Steuererklärung 2020: So vermeiden Sie Fehler

Steuererklärung und Steuerabzüge

Zeit und Geld spart, wer die Steuererklärung elektronisch ausfüllt. Dank Hilfsprogrammen vergisst man keine Abzüge und es ergeben sich keine Additionsfehler.

Bald flattert die Steuererklärung in die Haushalte. Doch wie deklarieren Private ihre Einkäufe in die Pensionskasse korrekt? Wie sieht es bei Bitcoins, Lottogewinnen und Spenden aus? Und welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf die Steuererklärung? Ein Ratgeber für Steuerzahlende.

Von Bernhard Bircher-Suits 

Darum gehts

  • Weshalb es sich lohnt, die Steuererklärung elektronisch einzureichen
  • Welche Abzüge Sie bei der Steuererklärung nicht vergessen sollten
  • Was Sie wegen der Corona-Krise abziehen dürfen und was nicht
  • Praktische Tipps: Wissenswertes zu Vorauszahlungen und Online-Tools, nützliche Tipps und benötigte Unterlagen

 

Über 5 Mio. Steuerpflichtige erhalten in der Schweiz in den nächsten Wochen Post vom Steueramt. Alle Kantone ermöglichen mittlerweile das elektronische Ausfüllen der Formulare am Computer und online im Internet-Browser.

In den Kantonen Schwyz und Zürich kann man neu alle Belege digital einreichen, eine Unterschrift von Hand braucht es nicht mehr. Solche volldigitalen Lösungen bieten beispielsweise auch die Kantone Luzern, Nidwalden, Obwalden, Solothurn, St. Gallen und Zug.

Mit Hilfsprogrammen passieren weniger Fehler

Die Corona-Krise dürfte beim Ausfüllen der Steuererklärung für einen Digitalisierungsschub sorgen. Heinz Tännler, Regierungsrat und Vorsteher der Finanzdirektion des Kantons Zug, sagt: «Die Steuerverwaltung rechnet damit, dass die Anzahl vollelektronischer Einreichungen der Steuererklärung bedingt durch Corona dieses Jahr weiter zunehmen wird.»

Das elektronische Ausfüllen bietet viele Vorteile gegenüber der Steuerdeklaration auf Papier. Martin Metzger, Teamleiter Steuern beim VZ Vermögenszentrum, sagt: «Die elektronischen Tools haben den Vorteil, dass sie viele Abzüge wie Kinder-, Familien- und Zweiverdienerabzug automatisch generieren oder diese Felder ansteuern. Ausserdem kann es keine Additionsfehler geben.»

Digitale Helfer verhindern keine falschen Annahmen

Doch das korrekte Ausfüllen der Steuererklärung ist trotz digitalen Helfern eine Kunst, die längst nicht alle beherrschen. Ein Beispiel: Ein 68-jähriger Angestellter aus dem Kanton Aargau kaufte sich im Jahr 2015 mit einem Betrag von 150’000 Fr. in die Pensionskasse seiner Arbeitgeberin ein.

In der Steuererklärung 2015 zog der Mann einen Anteil von 90’000 Fr. des Einkaufs von seinem Einkommen ab, da der gesamte Betrag grösser war als sein Einkommen. Weitere 60’000 Fr. zog er in der Steuererklärung 2016 ab. Das Problem: Die Steuerkommission akzeptierte die Einkaufsabzüge nicht. Der mittlerweile pensionierte Mann wehrte sich erfolglos bis vor Bundesgericht.

Der Mann verstiess mit seinem Vorgehen gegen das sogenannte Periodizitätsprinzip. Gemäss Bundesgericht darf man einen Einkauf nur in dem Steuerjahr vom Einkommen abziehen, in dem er erfolgt ist. Die Einkäufe wären somit akzeptiert worden, wenn er in der Steuerperiode 2015 einen Einkauf von rund 90’000 Fr. getätigt hätte und im Folgejahr einen Einkauf von 60’000 Fr.

Umgekehrt gilt: Wer seinen Einkauf in die Pensionskasse nicht bis Ende 2020 geleistet hat, kann im Jahr 2021 auch keine Nachzahlungen mehr für die Steuerperiode 2020 leisten. Der Zug für Nachzahlungen ist im neuen Jahr definitiv abgefahren.

Bezahlte Steuern bei PK-Rückzahlungen nachfordern

Gelegentlich gilt es auch, bereits bezahlte Steuern vom Fiskus zurückzufordern. Steuerpflichtige, die für selbst bewohntes Wohneigentum vorbezogene Pensionskassengelder wieder in die zweite Säule zurückführen, können vom Steueramt verlangen, dass die beim Vorbezug oder bei der Pfandverwertung für den entsprechenden Betrag bezahlten Steuern zurückerstattet werden.

Wer Gelder wieder in die berufliche Vorsorge zurückführt, kann dafür aber nicht auch noch einen Einkaufsabzug geltend machen. Gut zu wissen: Die Rückforderung bei der Steuerbehörde muss innert drei Jahren nach der Rückzahlung erfolgen.

Peter B. Nefzger ist Vorsteher der Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft. Er kennt die häufigsten Fehler der Steuerpflichtigen. Er sagt: «Was oft vorkommt, ist ein fehlender Beleg für die Säule 3a-Einzahlung.» Als Beleg für die steuerliche Abzugsfähigkeit dient die von der Bankstiftung bzw. Versicherungseinrichtung zugestellte Einzahlungsbescheinigung.

Angestellte durften 2020 bis zu 6826 Fr. in die Säule 3a einzahlen, Erwerbstätige ohne Pensionskasse bis zu 20% ihres Nettoeinkommens, jedoch höchstens 34’128 Fr.

Diese Maximalbeträge darf man in der Steuererklärung vollumfänglich vom Einkommen abziehen. Im Steuerjahr 2021 steigen diese Maximalbeträge auf 6883 bzw. 34’416 Fr.

Liegenschaftsunterhalt und Eigenmietwert

Der Steuerexperte Metzger mahnt: «Man sollte den Abzug von Unterhaltskosten bei Liegenschaften prüfen. Hier kann der Steuerpflichtige jedes Jahr und für jede Liegenschaft zwischen Pauschale und effektiven Kosten wählen.»

Abziehen darf man werterhaltende Investitionen in Immobilien, wertvermehrende hingegen nicht. Eine Ausnahme sind Investitionen mit dem Ziel, Energie zu sparen oder die Umwelt zu schützen.

Der Pauschalabzug für die Unterhaltskosten liegt meist bei 10 oder 20% des Eigenmietwerts beziehungsweise der Mietzinseinnahmen. Die tatsächlichen Kosten für den Unterhalt können diesen Pauschalabzug jedoch leicht übersteigen. In diesem Fall lohnt es sich, in der Steuererklärung die effektiven Kosten abzuziehen.

Nicht vergessen: Der Bundesrat hat neue Anreize geschaffen, um die Energieeffizienz bei Sanierungen und Neubauten zu erhöhen. Solche Massnahmen wurden bisher nur in einem Steuerjahr berücksichtigt. Seit Anfang 2020 können diese Kosten während maximal drei Jahren geltend gemacht werden, sofern sie in dem Jahr, in dem sie entstanden sind, steuerlich nicht vollständig berücksichtigt werden konnten.

