Todesfallrisiko: So vermeiden Sie ein finanzielles Fiasko für Angehörige

Stirbt ein Ehe- oder Konkubinatspartner, können Angehörige finanziell in Bedrängnis kommen. Mit einer Todesfallrisiko-Police kann man seine Angehörigen für den Todesfall finanziell absichern.

Hanspeter Meier (35, Name geändert) aus Zürich will seine Frau und seinen Sohn finanziell absichern. Seine Befürchtung: Seine erwerbslose Ehefrau könnte das mit hohen Schulden belastete Eigenheim im Fall seines Todes nicht aus eigener Kraft finanzieren. Meier ist als momentan einziger «Ernährer» ein klassischer Kunde für eine Todesfallrisiko-Police. Denn AHV, Pensionskasse und eventuell eine Unfallversicherung würden der Witwe nach seinem Tod zusammen nie so viel auszahlen, wie Meier verdient. Die Folge: Die Ehefrau müsste im schlechtesten Fall das Eigenheim verkaufen und mit dem Sohn ausziehen.

Selina Wyss, Leiterin Vorsorgeplanung beim VZ Vermögenszentrum, warnt auch unverheiratete Paare mit Eigenheim vor den potenziell negativen finanziellen Folgen eines Todesfalls: «Konkubinatspaare sind sowohl bei den gesetzlichen Versicherungen als auch im Erbrecht deutlich schlechter gestellt als Ehepaare. Das Erbe wird durch die Erbschaftssteuern vielerorts stark geschmälert. Hinterlässt zum Beispiel ein im Kanton Zürich wohnhafter Mann seiner Konkubinatspartnerin 200 000 Franken Vermögen, muss die Partnerin darauf rund 50 000 Franken Erbschaftssteuern zahlen.»

Mit Todesfallkapital die Hypothek abzahlen

Meiers Frage lautet: Welches Todesfallkapital braucht seine Frau, damit sie das Eigenheim auch nach seinem Tod halten kann? Dazu muss der Informatiker eine sogenannte Tragbarkeitsrechnung wie eine Bank machen. Meiers Einfamilienhaus kostete 1 Mio. Fr. Als leitender Informatiker verdient Meier brutto 180 000 Fr. im Jahr. Auf seinem Haus lasten Schulden von 800 000 Fr. Bei einer Hypothek von mehr als zwei Dritteln des Kaufpreises wie bei Meiers muss die Schuld innerhalb von 15 Jahren auf zwei Drittel des Kaufpreises abbezahlt werden.

Gegenwärtig zahlen die Meiers für die Hypothek bei ihrer Bank 1% Zins pro Jahr (monatlich 667 Fr.). Die Amortisationskosten belaufen sich auf monatlich 741 Fr. Mit den zusätzlichen Unterhalts- und Nebenkosten von 833 Fr. (1% des Kaufpreises pro Jahr) kommt die Familie auf eine monatliche Belastung von total 2241 Fr. Im Jahr sind das 26 892 Fr. Die Gesamtkosten dürfen bei einem kalkulatorischen Hypozins von 5% maximal einen Drittel von Meiers Bruttolohn ausmachen. Die Tragbarkeit des Hauses ist für die Bank zurzeit mit 33% erfüllt – auch bei einem hypothetischen Zins von 5%.

Höhe der Witwenrente bestimmen

Stirbt Meier, kann die überlebende Ehefrau eine AHV-Hinterlassenenrente in Anspruch nehmen und eine Witwenrente aus der zweiten Säule (BVG). Wie hoch diese Renten zusammen wären, kann Meier mit Hilfe der Versicherungsausweise von AHV und Pensionskasse sowie der Angaben der Unfallversicherung berechnen. Doch die für Frau Meier vorgesehenen Witwenrenten würden das weggefallene, hohe Einkommen des Ehemannes von 180 000 Fr. pro Jahr nicht wettmachen. Das Haus wäre für die Witwe nicht mehr tragbar.

Die Lösung: Herr Meier kann zum Beispiel ein Todesfallkapital von 200 000 Fr. bei einer Versicherung versichern lassen. Mit dem Geld könnte seine Frau nach seinem Ableben die Hypothek um diesen Betrag abbezahlen. Mit einem gut bezahlten Job und den Witwenrenten wäre das Haus für die Witwe und auch die Hausbank weiter tragbar.

Diese Einflussfaktoren bestimmen die Prämienhöhe

Die Prämien für Hanspeter Meier sind in erster Linie abhängig von der vereinbarten Versicherungssumme und dem Alter des Antragstellers zum Zeitpunkt des Abschlusses. Auch die Vertragslaufzeit, das Geschlecht und der Gesundheitszustand haben einen Einfluss auf die Prämienhöhe. Wer raucht, zahlt zudem höhere Prämien als Nichtraucher mit tieferem Sterberisiko. Wichtig zu wissen: Die Gesellschaften können je nach Beantwortung der Gesundheitsfragen einen Leistungsausschluss vornehmen oder einen Antragsteller ganz ablehnen.

Der Offertenvergleich zeigt: Die Kosten für eine Police mit einem konstanten Todesfallkapital von 200 000 Fr. liegen zwischen 321 Fr. und 614 Fr. Der grosse Unterschied bei den Prämien zeigt: Vor einem Abschluss sollte man mehrere Offerten einholen.

Bei Todesfallrisiko-Police gibt es zwei Varianten

Bei einer Todesfallrisiko-Versicherung mit der Option «Abnehmendes Kapital» nimmt die versicherte Summe jährlich um einen gleichbleibenden Betrag linear ab. Bei einer Laufzeit von 20 Jahren sinkt beispielsweise die Versicherungssumme jedes Jahr um einen Zwanzigstel. Die Prämien fallen günstiger aus als bei einer Police mit konstanter Versicherungssumme. Der Grund: Die gesamte Leistung ist kleiner. Ein abnehmendes Todesfallkapital kann bei einer Hypothek mit regelmässiger Rückzahlung (Amortisation) oder einer Familie mit älter werdenden Kindern sinnvoll sein – vor allem auch, wenn der Partner wieder berufstätig wird und gut verdient. Bei einer Police mit konstantem Todesfallkapital bleibt die versicherte Summe während der ganzen Vertragsdauer gleich hoch. Das ist dann sinnvoll, wenn im Todesfall ein bestimmter Betrag zur Auszahlung kommen soll – beispielsweise in der Höhe der Hypothek auf dem Eigenheim.

