unrealistisch hohe Renditeversprechen: Liegt die in Aussicht gestellte Verzinsung weit über dem Zins eines Sparkontos, besteht neben einem hohen Anlagerisiko auch höchste Betrugsgefahr.

Mehr Schein als Sein: Lassen Sie sich nicht von Titeln, Kleidung, Statussymbolen, teurem Büro oder prominenten angeblichen Freunden beeindrucken.

Heisse Tipps von Bekannten: Lassen Sie sich keine Geldgeschäfte durch «gute Bekannte» oder Freunde vermitteln. Privates und Geschäftliches sollte man konsequent trennen.

Komplizierte und teure Produkte: Investieren Sie nur in einfach verständliche, transparente und gebührenarme Finanzprodukte.

Zeitdruck: Lassen Sie sich nie unter Druck setzen, und unterzeichnen Sie Verträge erst nach einer mehrtägigen Bedenkfrist.

Referenzen einholen: Von Investitionen in junge Unternehmen sowie in Geldanlagen ohne langjährigen Erfolgsausweis sollten Sie die Finger lassen. Skeptisch stimmen sollte ein Firmensitz im Ausland oder ein Anlageberater ohne festen Wohnsitz in der Schweiz. Verlangen Sie aktuelle Betreibungsauszüge.

Diversifikation: Diversifizieren Sie in jedem Fall Ihre Anlagen, setzen Sie nicht alles auf eine Karte.

 

Lesen Sie den Originalartikel vom 14.03.2022 auf nzz.ch oder laden Sie sich die NZZ-Online-Version als PDF herunter.

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