Auch nicht vergessen sollte man, den Eigenmietwert der selbst bewohnten Liegenschaft oder einer Zweit- oder Ferienwohnung zu deklarieren. Die Eigenmietwertberechnungen erhält man jeweils vom Steueramt.

Lesen Sie, worauf Sie bei folgenden Punkten achten müssen.
Nachfolgend finden Sie Wissenswertes zu Steuervorauszahlungen und Online-Hilfen. Zudem finden Sie auch Tipps zum Ausfüllen der Steuererklärung und eine Liste der benötigten Unterlagen.

Dieser Artikel ist am 25.01.2021 in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen.

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Autofinanzierung: einen Wagen kaufen, leasen oder abonnieren?

Autofinanzierung

Ob Barkauf, Leasing oder Autoabo: Jede Form der Autofinanzierung hat ihre Vor- und Nachteile – und natürlich auch ihren Preis.

Autofinanzierung: Wer kein Bares für einen Autokauf hat, kann ein Auto für ein paar Jahre leasen oder auch nur für einige Monate abonnieren. Neue Abo-Angebote bieten mehr Kostentransparenz und Flexibilität. Das sind die Vor- und Nachteile des Barkaufs und eines Auto-Abos im Vergleich zum langfristig orientierten Leasingvertrag.

Von Bernhard Bircher-Suits

Die Online-Bank Swissquote hat Anfang Dezember angekündigt, dass sie ins Leasinggeschäft einsteige. Swissquote spannt dazu für ein Online-Angebot mit dem amerikanischen Elektroautobauer Tesla zusammen. Der Schritt überrascht nicht: Der private Auto-Leasing-Markt war in der Schweiz – zumindest bis zum Ausbruch der Corona-Krise – ein starker Wachstumsmarkt.

Das Volumen von Konsumentenleasings wuchs laut dem Schweizerischen Leasingverband (SLV) im Jahr 2019 stark. Bei den Neugeschäften stieg das Kreditvolumen im Vorjahresvergleich um satte 9%. Im Schnitt lag die Kreditsumme 2019 bei neu geleasten Autos bei 34 500 Fr. pro Pkw. In der Schweiz werden je nach Automarke und -modell 30 bis 75% der Neuwagen über Leasingverträge finanziert.

Leasing als Unterstützung für den Technologiewandel

Swissquote dürfte bei den vergleichsweise teuren Elektroautos von Tesla ein dickes Geschäft wittern. Der SLV frohlockte bereits 2019 im Geschäftsbericht: «Bei den Elektro- und Hybridfahrzeugen fand letztes Jahr die markanteste Veränderung im Neuwagenabsatz statt. (. . .) Da sich die Konsumenten noch nicht sehr sicher sind, wie schnell sich die Entwicklung der Batterietechnologie verbessert, werden sicherlich viele das Leasing nutzen, um diese neue Technologie erfahren zu können (. . .).»

Ein Leasing kann bei Elektroautos in der Tat sinnvoll sein. Schliesslich haben ältere Elektroautos aufgrund des technologischen Fortschritts bei der Batterietechnologie beziehungsweise der Reichweite teilweise stark an Wert verloren.

In Deutschland ist dies auch wegen sehr hoher Prämien für umweltfreundliche Neuwagen der Fall. Wer ein neues Elektroauto mit eigenem Geld kauft, muss daher unter Umständen mit einem grossen Abschlag beim Wiederverkauf rechnen. Beim Leasingvertrag trägt dieses Wiederverkaufsrisiko der Leasinggeber.

Effektive Kosten für Leasing in der Regel höher als erwartet

Trotzdem ist Leasing in vielen Fällen die teuerste Variante des Autofahrens, denn es vereint die Nachteile der Miete mit den Nachteilen des Eigentums: Der Leasingnehmer zahlt einen monatlichen Schuldzins und muss zusätzlich wie ein Eigentümer für den Unterhalt aufkommen und den Wagen versichern. Zudem ist er dazu verpflichtet, eine teure Vollkaskoversicherung für die ganze Vertragsdauer abzuschliessen.

Bei der Rückgabe des Wagens nach Ablauf der Leasingdauer drohen im schlechten Fall noch Zusatzkosten für allfällige Mehrkilometer oder Reparaturen. Der Leasingnehmer hat zudem nur ein Vorkaufsrecht, falls dieses auch vertraglich vereinbart wurde.

Tiefe monatliche Leasingkosten wirken für viele Automobilisten auf den ersten Blick verführerisch. Doch laut Touring Club Schweiz (TCS) sind die effektiven Leasingkosten in der Regel dreimal höher als die offerierte, monatliche Leasingrate. Der Grund hierfür ist, dass Steuern, Versicherung und Unterhaltskosten im Leasingzins meist nicht enthalten sind.

Ausnahmen sind zum Beispiel neuere sogenannte Full-Leasing-Angebote, wie sie zum Beispiel der Autoimporteur Amag unter der Bezeichnung Leasing-Plus seit Anfang Juni 2020 anbietet. Im «Starter»-Leasingpaket sind auch alle Service- und Unterhaltsarbeiten am Fahrzeug für die komplette Leasingdauer im Leasingzins inklusive.

Barkauf ist oft die günstigste Variante

Ein Barkauf ist für einen finanzstarken Käufer dank Barzahler-Rabatten meist die günstigste Variante von allen Optionen, vor allem bei einer Haltedauer von mehr als sechs Jahren. Der Grund: Der Wertverlust eines Neuwagens ist vor allem in den ersten drei Jahren sehr hoch. Es ist finanziell – und auch ökologisch – betrachtet nicht sinnvoll, ein Auto zu kaufen und es nach nur zwei bis drei Jahren wieder mit einem enormen Wertverlust zu verkaufen.

Bezüglich Neuwagen und Wertverlust gibt es einen alten Spruch: «Fährt man mit dem neuen Auto vom Hof des Händlers, ist es bereits nur noch die Hälfte wert.» Firmen, die bei Geschäftswagen knallhart rechnen, setzen daher auch meist auf den Barkauf anstatt auf die Option Leasing. Das legen die Zahlen des SLV nahe: Bei den Pkw-Verträgen waren 2019 rund 80% der Leasingverträge in den Händen von Privaten, und der kleine Rest zählte zur Kategorie Gewerbe.

Auto-Abos sind im Kommen

Seit kurzer Zeit buhlen Startups wie Carvolution, Clyde – ein Angebot des Autoimporteurs Amag –, Carify – ein Spin-off der Uni St. Gallen – sowie Flatdrive der Swissbility AG mit Auto-Abos um die Gunst von Automobilisten.

Die Carvolution AG in Bannwil (BE) ist der momentan grösste Anbieter von Auto-Abos in der Schweiz. Carvolution möchte damit eine «Alternative zu Autokauf und Leasing» anbieten. Die Abo-Anbieter schliessen eine Lücke zwischen den Kurzvermietungen und den langfristig ausgelegten Leasingverträgen.

Die Firma sieht sich somit nicht als Konkurrenz zu Kurzzeitvermietern wie zum Beispiel Mobility. Bei Auto-Abos sind – wie bei Mobility oder anderen Kurzzeitanbietern – der Unterhalt und die Versicherung bereits inklusive. Im Gegensatz zur Mobility-Lösung muss man sich mit einem Auto-Abo aber selbst um einen Parkplatz bemühen. Auch weltweit tätige Autovermieter wie Hertz und Sixt mischen unterdessen im rasch wachsenden Abo-Markt mit.