Diese Punkte sollten Sie vor dem Versicherungsabschluss beachten:

Todesfallsumme: Die Höhe der Todesfallsumme sollte sich am effektiven Bedarf im Todesfall orientieren.

Vorsorge-Analyse: Wer eine Vorsorge-Analyse zur Ermittlung des nötigen Todesfallkapitals nicht selber vornehmen will, kann sie von einem unabhängigen Versicherungsvermittler erstellen lassen. Mit dem Versicherungsvermittler sollte man eine Honorierung nach Stundenaufwand vereinbaren. Achten Sie darauf, dass Ihnen der Makler allfällige Provisionen für den Vertragsabschluss offenlegt und herausgibt.

Offerten: Holen Sie mindestens drei Offerten ein. Für die Wahl der Gesellschaft kann man sich an der Prämienhöhe orientieren, da die Leistungsunterschiede kaum ins Gewicht fallen.

Keine Sparversicherung: Man sollte sich auf keinen Fall eine Todesfallrisiko-Versicherung mit Sparanteil aufschwatzen lassen.

Überschussbeteiligungen: Von allfälligen freiwilligen, nicht garantierten Überschussbeteiligungen sollte man sich in Offerten nicht blenden lassen. Orientierungspunkt sollten nur die effektiven Jahresprämien ohne Überschüsse sein.

Prämienbefreiung: Prüfen Sie, ob eine Offerte eine Prämienbefreiung bei Erwerbsunfähigkeit vorsieht. Das bedeutet: Wird die versicherte Person wegen Krankheit oder Unfall invalid, muss sie die Prämien für die Police nicht mehr zahlen und bleibt dennoch versichert.

Autor: Bernhard Bircher-Suits; Dieser Artikel ist am 30.9.2020 in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen.

So viel kostet das Auto wirklich

Versicherung, Abschreibung, Steuer, Unterhalt und Wertminderung – die Kosten eines Personenwagens hören nicht beim Kaufpreis auf. Mit mindestens 500 Fr. pro Monat müssen Autobesitzer rechnen, auch bei Occasionsfahrzeugen. Meistens ist es mehr.

Nach langem Suchen und Abwägen hat man endlich den passenden Traumwagen gefunden. Der Preis liegt eben noch im Budget, die Testfahrt verlief anstandslos, und der Kauf- oder Leasingvertrag ist unterschrieben. Doch viele Autokäufer vergessen, dass auch dessen Unterhalt und Betrieb Kosten verursachen. Gemäss der Schweizer Handelsplattform Autoscout24 gilt als grobe Faustregel: Autobesitzer sollten – auch bei günstigen Occasionsfahrzeugen – mit mindestens rund 500 Fr. pro Monat fürs Auto rechnen. Die Fahrzeugkosten werden hauptsächlich durch den Anschaffungspreis plus Unterhaltskosten minus Wiederverkaufswert getrieben.

 Zwei Drittel sind Fixkosten

Gemäss dem Ratgeber «Betriebskosten» des Touring Club Schweiz (TCS) sind im Schnitt bei einem Auto rund zwei Drittel Fixkosten und der Rest variable Kosten. Zu den Fixkosten zählen beispielsweise Garagierungskosten, Amortisation sowie Versicherungen wie die obligatorische Haftpflicht und die Kaskoversicherung. Die Prämien können sich dabei je nach Versicherer, Fahrzeug, Bonus/Malus-Stufe oder Wahl zwischen Voll- oder Teilkasko erheblich unterscheiden.

Nutzt man ein Fahrzeug per Leasing, ist der Abschluss einer teuren Vollkaskoversicherung Pflicht. Nicole Riedo von Autoscout24 sagt: «Viele Menschen, die ihre Autokosten berechnen, denken zu wenig an die Folgekosten. Steuern und Versicherungen sind wichtige Punkte, die zu beachten sind.» Nicht vergessen sollte man auch fixe Kosten wie Zinsen und Ausgaben für die Fahrzeugpflege.

Diese Posten sollten Sie berücksichtigen

Zu den beeinflussbaren, variablen Kosten zählen Service und Reparaturen, Reifen, Treibstoff bzw. Strom sowie der Wertverlust. Dieser schlägt vor allem bei fabrikneuen Wagen massiv zu Buche. Generell gilt: Ein Neuwagen verliert im Schnitt innert drei Jahren rund die Hälfte an Wert. Das zeigen Zahlen des Fahrzeug-Bewertungsdienstes Eurotax.

So verliert gemäss der VCS Auto-Umweltliste 2020 zum Beispiel der Sportwagen «BMW i8» mit Plug-in-Hybrid Benzin und Elektromotor (Kaufpreis 169 217 Fr.) innert drei Jahren im Schnitt rund 58% an Wert. Nach drei Jahren ist das Statussymbol auf dem Occasionsmarkt nur noch 70 820 Fr. wert. Für Sparfüchse kann es somit sinnvoll sein, anstatt eines teuren Neuwagens eher einen gepflegten und unfallfreien Occasionswagen zu kaufen. Beim Kauf eines «preiswerten» Occasionswagens der Ober- oder Geländewagenklasse (SUV) gilt es aber zu beachten, dass die Betriebskosten trotz dem günstigen Kaufpreis oft immer noch auf hohem Niveau liegen.