Und sogar die wenig autoaffinen SBB bieten mit dem Abo SBB Green Class eine Kombi-Lösung aus ÖV-Abo und Auto an. Es handelt sich beim Fahrzeug um einen umweltfreundlichen Stromer. Kunden haben mit SBB Green Class Zugriff auf alle Verkehrsmittel, die sie laut SBB «in Ihrer aktuellen Lebenslage benötigen» – zum Fixpreis, während eines Jahres, während zwei, drei oder vier Jahren. Auto-Service, Vignette, Reifenwechsel, Steuern und Versicherung sind inklusive.

Und auch die Schweizer Versicherungen haben das Abo-Modell entdeckt. Upto, ein Angebot der Axa-Versicherung, bietet verschiedene Automodelle an – selbstverständlich inklusive Axa-Versicherung.

Auch die Mobiliar-Versicherung mischt im Geschäft mit. Sie hat der Carvolution AG 50 Mio. Fr. für den Flottenausbau zur Verfügung gestellt.

Grosse Unterschiede bei Verfügbarkeit und Flottenstärke

Die Verfügbarkeit und die Fahrzeugauswahl bei Abo-Anbietern unterscheiden sich stark von Anbieter zu Anbieter. Manche agieren nur an wenigen Standorten, und andere bieten nur eine sehr kleine Flotte von Fahrzeugen an. Die meisten Anbieter haben eine sehr kurze Kündigungsfrist von nur einem Monat.

Der grösste Vorteil beim Auto-Abo liegt aber bei der Kostentransparenz: Bei Auto-Abos sind die beim Leasing oder beim Kauf zusätzlich anfallenden Kosten wie Versicherung, Service und Reparaturen sowie Steuern bereits mit dabei – ausser der Aufwand für Treibstoff oder Strom (vgl. Tabelle unten).

Laut dem Vergleichsportal Moneyland.ch variieren die monatlichen Pauschalgebühren je nach Anbieter, Auto-Abo und ausgewähltem Automodell zwischen 300 und 2000 Fr. pro Monat. Der TCS-Sprecher Daniel Graf erklärt, für wen Auto-Abos sinnvoll sind: «Für Personen mit regelmässigem Einkommen, die ab und zu wieder ein anderes Auto fahren wollen. Auch wer für begrenzte Zeit ein Auto benötigt oder einen Sommer lang einmal Cabrio fahren und keine langfristigen Verpflichtungen eingehen will, für den kann ein Auto-Abo durchaus Sinn ergeben.»

Verkehrsteuern und Versicherungsprämiene je nach Kanton anders

Laut TCS legt ein Autofahrer in der Schweiz pro Jahr im Schnitt 15 200 Kilometer zurück. Das Online-Portal Autoscout24 hat anhand eines VW Polo und 15 000 gefahrenen Kilometern pro Jahr die Kosten zwischen Auto-Abo und Leasing verglichen. Resultat: Auf den ersten Blick wirkt die monatliche Rate beim Leasing mit 208 Fr. günstig.

Die Kosten des Leasings können bei kurzer Haltedauer aber höher ausfallen, sofern man alle zusätzlichen Kosten mit dazurechnet – im Beispiel sind es effektiv 600 Fr. pro Monat, beim Auto-Abo «nur» 570 Fr. während 12 Monaten.

Doch der Vergleich ist laut Autoscout24 «mit Vorsicht zu geniessen». Denn je nach Halter-Kanton gibt es Unterschiede, was die Strassenverkehrssteuern, die Versicherungsprämien und die administrativen Kosten betrifft. Auto-Abos wirken auf den ersten Blick viel teurer als eine Leasingofferte, die viele teure Zusatzaufwendungen nicht enthält. Wer Auto-Abos mit Leasingofferten vergleicht, muss daher aufpassen, nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Autoscout24 bietet seit Sommer 2020 einen «Beta»-Vergleich von Auto-Abos an. Ein harter Kostenvergleich ist damit aber (noch) nicht möglich.

Teurer als ein Leasing oder ein Auto-Abo ist die Variante Autokauf mit einem Privatkredit. Der Zins für einen Privatkredit bei der Migros Bank beträgt für einen guten Schuldner 4,7% pro Jahr. Bei der Crowdlending-Plattform Lend.ch sind es im besten Fall sogar «nur» 3,5%. Doch in der gegenwärtigen Tiefzinsphase sind Privatkredite teuer und für einen Autokauf nicht empfehlenswert.

Fazit: Wer nur wenige Monate oder alle zwei Jahre ein neues Auto ab Stange fahren und sich um möglichst wenig kümmern möchte, setzt am besten auf ein Abo-Modell. Wer hingegen ein neues, individuell angepasstes Auto viele Jahre halten und «zu Boden» fahren will, fährt mit einem Barkauf am günstigsten.

Wer sich nicht nur günstig, sondern auch ökologisch fortbewegen möchte, sollte sich die Worte von Andreas Käsermann vom Verkehrs-Club der Schweiz zu Herzen nehmen. Er sagt zu den erwähnten Optionen: «Aus Umweltsicht ist die Kombination Velo, öV und Carsharing ganz klar am besten.»

Dieser Artikel ist am 30.12.2020 in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen.

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Checkliste Unternehmensaufbau

So überstehen neue Firmen die Startphase

Die unsicheren Zeiten haben Jungunternehmer nicht aufgehalten: Trotz Coronavirus-Krise werden im Jahr 2020 wohl so viele Unternehmen gegründet wie noch nie. So kommen Kleinunternehmen kostengünstig und erfolgreich durch die Startphase.

Autor: Bernhard Bircher-Suits

Wie hoch hierzulande die «Übersterblichkeit» bei Unternehmen bis zum Ende der Corona-Krise ausfallen wird, steht noch in den Sternen. Klar ist einzig die «Normalsterblichkeit»: Ein Jahr nach der Firmengründung existieren gemäss der sogenannten «Unternehmensdemografie» des Bundesamts für Statistik (BfS) im Schnitt noch rund 80% aller neuen Firmen in der Schweiz. Nach weiteren vier Jahren sind nur noch rund die Hälfte dieser Unternehmen am Leben. Stark betroffen vom Firmensterben sind üblicherweise vor allem Jungunternehmen mit nur einer beschäftigten Person.

Höchste Überlebensrate im Gesundheits- und Sozialwesen

Die Firmen-Überlebensraten variieren stark nach Wirtschaftszweig: Der Zweig «Gesundheits- und Sozialwesen» verzeichnet gemäss BfS die höchste Überlebensrate. Nach fünf Jahren waren rund 64% der 2013 neu gegründeten Unternehmen noch aktiv. Zum Vergleich: Im Gastgewerbe waren fünf Jahre nach der Gründung nur noch 38% der Firmen aktiv. Spätestens im Corona-Jahr 2021 dürfte sich die traditionell hohe Firmensterblichkeit in der Gastrobranche weiter erhöhen – trotz staatlichen Überlebenshilfen.

Erstaunlicherweise peilt die Schweiz im Corona-Jahr 2020 einen Rekordwert bei den Firmenneugründungen an. Im November 2020 wurden gemäss dem Institut für Jungunternehmen (IFJ) insgesamt 4177 neue Firmen aus der Taufe gehoben. Das entspricht einem Plus von rund 15% gegenüber dem November 2019. In den ersten drei Quartalen 2020 wurden insgesamt 33 617 neue Firmen gegründet – ein Anstieg von 2,5% im Vergleich mit dem bisherigen Rekordjahr 2019. Doch Gründerinnen und Gründer, welche die ersten Jahre mit ihrer Firma überleben möchten, sollten neben einer guten Geschäftsidee und einem soliden Businessplan auch die anfänglich meist spärlich vorhandenen Unternehmensfinanzen im Griff behalten. Vor allem die Startphase ist kostspielig, und meist fliessen mangels Kunden noch wenig Erträge.

Bereits bei der Gründung fallen für Gründerinnen und Gründer hohe Kosten an. Und wie so oft in der Schweiz variieren sie je nach Kanton. Das Staatssekretariat für Wirtschaft geht davon aus, dass für eine Einzelfirma rund 120 Fr. für einen Handelsregistereintrag und bis zu 1000 Fr. für die Gründung anfallen. Wer mit einer GmbH oder einer AG ins Geschäftsleben startet, zahlt rasch mehrere tausend Franken für Handelsregistereintrag, Notar und Beratungen beim Treuhänder.

Bereits bei der Gründung Geld sparen

Doch beim Gründungsprozess gibt es Sparmöglichkeiten: Wer die Gründung zum Beispiel beim Institut für Jungunternehmen macht, fährt mit jeglicher Rechtsform kostenlos. Der Haken: Man bindet sich an Dienstleister wie Swisscom und Postfinance. Wer sowieso bei diesen Anbietern unterkommen wollte oder schon Kunde ist, sollte diese Option dennoch prüfen. Nach einem Jahr kann man die Bank oder den Telekom-Dienstleister immer noch für einen günstigeren Anbieter wechseln. Das Gründerportal Startups.ch bietet ähnliche Dienste mithilfe von anderen Partnern an – und wie das IFJ auch Beratungsleistungen. Es kann sich auch lohnen, bei Dienstleistern nach Spezialangeboten für Startups zu fragen.

In der Schweiz sind Investoren und Banken eher restriktiv in der Vergabe von Krediten an junge Firmen. Bankkredite sind zudem sündhaft teuer, und es empfiehlt sich, möglichst viel Startkapital im Familien- und Freundeskreis in Form von möglichst zinsfreien Darlehen aufzutreiben. Inhaber einer Einzelfirma oder Kollektivgesellschaft können ihr Startkapital nach Möglichkeit auch bar bei der Pensionskasse beziehen. Ein Bezug ist aber nur in den ersten zwölf Monaten nach Bestätigung der Selbständigkeit durch die AHV-Ausgleichskasse möglich. Für teilweise Selbständige beginnt die Frist erst zu laufen, wenn sie im Angestelltenverhältnis nicht mehr der beruflichen Vorsorge unterstehen.

Ein Pensionskassen-Vorbezug muss aber sorgfältig abgewogen werden. Entpuppt sich die Geschäftsidee als Flop, ist im schlechtesten Fall auch das investierte Altersvorsorge-Geld futsch. David Christen aus Stein am Rhein ist Gründer mehrerer Firmen. Er mahnt: «Wer sich mit wenig privaten Ersparnissen an den Firmenstart wagt, sollte zu Beginn einen Teilzeitjob behalten und nicht alles auf eine Karte setzen.» Als Unternehmer müsse man sich zudem «für alle möglichen Arbeiten motivieren können».

Verzicht auf unnötige Versicherungen

Spätestens nach dem Firmeneintrag im Handelsregister quellen der neue Unternehmensbriefkasten und die Mailbox mit diversen Angeboten von Dienstleistern über. Besonders langfristig verpflichtende Angebote sollte man kritisch prüfen. Dazu zählen beispielsweise Versicherungslösungen wie eine «Cyberversicherung», auf die man zumindest in der teuren Startphase getrost verzichten kann.

Im Gegensatz zu den Sozialversicherungen sind Unternehmer bei den Betriebsversicherungen frei in der Wahl. Bei einer Kapitalgesellschaft wie einer GmbH oder AG sind eine Pensionskasse und die Unfallversicherung obligatorisch – wobei die Pensionskasse zu Beginn auf ein Minimum gesetzt werden kann. Freiwillig sind Krankentaggeldversicherung, Sachversicherungen und Haftpflicht. Bei Personengesellschaften ist sogar nur eine Unfalldeckung für Heilungskosten über die Krankenkasse obligatorisch. Je nach Branche bzw. Tätigkeitsgebiet ist eine Haftpflichtversicherung sogar obligatorisch.

Bei Fixkosten genau hinsehen

Das Beispiel (siehe Tabelle unten) zeigt in konkreten Zahlen, wie viel Geld allein für die Versicherungen zuerst einmal verdient werden muss. Die Unterschiede bei den Offerten machen auch klar, dass es sich lohnt, jeweils mehrere Versicherungsofferten einzuholen. So kostet die jährliche Prämie für eine Haftpflichtversicherung bei einem günstigen Versicherer 189 Fr., bei einem teuren Anbieter hingegen 275 Fr.

Ein grosser Fixposten sind neben den Versicherungen meist die Löhne und die Büromiete. Tipp: vor allem zu Beginn die Infrastruktur von Startup- und Gründerzentren nutzen, statt teure eigene Räumlichkeiten zu mieten. Muss es ein eigenes Büro sein, können Jungunternehmen beispielsweise Geräte und Einrichtung gebraucht kaufen, um die Kosten zu senken. Auf Plattformen wie Tutti, Ricardo oder Brockisearch findet man per Mausklick Büromöbel für jeden Geschmack. Bei der Anschaffung von Maschinen und Fahrzeugen kann Leasing eine sinnvolle Alternative zum Kauf sein. Es schont die Liquidität.

Um die Finanzen rund um die Uhr im Griff zu behalten, kann sich eine Online-Buchhaltungssoftware wie Bexio oder Klara lohnen. Damit lassen sich Offerten und Rechnungen nicht nur einfach erstellen, sondern auch direkt verbuchen. Wer etwas Ahnung von Buchhaltung hat, kann mit solchen Online-Programmen vieles ohne fremde Hilfe erledigen. Fredy Hämmerli aus Rüschlikon (ZH) ist Startup-Coach und Koautor des Buchs «Erfolgreich als Kleinunternehmer». Er sagt: «Funktionierende Prozesse, der systematische Aufbau eines Kundenstamms und eine saubere Buchhaltung sind existenziell − und werden aus lauter Freude an den kreativen Ideen oft vernachlässigt.»

Arbeiten und am Ende des Tages vergessen, Rechnung zu stellen, führt rasch zum Untergang. Das tönt banal, ist für viele Startups aber ein zentrales Problem. Tüfteln, Forschen, Entwickeln macht Spass. Die Administration ist dröge. Doch nur wenn das Backoffice ebenso professionell, digitalisiert und engagiert geführt wird wie Entwicklung, Produktion und Vertrieb, besteht Hoffnung auf langfristigen Erfolg.