Der TCS empfiehlt, jene Fahrzeugvariante zu wählen, die jeweils den geringsten Verbrauch ausweist. Kurt Egli vom Verkehrsclub Schweiz (VCS) sagt: «Oft kaufen Schweizer ihr Auto zu gross. Sie orientieren sich nach dem maximalen Nutzerbedürfnis – wie zum Beispiel Familienferien per Auto. Im Alltag fahren die Leute dann immer ein überdimensioniertes Auto. Der Kauf solcher Autos ist aus ökonomischer und ökologischer Sicht schlecht.»

Durchschnittliche Betriebskosten: 70 Rp. pro km

Doch was kostet ein durchschnittliches Fahrzeug mit einem Neuwert von 35 000 Fr. in der Schweiz? Die von den Steuerbehörden anerkannten TCS-Berechnungsgrundsätze ergeben bei einem Musterfahrzeug mit diesem Neuwert bei einer Fahrleistung von 15 000 km fixe Kosten von jährlich 6531 Fr. und variable Kosten von 3904 Fr. Dementsprechend betragen die Betriebskosten des Musterfahrzeuges 10 435 Fr. pro Jahr bzw. 70 Rp. pro km. Das wären also rund 870 Fr. pro Monat.

Wer bei einem Mittelklassewagen somit mit 70 Rp. Kosten pro Kilometer rechnet, liegt meist richtig. TCS-Sprecherin Valérie Durussel sagt: «Der wichtigste Treiber bei den fixen Kosten ist der Fahrzeugpreis. Dieser widerspiegelt sich in der Amortisation.» Der TCS berechnet die Kosten, indem er ein Fahrzeug über zehn Jahre abschreibt, wie Durussel erklärt. «Rund die Hälfte der fixen Kosten wird durch die Amortisation getrieben. Wenn bei der Fahrzeugwahl Einsparungen im Kaufpreis gemacht werden können, ohne dabei den Hauptnutzen zu schmälern, sollte dies in Betracht gezogen werden.»

Spartipps für Autokäufer

Es gibt derweil verschiedene Möglichkeiten, die Gesamtkosten eines Autos etwas niedriger zu halten. Dazu ist Folgendes zu empfehlen:

Verbrauchs- und Betriebskostenvergleich: Wer den Kauf eines Autos plant und die Betriebskosten vergleichen will, findet unter www.verbrauchskatalog.ch viele Angaben zu Tausenden Modellen. Verantwortlich für die Plattform sind der TCS und das Bundesamt für Energie.

Versicherungskosten: Bei einem Neuwagen empfiehlt es sich, eine Vollkaskoversicherung für mindestens drei Jahre abzuschliessen. Anschliessend kann ein Wechsel zum Teilkaskomodell in Erwägung gezogen werden. Versicherungsprämien variieren extrem. Holen Sie mindestens drei Offerten bei verschiedenen Versicherungsanbietern ein. Einige Versicherer bieten auch Spezialrabatte für Elektro-, Erdgas- und Hybridautos oder für emissionsarme Fahrzeuge an.

Steuern: Die Höhe und Berechnungsart der Steuer unterscheiden sich von Kanton zu Kanton. Ausschlaggebend sein können: Hubraum, Leistung (PS), Gesamtgewicht, Leergewicht und Kombinationen daraus. Sparsame Fahrzeuge und Elektroautos erhalten in vielen Kantonen eine Steuererleichterung. In einigen Kantonen sind reine Elektroautos in den ersten Jahren sogar ganz von der Steuer befreit – im Kanton Solothurn für immer. Anhand des Fahrzeugausweises kann jeder Autohalter die Steuer beim jeweiligen Strassenverkehrsamt in Erfahrung bringen.

Werterhalt: Setzen Sie auf Marken und Modelle mit einem guten Werterhalt. Eurotax veröffentlicht dazu immer wieder Studien. Privatkäufer haben die Möglichkeit, eine Fahrzeugbewertung für Personenwagen, Kleinbusse und Lieferwagen sowie für Motorräder mithilfe von Eurotax-Daten über AutoScout24 durchzuführen. Achten Sie beim Autokauf auf populäre Autofarben: Schwarz, Weiss und Grau lassen sich meist besser verkaufen als andere Farben.

Energieetikette: Autos der Kategorie A und B haben in der Regel deutlich tiefere Treibstoffkosten als Autos mit schlechterer Klassierung.

Kaufen statt Leasen: Leasing hat nur wenige finanzielle Vorteile und ist unterm Strich – trotz anderslautenden Werbeversprechen – häufig teurer als Kaufen. Beim Barkauf können Käufer zudem oft Rabatte herausschlagen. Beim Leasingauto müssen Käufer eine teure Vollkaskoversicherung abschliessen und zudem die Marken-Garage besuchen. Diese verrechnet oft überhöhte Preise. Die Online-Plattform AutoSout24 bietet in Zusammenarbeit mit FinanceScout24 die Möglichkeit, direkt via Autoinserat die Kosten der unterschiedlichen Finanzierungsarten zu vergleichen.

Dieser Artikel ist am 18.8.2020 in der NZZ erschienen. Autor: Bernhard Bircher-Suits.

So sind Berufseinsteiger finanziell gut fürs Leben gewappnet

Mit den ersten selbstverdienten Franken kommen viele Fragen und Entscheidungen auf junge Berufseinsteiger zu. Es gilt, eine erste und sinnvolle Wahl beim Bankkonto, bei der Krankenkasse sowie Vorsorge- und Versicherungslösungen zu treffen. Auf folgende Dinge sollten Berufsanfänger achten.

Die Corona-Krise macht den Berufseinstieg für junge Menschen mit Schul- oder Lehrabschluss nicht einfacher. Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat sich die Jugendarbeitslosigkeit der 15- bis 24-Jährigen in der Schweiz im Mai 2020 um 567 Personen auf 17 758 Arbeitslose erhöht – ein Anstieg von rund 77% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Wer den Schritt ins Berufsleben trotz Corona-Krise schafft, muss spätestens mit dem Wegzug aus dem «Hotel Mama» finanziell auf eigenen Beinen stehen.