Tipps für eine erfolgreiche Startphase

Akquise:
Jeder Kontakt ist eine Chance, einen Neukunden zu gewinnen – mit Freundlichkeit, Fachwissen, Zuverlässigkeit und Seriosität punkten

Büroinfrastruktur:
Home-Office oder günstige Büroräumlichkeiten bei Gründerzentren nutzen, auf Second-Hand-Mobiliar setzen
 
Content-Marketing:
Mit nutzwertigen Ratgebertexten über sein Business kann man rasch bei Google und Kunden punkten
 
Controlling:
Mit einer einfachen Online-Buchhaltung Einnahmen und Ausgaben im Auge behalten
 
Informatik:
Flexible Cloud-Lösungen ermöglichen Teamarbeit und senken die Support- und Informatikkosten
 
Kapital:
Mit günstigem Eigenkapital arbeiten und Unabhängigkeit bewahren
 
Klumpenrisiken:
Abhängigkeiten von wenigen Kunden vermeiden
 
Kunden-Feedbacks:
Aus negativen Feedbacks lernen, positive Feedbacks im Eigenmarketing nutzen
 
Lohnpolitik:
Mit tiefen Eigentümer- und Mitarbeiterlöhnen einsteigen
 
Marketingstrategie:
Klarheit schaffen, mit welcher Marketing- und Kommunikationsstrategie man seine Kunden erreichen will und kann
 
Personalpolitik:
Zu Beginn Unterstützung bei Studenten holen und auf flexible Freelancer setzen anstatt auf teure Festangestellte
 
Rabatte:
Gründungs- und Startup-Sonderkonditionen in Anspruch nehmen
 
Team:
Ohne ein motiviertes und ambitioniertes Team lassen sich selten erstklassige Erfolge erzielen
 
Verbindlichkeiten:
Möglichst wenige langjährige vertragliche Verpflichtungen eingehen
 
Versicherungen:
In der Startphase nur das Nötigste mit Ein-Jahres-Verträgen versichern
 
Website:
Eine moderne, informative und seriös gemachte Website mit Impressum und Datenschutzhinweis ist eine wichtige Visitenkarte
 
Zahlungsfristen:
Kurze Zahlungsfristen vereinbaren und Rechnungen umgehend stellen
 
Dieser Artikel ist am 24.12.2020 in der NZZ erschienen. Artikel im Layout (PDF).
Jährliche Versicherungskosten für eine AG
Versicherungskosten für eine AG

Todesfallrisiko: So vermeiden Sie ein finanzielles Fiasko für Angehörige

Stirbt ein Ehe- oder Konkubinatspartner, können Angehörige finanziell in Bedrängnis kommen. Mit einer Todesfallrisiko-Police kann man seine Angehörigen für den Todesfall finanziell absichern.

Hanspeter Meier (35, Name geändert) aus Zürich will seine Frau und seinen Sohn finanziell absichern. Seine Befürchtung: Seine erwerbslose Ehefrau könnte das mit hohen Schulden belastete Eigenheim im Fall seines Todes nicht aus eigener Kraft finanzieren. Meier ist als momentan einziger «Ernährer» ein klassischer Kunde für eine Todesfallrisiko-Police. Denn AHV, Pensionskasse und eventuell eine Unfallversicherung würden der Witwe nach seinem Tod zusammen nie so viel auszahlen, wie Meier verdient. Die Folge: Die Ehefrau müsste im schlechtesten Fall das Eigenheim verkaufen und mit dem Sohn ausziehen.

Selina Wyss, Leiterin Vorsorgeplanung beim VZ Vermögenszentrum, warnt auch unverheiratete Paare mit Eigenheim vor den potenziell negativen finanziellen Folgen eines Todesfalls: «Konkubinatspaare sind sowohl bei den gesetzlichen Versicherungen als auch im Erbrecht deutlich schlechter gestellt als Ehepaare. Das Erbe wird durch die Erbschaftssteuern vielerorts stark geschmälert. Hinterlässt zum Beispiel ein im Kanton Zürich wohnhafter Mann seiner Konkubinatspartnerin 200 000 Franken Vermögen, muss die Partnerin darauf rund 50 000 Franken Erbschaftssteuern zahlen.»

Mit Todesfallkapital die Hypothek abzahlen

Meiers Frage lautet: Welches Todesfallkapital braucht seine Frau, damit sie das Eigenheim auch nach seinem Tod halten kann? Dazu muss der Informatiker eine sogenannte Tragbarkeitsrechnung wie eine Bank machen. Meiers Einfamilienhaus kostete 1 Mio. Fr. Als leitender Informatiker verdient Meier brutto 180 000 Fr. im Jahr. Auf seinem Haus lasten Schulden von 800 000 Fr. Bei einer Hypothek von mehr als zwei Dritteln des Kaufpreises wie bei Meiers muss die Schuld innerhalb von 15 Jahren auf zwei Drittel des Kaufpreises abbezahlt werden.

Gegenwärtig zahlen die Meiers für die Hypothek bei ihrer Bank 1% Zins pro Jahr (monatlich 667 Fr.). Die Amortisationskosten belaufen sich auf monatlich 741 Fr. Mit den zusätzlichen Unterhalts- und Nebenkosten von 833 Fr. (1% des Kaufpreises pro Jahr) kommt die Familie auf eine monatliche Belastung von total 2241 Fr. Im Jahr sind das 26 892 Fr. Die Gesamtkosten dürfen bei einem kalkulatorischen Hypozins von 5% maximal einen Drittel von Meiers Bruttolohn ausmachen. Die Tragbarkeit des Hauses ist für die Bank zurzeit mit 33% erfüllt – auch bei einem hypothetischen Zins von 5%.

Höhe der Witwenrente bestimmen

Stirbt Meier, kann die überlebende Ehefrau eine AHV-Hinterlassenenrente in Anspruch nehmen und eine Witwenrente aus der zweiten Säule (BVG). Wie hoch diese Renten zusammen wären, kann Meier mit Hilfe der Versicherungsausweise von AHV und Pensionskasse sowie der Angaben der Unfallversicherung berechnen. Doch die für Frau Meier vorgesehenen Witwenrenten würden das weggefallene, hohe Einkommen des Ehemannes von 180 000 Fr. pro Jahr nicht wettmachen. Das Haus wäre für die Witwe nicht mehr tragbar.

Die Lösung: Herr Meier kann zum Beispiel ein Todesfallkapital von 200 000 Fr. bei einer Versicherung versichern lassen. Mit dem Geld könnte seine Frau nach seinem Ableben die Hypothek um diesen Betrag abbezahlen. Mit einem gut bezahlten Job und den Witwenrenten wäre das Haus für die Witwe und auch die Hausbank weiter tragbar.

Diese Einflussfaktoren bestimmen die Prämienhöhe

Die Prämien für Hanspeter Meier sind in erster Linie abhängig von der vereinbarten Versicherungssumme und dem Alter des Antragstellers zum Zeitpunkt des Abschlusses. Auch die Vertragslaufzeit, das Geschlecht und der Gesundheitszustand haben einen Einfluss auf die Prämienhöhe. Wer raucht, zahlt zudem höhere Prämien als Nichtraucher mit tieferem Sterberisiko. Wichtig zu wissen: Die Gesellschaften können je nach Beantwortung der Gesundheitsfragen einen Leistungsausschluss vornehmen oder einen Antragsteller ganz ablehnen.

Der Offertenvergleich zeigt: Die Kosten für eine Police mit einem konstanten Todesfallkapital von 200 000 Fr. liegen zwischen 321 Fr. und 614 Fr. Der grosse Unterschied bei den Prämien zeigt: Vor einem Abschluss sollte man mehrere Offerten einholen.

Bei Todesfallrisiko-Police gibt es zwei Varianten

Bei einer Todesfallrisiko-Versicherung mit der Option «Abnehmendes Kapital» nimmt die versicherte Summe jährlich um einen gleichbleibenden Betrag linear ab. Bei einer Laufzeit von 20 Jahren sinkt beispielsweise die Versicherungssumme jedes Jahr um einen Zwanzigstel. Die Prämien fallen günstiger aus als bei einer Police mit konstanter Versicherungssumme. Der Grund: Die gesamte Leistung ist kleiner. Ein abnehmendes Todesfallkapital kann bei einer Hypothek mit regelmässiger Rückzahlung (Amortisation) oder einer Familie mit älter werdenden Kindern sinnvoll sein – vor allem auch, wenn der Partner wieder berufstätig wird und gut verdient. Bei einer Police mit konstantem Todesfallkapital bleibt die versicherte Summe während der ganzen Vertragsdauer gleich hoch. Das ist dann sinnvoll, wenn im Todesfall ein bestimmter Betrag zur Auszahlung kommen soll – beispielsweise in der Höhe der Hypothek auf dem Eigenheim.

Diese Punkte sollten Sie vor dem Versicherungsabschluss beachten:

Todesfallsumme: Die Höhe der Todesfallsumme sollte sich am effektiven Bedarf im Todesfall orientieren.

Vorsorge-Analyse: Wer eine Vorsorge-Analyse zur Ermittlung des nötigen Todesfallkapitals nicht selber vornehmen will, kann sie von einem unabhängigen Versicherungsvermittler erstellen lassen. Mit dem Versicherungsvermittler sollte man eine Honorierung nach Stundenaufwand vereinbaren. Achten Sie darauf, dass Ihnen der Makler allfällige Provisionen für den Vertragsabschluss offenlegt und herausgibt.

Offerten: Holen Sie mindestens drei Offerten ein. Für die Wahl der Gesellschaft kann man sich an der Prämienhöhe orientieren, da die Leistungsunterschiede kaum ins Gewicht fallen.

Keine Sparversicherung: Man sollte sich auf keinen Fall eine Todesfallrisiko-Versicherung mit Sparanteil aufschwatzen lassen.

Überschussbeteiligungen: Von allfälligen freiwilligen, nicht garantierten Überschussbeteiligungen sollte man sich in Offerten nicht blenden lassen. Orientierungspunkt sollten nur die effektiven Jahresprämien ohne Überschüsse sein.

Prämienbefreiung: Prüfen Sie, ob eine Offerte eine Prämienbefreiung bei Erwerbsunfähigkeit vorsieht. Das bedeutet: Wird die versicherte Person wegen Krankheit oder Unfall invalid, muss sie die Prämien für die Police nicht mehr zahlen und bleibt dennoch versichert.

Autor: Bernhard Bircher-Suits; Dieser Artikel ist am 30.9.2020 in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen.

So viel kostet das Auto wirklich

Versicherung, Abschreibung, Steuer, Unterhalt und Wertminderung – die Kosten eines Personenwagens hören nicht beim Kaufpreis auf. Mit mindestens 500 Fr. pro Monat müssen Autobesitzer rechnen, auch bei Occasionsfahrzeugen. Meistens ist es mehr.

Nach langem Suchen und Abwägen hat man endlich den passenden Traumwagen gefunden. Der Preis liegt eben noch im Budget, die Testfahrt verlief anstandslos, und der Kauf- oder Leasingvertrag ist unterschrieben. Doch viele Autokäufer vergessen, dass auch dessen Unterhalt und Betrieb Kosten verursachen. Gemäss der Schweizer Handelsplattform Autoscout24 gilt als grobe Faustregel: Autobesitzer sollten – auch bei günstigen Occasionsfahrzeugen – mit mindestens rund 500 Fr. pro Monat fürs Auto rechnen. Die Fahrzeugkosten werden hauptsächlich durch den Anschaffungspreis plus Unterhaltskosten minus Wiederverkaufswert getrieben.

 Zwei Drittel sind Fixkosten

Gemäss dem Ratgeber «Betriebskosten» des Touring Club Schweiz (TCS) sind im Schnitt bei einem Auto rund zwei Drittel Fixkosten und der Rest variable Kosten. Zu den Fixkosten zählen beispielsweise Garagierungskosten, Amortisation sowie Versicherungen wie die obligatorische Haftpflicht und die Kaskoversicherung. Die Prämien können sich dabei je nach Versicherer, Fahrzeug, Bonus/Malus-Stufe oder Wahl zwischen Voll- oder Teilkasko erheblich unterscheiden.

Nutzt man ein Fahrzeug per Leasing, ist der Abschluss einer teuren Vollkaskoversicherung Pflicht. Nicole Riedo von Autoscout24 sagt: «Viele Menschen, die ihre Autokosten berechnen, denken zu wenig an die Folgekosten. Steuern und Versicherungen sind wichtige Punkte, die zu beachten sind.» Nicht vergessen sollte man auch fixe Kosten wie Zinsen und Ausgaben für die Fahrzeugpflege.

Diese Posten sollten Sie berücksichtigen

Zu den beeinflussbaren, variablen Kosten zählen Service und Reparaturen, Reifen, Treibstoff bzw. Strom sowie der Wertverlust. Dieser schlägt vor allem bei fabrikneuen Wagen massiv zu Buche. Generell gilt: Ein Neuwagen verliert im Schnitt innert drei Jahren rund die Hälfte an Wert. Das zeigen Zahlen des Fahrzeug-Bewertungsdienstes Eurotax.

So verliert gemäss der VCS Auto-Umweltliste 2020 zum Beispiel der Sportwagen «BMW i8» mit Plug-in-Hybrid Benzin und Elektromotor (Kaufpreis 169 217 Fr.) innert drei Jahren im Schnitt rund 58% an Wert. Nach drei Jahren ist das Statussymbol auf dem Occasionsmarkt nur noch 70 820 Fr. wert. Für Sparfüchse kann es somit sinnvoll sein, anstatt eines teuren Neuwagens eher einen gepflegten und unfallfreien Occasionswagen zu kaufen. Beim Kauf eines «preiswerten» Occasionswagens der Ober- oder Geländewagenklasse (SUV) gilt es aber zu beachten, dass die Betriebskosten trotz dem günstigen Kaufpreis oft immer noch auf hohem Niveau liegen.

Der TCS empfiehlt, jene Fahrzeugvariante zu wählen, die jeweils den geringsten Verbrauch ausweist. Kurt Egli vom Verkehrsclub Schweiz (VCS) sagt: «Oft kaufen Schweizer ihr Auto zu gross. Sie orientieren sich nach dem maximalen Nutzerbedürfnis – wie zum Beispiel Familienferien per Auto. Im Alltag fahren die Leute dann immer ein überdimensioniertes Auto. Der Kauf solcher Autos ist aus ökonomischer und ökologischer Sicht schlecht.»