Doch viele Junge tappen in die Schuldenfalle. Am grössten ist die Verschuldungsgefahr gemäss der Studie «Verschuldungssituation in der Schweiz – Radar 2019» im Alter von 18 bis 29 Jahren. Erwerbstätige mit obligatorischer Schulbildung haben ein rund viermal höheres Verschuldungsrisiko als solche mit mittlerem oder gar hohem Ausbildungsgrad. Die am häufigsten vorkommenden Zahlungsrückstände sind die Steuerrechnungen und Krankenkassenprämien.

Alle Ausgaben und Einnahmen in «Gesamtbudget» auflisten

Andrea Schmid, Präsidentin des Dachverbandes Budgetberatung Schweiz, sagt: «Ich empfehle Berufseinsteigern, unbedingt ein ‹Gesamtbudget› zu erstellen. So wird sichergestellt, dass zum Beispiel Steuern, Krankenkassenprämien, Energiekosten oder Serafe-Gebühren nicht vergessen gehen. Unregelmässig anfallende Kosten sollte man mit monatlichen Rückstellungen ins Budget einplanen.» Berufseinsteiger finden auf sie zugeschnittene, kostenlose Budgetvorlagen unter www.budgetberatung.ch. Die Gratis-App «BudgetCH» hilft den mobilen Lehrlingen auch unterwegs, Löcher im Portemonnaie zu vermeiden.

Günstiges Privat- und Sparkonto mit Jugend-Bonus auswählen

Umsichtige Eltern eröffnen ihren Kindern bereits im zarten Alter von 12 Jahren ein Jugendkonto. Damit lernen die Heranwachsenden früh den Umgang mit Geld und den verschiedenen Zahlungsmitteln. Die Jugendorganisation Pro Juventute empfiehlt, Kindern bereits einen altersgerechten «Jugendlohn» auszuzahlen (siehe www.jugendlohn.ch). Mit dem fixen Monatslohn der Eltern müssen die Teenager dann bestimmte Ausgaben übernehmen wie Coiffeur, Handy, Taschengeld usw. Der Lehrlingslohn löst den Jugendlohn dann ab.

Sabrina Wachter, Programmverantwortliche Finanzkompetenz bei Pro Juventute Zürich, sagt: «Lernende können mit ihrem Lehrlingslohn meist noch nicht die gesamten Lebenskosten selbst finanzieren und sind auf die Unterstützung ihrer Eltern weiter angewiesen. Es ist wichtig, dass sie gemeinsam im Vorfeld klären, was mit dem Lehrlingslohn bezahlt werden muss und an welchen Kosten sich die Eltern beteiligen.»

Freiburger Kantonalbank mit attraktivem Zins beim Jugendkonto

Jugendliche, die noch kein Bankkonto haben, müssen sich spätestens mit Lehrbeginn ein Jugendprivatkonto für den Zahlungsverkehr und den ersten Lohneingang zulegen. Benjamin Manz, Geschäftsleiter des Vergleichsportals Moneyland.ch, sagt: «Für junge Personen in Ausbildung haben Banken häufig spezielle Angebote mit niedrigeren Kosten und höheren Zinsen.» Berufseinsteiger gehören je nach ihrem Alter aber oft nicht mehr zu den «Jungen» oder «Studenten». Für sie gelten teilweise die Konditionen für Erwachsene.

Attraktiv ist zum Beispiel ein Jugendprivatkonto für bis zu 22-Jährige bei der Freiburger Kantonalbank. Der Zins liegt bei einem halben Prozent, und die Kontoführung ist kostenlos. Für die Debit-Mastercard fällt zudem keine Jahresgebühr an. Bei den Jugendsparkonten sind die Regiobank Männedorf und die Tessiner Kantonalbank mit einem Sparzins von 1% interessant. Einen raschen Vergleich von Zinsen und Gebühren ermöglichen Vergleichsdienste wie Bonus.ch, Moneyland.ch oder www.kgeld.ch, siehe «Zinslisten».

Zahlungsmittel aus Plastik sind nicht immer «fantastic»

Junge mit mageren Lehrlingslöhnen sollten aus Selbstschutz auf Plastikgeld bzw. Kreditkarten verzichten. Sie erschweren den Überblick über die tatsächlich getätigten Ausgaben. Grund: Die Höhe der Einkäufe ist nur nachträglich im Internet oder per Smartphone abrufbar. Kreditkarten senken die Hemmschwelle, grössere Ausgaben zu tätigen, da die Ausgaben auch nicht sofort bezahlt werden müssen. Wenn es eine «Kreditkarte» für Online-Shopping oder Computerspiele sein muss, können Junge auch auf Prepaid-Karten setzen.

Debitkarten, Twint oder Bargeld haben auch in Corona-Zeiten Vorteile

Bei Prepaid- und Debitkarten kann nur so viel Geld ausgegeben werden, wie auf dem Konto ist. Andrea Schmid von der Budgetberatung Schweiz sagt: «Debitkarten, Twint und Bargeld haben den Vorteil, dass sich fast in Echtzeit auf Konten zeigt, was mit den eigenen Finanzen passiert.» Bei den meisten Banken können Kontoinhaber auch im E-Banking Bezugslimiten definieren, um das Lehrlingsbudget nicht unnötig zu strapazieren. Für reisefreudige Jugendliche ist die britische TransferWise-Karte interessant. Damit profitieren Junge und auch ältere Semester von vorteilhaften Wechselkursen im Ausland. Junge ab 16 Jahren sollten auch die Schweizer App-Kontolösung Neon prüfen (www.neon-free.ch). Die Kontoführung ist wie die zugehörige Mastercard kostenlos. Kontoüberzüge sind nicht möglich.

Krankenkasse: So profitieren Junge von tiefen Prämien

Die Grundversicherung der Krankenkassen ist für alle Personen in der Schweiz obligatorisch. Sobald Junge das 18. Altersjahr hinter sich haben, müssen sie sich selbst um ihre Krankenkasse kümmern. Unter www.priminfo.admin.ch finden Junge den unabhängigen Prämienrechner des Bundes, um Krankenkassenprämien zu vergleichen. Kinder haben normalerweise keine Franchise. Sie sollten mit der Volljährigkeit prüfen, welche Franchise wirklich sinnvoll ist und ob sie allenfalls weiterhin von einem Familienrabatt sowie Sparmodellen in der Grundversicherung wie HMO- oder Hausarztmodell profitieren können.

Gemäss Priminfo-Rechner bezahlt ein 16-jähriger Jugendlicher bei der Krankenkasse Assura eine Jahresprämie für die Grundversicherung (0 Fr. Franchise und Unfall inklusive) von Fr. 1166.40. Zum Vergleich: Bei Vivacare wären es Fr. 1873.20. Sparpotenzial: Fr. 525.60 im Jahr.

In der Grundversicherung sind alle Krankenversicherer verpflichtet, auch Junge mit Vorerkrankungen und ohne Gesundheitsfragebogen vorbehaltlos und ohne Wartefrist aufzunehmen. Wer zudem mindestens acht Stunden pro Woche beim selben Arbeitgeber tätig ist, kann zudem auf eine Unfalldeckung bei der Krankenkasse verzichten und zusätzlich Geld sparen.

Versicherungen: Das nötige Rundum-sorglos-Paket zum Sparpreis

Die wichtigste Versicherung für Junge mit einem eigenen Einkommen und eigener Wohnung ist die private Haftpflichtversicherung. Sie kommt für Verletzungen anderer Personen infolge von Unfällen und Schäden am Eigentum anderer auf. Für die erste eigene Wohnung braucht es in der Regel eine solche Privathaftpflichtversicherung. Einige Versicherer schliessen volljährige Jugendliche, die noch bei den Eltern wohnen und nicht erwerbstätig sind, bis zum 25. Geburtstag mit in die elterliche Versicherung ein. Zu prüfen gilt es, was in der Versicherungspolice und den allgemeinen Versicherungsbedingungen steht.

Sobald man über einen eigenen Haushalt verfügt, gehört auch eine Hausratversicherung zu den prüfenswerten Versicherungen. Sie schützt vor Schäden an beweglichen Teilen durch Diebstahl, Feuer oder Wasser. Das Möbelhaus Ikea offeriert mit der im Februar 2020 lancierten Hemsäker-Versicherung eine günstige Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung. Sie kostet deutlich weniger als der Durchschnitt der anderen Schweizer Hausratversicherungen. Was junge Berufstätige hingegen kaum benötigen, sind eine Rechtsschutzversicherung sowie eine Lebensversicherung – zumindest solange sie weder Kinder haben noch einen Lebenspartner wegen einer Hypothek finanziell absichern müssen.

Vorsorge: Lange Anlagedauer mit Säule 3a nutzen

Wenn junge Berufseinsteiger nach der Pensionierung ähnlich viel Rente erhalten wollen wie die Pensionäre heute, müssen sie schon früh Geld auf die hohe Kante legen. Es kann sinnvoll sein, monatlich einen Beitrag in die steuerbegünstigte, freiwillige Säule 3a einzuzahlen. «Hohe» Zinsen zahlt zum Beispiel die WIR-Genossenschaftsbank mit derzeit noch 0,3% im Jahr. Den jährlichen Maximalbetrag von gegenwärtig 6826 Fr. können Junge ohne hohe Einkommen und Reserven auf kleine, monatliche Tranchen aufteilen, mit dem Ziel, am Jahresende den Maximalbetrag zu erreichen. Steuerlich bringen solche Einzahlungen aufgrund des tiefen Lohnes und geringer Steuerprogression aber noch wenig Vorteile.

Und das Problem von 3a-Einzahlungen: Das Geld ist blockiert, und falls eine junge Person zum Beispiel eine Weiterbildung machen möchte, kann sie das Geld in der dritten Säule nicht beziehen. Da Berufseinsteiger einen sehr langen Anlagehorizont bis zur Pensionierung haben, gilt es zu prüfen, ob sie ihre dritte Säule nicht in Wertschriften anlegen sollten. Ab einem Anlagehorizont von zehn Jahren ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein 3a-Sparer mit Wertschriftenfonds deutlich mehr Rendite erzielt als mit einem derzeit mager verzinsten 3a-Zinskonto. Vorteilhaft sind passiv verwaltete 3a-Wertschriftenfonds. Die Terzo-Stiftung der WIR-Bank bietet beispielsweise unter der Marke Viac solche kostengünstigen Fonds an.

Fallgrube 3a-Sparpolicen

Eine Verkaufsstrategie von wenig seriösen Finanzberatern ist es, jungen Leuten Säule-3a-Sparpolicen mit sehr langen Vertragslaufzeiten anzudrehen. Der Versicherungsexperte Stefan Thurnherr vom VZ Vermögenszentrum warnt: «Man sollte sich nicht zu einer gemischten Lebensversicherung 3a überreden lassen. Es drohen hohe Kosten, wenig Flexibilität, und es wäre schlicht das falsche Produkt für Junge.»