Durchschnittliche Betriebskosten: 70 Rp. pro km

Doch was kostet ein durchschnittliches Fahrzeug mit einem Neuwert von 35 000 Fr. in der Schweiz? Die von den Steuerbehörden anerkannten TCS-Berechnungsgrundsätze ergeben bei einem Musterfahrzeug mit diesem Neuwert bei einer Fahrleistung von 15 000 km fixe Kosten von jährlich 6531 Fr. und variable Kosten von 3904 Fr. Dementsprechend betragen die Betriebskosten des Musterfahrzeuges 10 435 Fr. pro Jahr bzw. 70 Rp. pro km. Das wären also rund 870 Fr. pro Monat.

Wer bei einem Mittelklassewagen somit mit 70 Rp. Kosten pro Kilometer rechnet, liegt meist richtig. TCS-Sprecherin Valérie Durussel sagt: «Der wichtigste Treiber bei den fixen Kosten ist der Fahrzeugpreis. Dieser widerspiegelt sich in der Amortisation.» Der TCS berechnet die Kosten, indem er ein Fahrzeug über zehn Jahre abschreibt, wie Durussel erklärt. «Rund die Hälfte der fixen Kosten wird durch die Amortisation getrieben. Wenn bei der Fahrzeugwahl Einsparungen im Kaufpreis gemacht werden können, ohne dabei den Hauptnutzen zu schmälern, sollte dies in Betracht gezogen werden.»

Spartipps für Autokäufer

Es gibt derweil verschiedene Möglichkeiten, die Gesamtkosten eines Autos etwas niedriger zu halten. Dazu ist Folgendes zu empfehlen:

Verbrauchs- und Betriebskostenvergleich: Wer den Kauf eines Autos plant und die Betriebskosten vergleichen will, findet unter www.verbrauchskatalog.ch viele Angaben zu Tausenden Modellen. Verantwortlich für die Plattform sind der TCS und das Bundesamt für Energie.

Versicherungskosten: Bei einem Neuwagen empfiehlt es sich, eine Vollkaskoversicherung für mindestens drei Jahre abzuschliessen. Anschliessend kann ein Wechsel zum Teilkaskomodell in Erwägung gezogen werden. Versicherungsprämien variieren extrem. Holen Sie mindestens drei Offerten bei verschiedenen Versicherungsanbietern ein. Einige Versicherer bieten auch Spezialrabatte für Elektro-, Erdgas- und Hybridautos oder für emissionsarme Fahrzeuge an.

Steuern: Die Höhe und Berechnungsart der Steuer unterscheiden sich von Kanton zu Kanton. Ausschlaggebend sein können: Hubraum, Leistung (PS), Gesamtgewicht, Leergewicht und Kombinationen daraus. Sparsame Fahrzeuge und Elektroautos erhalten in vielen Kantonen eine Steuererleichterung. In einigen Kantonen sind reine Elektroautos in den ersten Jahren sogar ganz von der Steuer befreit – im Kanton Solothurn für immer. Anhand des Fahrzeugausweises kann jeder Autohalter die Steuer beim jeweiligen Strassenverkehrsamt in Erfahrung bringen.

Werterhalt: Setzen Sie auf Marken und Modelle mit einem guten Werterhalt. Eurotax veröffentlicht dazu immer wieder Studien. Privatkäufer haben die Möglichkeit, eine Fahrzeugbewertung für Personenwagen, Kleinbusse und Lieferwagen sowie für Motorräder mithilfe von Eurotax-Daten über AutoScout24 durchzuführen. Achten Sie beim Autokauf auf populäre Autofarben: Schwarz, Weiss und Grau lassen sich meist besser verkaufen als andere Farben.

Energieetikette: Autos der Kategorie A und B haben in der Regel deutlich tiefere Treibstoffkosten als Autos mit schlechterer Klassierung.

Kaufen statt Leasen: Leasing hat nur wenige finanzielle Vorteile und ist unterm Strich – trotz anderslautenden Werbeversprechen – häufig teurer als Kaufen. Beim Barkauf können Käufer zudem oft Rabatte herausschlagen. Beim Leasingauto müssen Käufer eine teure Vollkaskoversicherung abschliessen und zudem die Marken-Garage besuchen. Diese verrechnet oft überhöhte Preise. Die Online-Plattform AutoSout24 bietet in Zusammenarbeit mit FinanceScout24 die Möglichkeit, direkt via Autoinserat die Kosten der unterschiedlichen Finanzierungsarten zu vergleichen.

Dieser Artikel ist am 18.8.2020 in der NZZ erschienen. Autor: Bernhard Bircher-Suits.

So sind Berufseinsteiger finanziell gut fürs Leben gewappnet

Mit den ersten selbstverdienten Franken kommen viele Fragen und Entscheidungen auf junge Berufseinsteiger zu. Es gilt, eine erste und sinnvolle Wahl beim Bankkonto, bei der Krankenkasse sowie Vorsorge- und Versicherungslösungen zu treffen. Auf folgende Dinge sollten Berufsanfänger achten.

Die Corona-Krise macht den Berufseinstieg für junge Menschen mit Schul- oder Lehrabschluss nicht einfacher. Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat sich die Jugendarbeitslosigkeit der 15- bis 24-Jährigen in der Schweiz im Mai 2020 um 567 Personen auf 17 758 Arbeitslose erhöht – ein Anstieg von rund 77% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Wer den Schritt ins Berufsleben trotz Corona-Krise schafft, muss spätestens mit dem Wegzug aus dem «Hotel Mama» finanziell auf eigenen Beinen stehen.

Doch viele Junge tappen in die Schuldenfalle. Am grössten ist die Verschuldungsgefahr gemäss der Studie «Verschuldungssituation in der Schweiz – Radar 2019» im Alter von 18 bis 29 Jahren. Erwerbstätige mit obligatorischer Schulbildung haben ein rund viermal höheres Verschuldungsrisiko als solche mit mittlerem oder gar hohem Ausbildungsgrad. Die am häufigsten vorkommenden Zahlungsrückstände sind die Steuerrechnungen und Krankenkassenprämien.

Alle Ausgaben und Einnahmen in «Gesamtbudget» auflisten

Andrea Schmid, Präsidentin des Dachverbandes Budgetberatung Schweiz, sagt: «Ich empfehle Berufseinsteigern, unbedingt ein ‹Gesamtbudget› zu erstellen. So wird sichergestellt, dass zum Beispiel Steuern, Krankenkassenprämien, Energiekosten oder Serafe-Gebühren nicht vergessen gehen. Unregelmässig anfallende Kosten sollte man mit monatlichen Rückstellungen ins Budget einplanen.» Berufseinsteiger finden auf sie zugeschnittene, kostenlose Budgetvorlagen unter www.budgetberatung.ch. Die Gratis-App «BudgetCH» hilft den mobilen Lehrlingen auch unterwegs, Löcher im Portemonnaie zu vermeiden.