Steuern: Mit Dauerauftrag Löcher im Sparstrumpf vermeiden

Jugendliche werden in dem Jahr, in dem sie 18 Jahre alt werden, persönlich steuerpflichtig. Falls sie schon vorher einen Lohn erhalten, müssen sie diesen selbständig versteuern. Eine Steuererklärung müssen sie erst im folgenden Jahr ausfüllen. Mit dem Online-Steuerrechner des Wohnkantons lässt sich die mutmassliche Steuer im Voraus berechnen. Diesen Betrag sollten Jugendliche dann durch zwölf Monate teilen und monatlich einen Teil ihres Lohns an das Steueramt bezahlen. So vermeiden sie spätere Steuerschulden, ein häufiger Grund für Verschuldung bei Jungen. Andrea Schmid von der Budgetberatung Schweiz sagt: «Viele Berufseinsteiger treten ihre Stelle unterjährig an. Die erste Steuerrechnung täuscht darüber hinweg, dass Steuern im Folgejahr nochmals wesentlich höher eingeplant werden müssen, wenn anstelle von wenigen Monaten ein volles Einkommen mal 12 oder 13 versteuert werden muss.»

So hat man das Familienbudget im Griff

Ein Kind stellt oft nicht nur das Leben von Eltern auf den Kopf, sondern auch das Haushaltsbudget. Die grössten Ausgabeposten sind Wohnen, Steuern und Krankenkasse. Mit einfachen Massnahmen können Eltern die vermeintlichen «Fixkosten» senken.

Sieben von zehn Frauen und rund zwei Drittel der Männer in der Schweiz sind Eltern von einem oder mehreren Kindern. Das zeigt der Bundesratsbericht «Familien in der Schweiz» aus dem Jahr 2017. Kinder machen nicht nur viel Freude und stiften Lebenssinn, sie belasten auch das Haushaltsbudget einer Familie – mit direkten und indirekten Kosten. Zu den direkten Kosten zählen zum Beispiel Ausgaben für Essen, Kleider und Handy-Abo. Die Studie «Kinderkosten in der Schweiz» des Bundesamts für Statistik kommt auf durchschnittliche direkte Kosten für das erste Kind bei Paaren von 819 Fr. pro Monat. Als Folge der Corona-Pandemie müssen viele Familien nun noch genauer rechnen.

 

Teure Krippenphase

Zu den indirekten Kosten zählt der Betreuungsaufwand mit Erwerbsausfall bzw. Fremdbetreuungskosten. Denn meist reduziert ein Elternteil sein Arbeitspensum, um die Kinder zu betreuen. Die kinderbedingte Einbusse liegt bei Frauen in Paarhaushalten bei 960 bis 1060 Franken pro Monat bei einem Kind und bei 1600 bis 1660 Franken für zwei Kinder.

Die hohen Kinderkosten werden zum Teil dank Steuerreduktionen, Kinderzulagen, Prämienverbilligungen bei der Krankenkasse sowie dem einkommensabhängigen Tarif für die Drittbetreuung abgefedert. Eine Fremdbetreuung in einer Krippe hat aber vor allem für Doppelverdiener ihren Preis. Ein Beispiel: In der Stadt Zürich zahlt eine Familie mit einem Kleinkind und einem steuerbaren Jahreseinkommen von 108 000 Franken für drei volle Krippentage pro Woche jeden Monat 1233 Franken. Mit dem Eintritt in den öffentlichen Kindergarten entspannt sich das Familienbudget aber immerhin in der Regel wieder.

Kinder sind ein Armutsrisiko

Gemäss Caritas Schweiz sind 144 000 Kinder in der Schweiz von Armut betroffen. Mitschuld haben gemäss Caritas hohe Kinderkosten, tiefe Einkommen der Eltern, mangelnde Möglichkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren, und eine schlechte Absicherung im Falle von Scheidung. Giulia L. (27) zählt zu den Eltern mit tiefen Einkommen. Sie schreibt in einem Online-Leserforum: «Ich bin verheiratet und habe ein Kind. Wir haben Schulden, weil wir die Krankenkasse und die Serafe-Gebühren nicht zahlen können – und die Steuern auch nicht. Ich und mein Mann arbeiten 100 und 80%. Wir haben keine Ausbildung und darum einen niedrigen Lohn. Sobald eine hohe Rechnung kommt, haben wir ein Riesenproblem.»

Ein Budget ist ein Muss

Damit Kinder nicht zur Schuldenfalle werden, sollten Eltern vorzeitig mit der Budgetplanung beginnen. Ein vollständiges Budget schafft Planungssicherheit und zeigt auf, bei welchen Budgetposten Eltern überhaupt Einsparungen bzw. Optimierungen vornehmen können, um über die Runden zu kommen.

Der Dachverband Budgetberatung Schweiz bietet nicht nur allgemeine Vorlagen für Alleinerziehende oder Familien, sondern auch spezifische Vorlagen für Lernende und Studierende. Die kostenlose «BudgetCH»-App von Budgetberatung Schweiz hilft Eltern zudem, die budgetierten Ausgaben und Einnahmen auch im Alltag im Griff zu halten.

Hälfte der Ausgaben sind «Fixkosten»

Budgetbeispiele mit Schweizer Durchschnittszahlen von der Budgetberatung Schweiz zeigen: Eine durchschnittliche Familie mit zwei Kindern hat bei einem Haushaltseinkommen von 9000 Franken rund die Hälfte Fixkosten: 4640 Franken. Auch die alleinerziehende Person mit zwei Kindern muss rund die Hälfte ihres tieferen Haushaltseinkommens fest einplanen. Der grösste Fixposten in den Beispielbudgets sind jeweils die Wohnkosten, es folgen die Steuern und die Krankenkassenprämien.

Die Budgetberatungen empfehlen, dass die Wohnkosten rund einen Viertel der Einnahmen ausmachen sollten. Ist der Anteil höher, gilt es zu handeln. Denn auch eine vermeintlich «fixe» Miete kann im besten Fall deutlich sinken. Der Grund hierfür ist, dass Mieter einen Anspruch auf die Senkung des Mietzinses haben, wenn der Referenzzinssatz bei Vertragsabschluss oder bei der letzten Änderung höher war, als er gegenwärtig ist. Der Satz liegt momentan auf dem Rekordtief von 1,25%. Der Vermieter kann die Teuerung und die allgemeine Kostensteigerung mit dem Senkungsanspruch des Mieters verrechnen. 

Eine Alternative zu teuren Mietwohnungen sind die über 150 000 Wohnungen, die von Schweizer Wohnbaugenossenschaften unterhalten werden. Dank lediglich kostendeckenden Mieten sind solche Wohnungen rund 20% günstiger. Der Haken ist das beschränkte Angebot mit langen Wartelisten. 

Eigentum ist momentan günstig finanzierbar

Aufgrund der rekordtiefen Hypothekarzinsen sollten Eltern aber auch den Kauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung prüfen, um Mietkosten zu sparen. Ein Beispiel zeigt: Wer mit 100 000 Franken Eigenkapital (20%) eine Wohnung für 500 000 Franken kauft und für 0,7% eine zehnjährige Festhypothek aufnimmt und mit 1% bzw. 5000 Franken Unterhaltskosten pro Jahr rechnet, spart im Vergleich zu einer Wohnung mit einer Monatsmiete von 2500 Franken während zehn Jahren rund 177 000 Franken. Das zeigt der «Mieten- oder Kaufen-Rechner» des Vergleichsportals Moneyland.ch.

Keine Überraschungen bei Steuern

Für Wohneigentum brauchen Familien jedoch Eigenkapital. Vielen jungen Familien fehlt aber sogar das Geld für die Steuern. Jede fünfte Betreibung in der Schweiz wird wegen ausstehender Steuern eingeleitet. In eine seriöse Budgetplanung gehören daher auch die Steuerausgaben. Sébastien Mercier, Geschäftsleiter der Schuldenberatung Schweiz, rät allen Steuerpflichtigen: «Steuerpflichtige sollten ihre voraussichtlich geschuldeten Steuern nach Möglichkeit mit Online-Rechnern abschätzen und die Steuern in Raten monatlich per Dauerauftrag im Voraus ans Steueramt überweisen.»

Nicht zu vergessen sind die erlaubten Abzüge in der Steuererklärung, die geltend gemacht werden können. Fast alle Eltern machen den Kinderabzug geltend. Im Kanton Zürich lag er für minderjährige Kinder im vergangenen Jahr bei 9000 Franken. Bei der Bundessteuer waren es 6500 Franken pro Kind. Es gibt aber noch andere Abzüge, die häufig übersehen werden. Dazu gehören Ausgaben für die Kinderbetreuung. Hier können Eltern bei der direkten Bundessteuer bis zu 10 100 Franken pro Kind abziehen.

Krankenkasse wechseln

Eltern sollten sich auch die Zeit nehmen, die Prämien der Krankenkassen miteinander zu vergleichen. Bei Familien sind die Ersparnisse enorm. Für Kinder wird in der Regel null Franken Franchise empfohlen. Für Erwachsene mit geringen Gesundheitskosten ist die Franchise 2500 Franken optimal, ab Gesundheitskosten von durchschnittlich 1800 bis 2000 Franken in der Regel die 300er-Franchise.

Auf dem behördlichen Prämienportal Priminfo.ch lassen sich neutrale Vergleiche machen. Mit einem günstigen Managed-Care-Modell lassen sich die Prämien stark senken. Familien sollten auch prüfen, ob sie Anspruch auf Prämienverbilligungen der Krankenkasse haben. In vielen Kantonen erhalten sie diese nur auf Antrag. Autor: Bernhard Bircher-Suits

Dieser Artikel ist in der Neuen Zürcher Zeitung am 3. Juni 2020 erschienen.

Wer vertritt mich, wenn ich urteilsunfähig bin?

Mit einem Vorsorgeauftrag können Personen jene Vertrauten bestimmen, die sie in finanziellen oder persönlichen Belangen vertreten sollen, wenn sie dazu nicht mehr fähig sind. Die Erstellung durch Dritte kann teuer werden.

Timon Schenker (56, Name geändert) ist selbstständiger Architekt und Inhaber einer Einzelfirma. Er möchte sicherstellen, dass sein Kleinunternehmen in Zürich im Falle eines schweren Unfalls oder Krankheit und einer daraus resultierenden Urteilsunfähigkeit weiter funktioniert. Als urteilsunfähig gilt, wer nicht mehr vernunftmässig handeln kann. Der Architekt möchte, dass seine zwei langjährigen Geschäftspartner in einem solchen Fall den Betrieb weiterführen können. Gründe für eine Urteilsunfähigkeit gibt es viele: Ein Autounfall, eine Demenz oder eine psychische Störung. Verliert eine Person ihre Urteilsfähigkeit, kann sie von Gesetzes wegen nicht mehr frei über ihr Vermögen verfügen und keine medizinischen und juristischen Entscheide mehr fällen. Mit einem sogenannten Vorsorgeauftrag kann eine volljährige und urteilsfähige Person wie Schenker sicherstellen, dass im Fall einer Urteilsunfähigkeit selbst bestimmte Personen wie Familienmitglieder, Geschäftspartner oder auch ein Treuhänder die eigenen Interessen vertritt. In einer separaten Patientenverfügung kann jedermann ausserdem medizinische Massnahmen regeln, die man sich für den Fall seiner Urteilsunfähigkeit wünscht.

Die KESB prüft jeden Vorsorgeauftrag
Eine Urteilsunfähigkeit wird meist durch Angehörige, Nachbarn oder medizinisches Personal der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) gemeldet. Damit die KESB einen Vorsorgeauftrag für gültig erklären kann, muss die Behörde prüfen, ob die Urteilsunfähigkeit ärztlich bestätigt, der Vorsorgeauftrag gesetzeskonform errichtet wurde und die eingesetzten Personen oder Unternehmen geeignet sind, den Auftrag zu erfüllen (siehe Kasten). Sofern die im Vorsorgeauftrag eingesetzten Personen fähig und willens sind, den Auftrag zu übernehmen, werden sie von der KESB «validiert». Diese Validierung ist ein schriftlich begründeter Entscheid, in dem die KESB den Vorsorgeauftrag für wirksam erklärt und die vorsorgebeauftragten Personen und deren Aufgaben und Berechtigungen bezeichnet. Damit besteht eine öffentliche Urkunde, mit der sich die vorsorgebeauftragten Personen gegenüber Dritten ausweisen können. Im Beispiel Schenker könnten sich die beiden Geschäftspartner somit auf diese Urkunde abstützen. Architekt Schenker kann in seinem Auftrag zum Beispiel konkrete Handlungsanweisungen festhalten, wie seine Geschäftspartner ihre Tätigkeit auszuüben dürfen. Solange eine Rechtshandlung wie zum Beispiel der Zugriff auf das Geschäftskonto vom Vorsorgeauftrag gedeckt ist und auch kein Interessenkonflikt besteht, muss nicht jeweils noch das Einverständnis der KESB eingeholt werden.

Unternehmensinhaber sollten auch Vollmachten und Unterschriften regeln
Gabrielle Sigg, Teamleiterin Nachlass beim VZ VermögensZentrum, empfiehlt vorsorglich auch Bankvollmachten für Geschäftspartner auszustellen und allenfalls die Unterschriftsregelungen im Handelsregister so zu regeln, dass eine Firma handlungsfähig bleibt. «In komplizierten Fällen kann es bis zum Validierungsentscheid der KESB einige Monate dauern. Es gilt daher die Handlungsfähigkeit des Unternehmens sicher zu stellen.» Bei Unternehmen mit Aktionären und Mitgliedschaftsrechten fügt das VermögensZentrum bei Bedarf einen Passus in den Vorsorgeauftrag mit ein, womit die beauftragte Person befugt wird, an der Generalversammlung bzw. der Gesellschafterversammlung das Stimmrecht weisungsfrei auszuüben. Zudem kann die beauftragte Person ermächtigt werden, Aktien bzw. Stammanteile zu verkaufen.

Ehegatten und eingetragene Partner brauchen meist keinen Vorsorgeauftrag
Bei Ledigen oder Verwitweten ohne Vorsorgeauftrag ernennt die KESB jeweils einen Beistand, wenn sie urteilsunfähig werden. Ehegatten und eingetragene Partner erhalten auch ohne einen Vorsorgeauftrag ein Vertretungsrecht. Gemäss der Schweizer Behindertenorganisation «Pro Infirmis» besteht dieses Vertretungsrecht aber nur «wenn die Beziehung tatsächlich gelebt wird, d.h. wenn das Paar einen gemeinsamen Haushalt führt oder wenn im Falle eines Heimaufenthalts der Partner bzw. die Partnerin der urteilsunfähigen Person regelmässig und persönlich Beistand leistet.» Das gesetzliche Vertretungsrecht im Bereich Wohnen umfasst gemäss der Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz KOKES den Abschluss, die Änderung oder Aufhebung eines Betreuungsvertrags mit einer Wohn- oder Pflegeeinrichtung. Im Bereich Finanzen können Ehegatten und eingetragene Partner/innen die üblichen Zahlungen und Vermögensverwaltungshandlungen erledigen.

Personensorge, Vermögenssorge und Vertretung im Rechtsverkehr
Im Vorsorgeauftrag kann eine Person festhalten, welche Aufgaben die bezeichneten Personen wahrnehmen sollen. Dabei kann es sich um die Personensorge (Öffnen der Post, Betreuung, Pflege, medizinische Versorgung, etc.), die Vermögenssorge (Verwaltung des Einkommens und Vermögens, Abwicklung des Zahlungsverkehrs etc.) und die Vertretung im Rechtsverkehr drehen. Beim Aufsetzen des Auftrags muss man sich strikte an die gesetzlichen Formvorschriften halten (siehe Kasten). Die KESB der Stadt Zürich hat in den Jahren 2013 bis 2018 insgesamt 92 Vorsorgeaufträge validiert. Weitere zehn Vorsorgeaufträge konnten nicht validiert werden und es musste eine Erwachsenenschutzmassnahme angeordnet werden. In vier Fällen hatte der Vorsorgeauftrag Formfehler und war daher ungültig.

Beratung bei Pro Senectute, Caritas oder Pro Infirmis
Unterstützung bei der Auftragserstellung erhalten Personen bei den Beratungsstellen von Pro Senectute, Caritas oder Pro Infirmis. Es gibt auch digitale Helfer wie die Plattform E-Vorsorgeauftrag.ch. Hier lässt sich online kostenlos ein individualisierter Vorsorgeauftrag mit zusätzlicher Patientenverfügung erstellen. Einzelunternehmer Schenker kann den Vorsorgeauftrag somit entweder auf eigene Faust erstellen oder ihn zusammen mit einem Notar schreiben und das Dokument am Wohnort beurkunden lassen. Die Vobox AG in Bäch im Kanton Schwyz hat sich auf diesen Service spezialisiert. Das Unternehmen bietet einen Vorsorgeauftrag für Paare für pauschal 1500 und für Einzelpersonen für 1000 Franken an. Dazu kommen im Kanton Schwyz noch 150 Franken für die Beurkundung beim Notar. Bei der Advokatur «Bleuer und Klegler» in St. Gallen kostet ein Vorsorgeauftrag inklusive Beurkundung «ab 380 Franken». Peter Burri, Leiter Marketing und Kommunikation bei Pro Senectute Schweiz, sagt: «Das Geschäft mit Vorsorgeaufträgen ist ein spannender Markt, bei dem verschiedene Player wie Banken, Versicherungen und Notare sowie private Firmen aktiv sind. Es besteht aktuell ein gewisser Wildwuchs und die Angebote sind zum Teil nur schwer vergleichbar.» Es gibt bei komplexen Ausgangslagen somit nur eine Lösung: Vor eine Beratung mehrere Offerten einholen.

Autor: Bernhard Bircher-Suits
Dieser Artikel ist in der NZZ vom 6.4.2020 erschienen.