Günstiges Privat- und Sparkonto mit Jugend-Bonus auswählen

Umsichtige Eltern eröffnen ihren Kindern bereits im zarten Alter von 12 Jahren ein Jugendkonto. Damit lernen die Heranwachsenden früh den Umgang mit Geld und den verschiedenen Zahlungsmitteln. Die Jugendorganisation Pro Juventute empfiehlt, Kindern bereits einen altersgerechten «Jugendlohn» auszuzahlen (siehe www.jugendlohn.ch). Mit dem fixen Monatslohn der Eltern müssen die Teenager dann bestimmte Ausgaben übernehmen wie Coiffeur, Handy, Taschengeld usw. Der Lehrlingslohn löst den Jugendlohn dann ab.

Sabrina Wachter, Programmverantwortliche Finanzkompetenz bei Pro Juventute Zürich, sagt: «Lernende können mit ihrem Lehrlingslohn meist noch nicht die gesamten Lebenskosten selbst finanzieren und sind auf die Unterstützung ihrer Eltern weiter angewiesen. Es ist wichtig, dass sie gemeinsam im Vorfeld klären, was mit dem Lehrlingslohn bezahlt werden muss und an welchen Kosten sich die Eltern beteiligen.»

Freiburger Kantonalbank mit attraktivem Zins beim Jugendkonto

Jugendliche, die noch kein Bankkonto haben, müssen sich spätestens mit Lehrbeginn ein Jugendprivatkonto für den Zahlungsverkehr und den ersten Lohneingang zulegen. Benjamin Manz, Geschäftsleiter des Vergleichsportals Moneyland.ch, sagt: «Für junge Personen in Ausbildung haben Banken häufig spezielle Angebote mit niedrigeren Kosten und höheren Zinsen.» Berufseinsteiger gehören je nach ihrem Alter aber oft nicht mehr zu den «Jungen» oder «Studenten». Für sie gelten teilweise die Konditionen für Erwachsene.

Attraktiv ist zum Beispiel ein Jugendprivatkonto für bis zu 22-Jährige bei der Freiburger Kantonalbank. Der Zins liegt bei einem halben Prozent, und die Kontoführung ist kostenlos. Für die Debit-Mastercard fällt zudem keine Jahresgebühr an. Bei den Jugendsparkonten sind die Regiobank Männedorf und die Tessiner Kantonalbank mit einem Sparzins von 1% interessant. Einen raschen Vergleich von Zinsen und Gebühren ermöglichen Vergleichsdienste wie Bonus.ch, Moneyland.ch oder www.kgeld.ch, siehe «Zinslisten».

Zahlungsmittel aus Plastik sind nicht immer «fantastic»

Junge mit mageren Lehrlingslöhnen sollten aus Selbstschutz auf Plastikgeld bzw. Kreditkarten verzichten. Sie erschweren den Überblick über die tatsächlich getätigten Ausgaben. Grund: Die Höhe der Einkäufe ist nur nachträglich im Internet oder per Smartphone abrufbar. Kreditkarten senken die Hemmschwelle, grössere Ausgaben zu tätigen, da die Ausgaben auch nicht sofort bezahlt werden müssen. Wenn es eine «Kreditkarte» für Online-Shopping oder Computerspiele sein muss, können Junge auch auf Prepaid-Karten setzen.

Debitkarten, Twint oder Bargeld haben auch in Corona-Zeiten Vorteile

Bei Prepaid- und Debitkarten kann nur so viel Geld ausgegeben werden, wie auf dem Konto ist. Andrea Schmid von der Budgetberatung Schweiz sagt: «Debitkarten, Twint und Bargeld haben den Vorteil, dass sich fast in Echtzeit auf Konten zeigt, was mit den eigenen Finanzen passiert.» Bei den meisten Banken können Kontoinhaber auch im E-Banking Bezugslimiten definieren, um das Lehrlingsbudget nicht unnötig zu strapazieren. Für reisefreudige Jugendliche ist die britische TransferWise-Karte interessant. Damit profitieren Junge und auch ältere Semester von vorteilhaften Wechselkursen im Ausland. Junge ab 16 Jahren sollten auch die Schweizer App-Kontolösung Neon prüfen (www.neon-free.ch). Die Kontoführung ist wie die zugehörige Mastercard kostenlos. Kontoüberzüge sind nicht möglich.

Krankenkasse: So profitieren Junge von tiefen Prämien

Die Grundversicherung der Krankenkassen ist für alle Personen in der Schweiz obligatorisch. Sobald Junge das 18. Altersjahr hinter sich haben, müssen sie sich selbst um ihre Krankenkasse kümmern. Unter www.priminfo.admin.ch finden Junge den unabhängigen Prämienrechner des Bundes, um Krankenkassenprämien zu vergleichen. Kinder haben normalerweise keine Franchise. Sie sollten mit der Volljährigkeit prüfen, welche Franchise wirklich sinnvoll ist und ob sie allenfalls weiterhin von einem Familienrabatt sowie Sparmodellen in der Grundversicherung wie HMO- oder Hausarztmodell profitieren können.

Gemäss Priminfo-Rechner bezahlt ein 16-jähriger Jugendlicher bei der Krankenkasse Assura eine Jahresprämie für die Grundversicherung (0 Fr. Franchise und Unfall inklusive) von Fr. 1166.40. Zum Vergleich: Bei Vivacare wären es Fr. 1873.20. Sparpotenzial: Fr. 525.60 im Jahr.

In der Grundversicherung sind alle Krankenversicherer verpflichtet, auch Junge mit Vorerkrankungen und ohne Gesundheitsfragebogen vorbehaltlos und ohne Wartefrist aufzunehmen. Wer zudem mindestens acht Stunden pro Woche beim selben Arbeitgeber tätig ist, kann zudem auf eine Unfalldeckung bei der Krankenkasse verzichten und zusätzlich Geld sparen.

Versicherungen: Das nötige Rundum-sorglos-Paket zum Sparpreis

Die wichtigste Versicherung für Junge mit einem eigenen Einkommen und eigener Wohnung ist die private Haftpflichtversicherung. Sie kommt für Verletzungen anderer Personen infolge von Unfällen und Schäden am Eigentum anderer auf. Für die erste eigene Wohnung braucht es in der Regel eine solche Privathaftpflichtversicherung. Einige Versicherer schliessen volljährige Jugendliche, die noch bei den Eltern wohnen und nicht erwerbstätig sind, bis zum 25. Geburtstag mit in die elterliche Versicherung ein. Zu prüfen gilt es, was in der Versicherungspolice und den allgemeinen Versicherungsbedingungen steht.

Sobald man über einen eigenen Haushalt verfügt, gehört auch eine Hausratversicherung zu den prüfenswerten Versicherungen. Sie schützt vor Schäden an beweglichen Teilen durch Diebstahl, Feuer oder Wasser. Das Möbelhaus Ikea offeriert mit der im Februar 2020 lancierten Hemsäker-Versicherung eine günstige Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung. Sie kostet deutlich weniger als der Durchschnitt der anderen Schweizer Hausratversicherungen. Was junge Berufstätige hingegen kaum benötigen, sind eine Rechtsschutzversicherung sowie eine Lebensversicherung – zumindest solange sie weder Kinder haben noch einen Lebenspartner wegen einer Hypothek finanziell absichern müssen.

Vorsorge: Lange Anlagedauer mit Säule 3a nutzen

Wenn junge Berufseinsteiger nach der Pensionierung ähnlich viel Rente erhalten wollen wie die Pensionäre heute, müssen sie schon früh Geld auf die hohe Kante legen. Es kann sinnvoll sein, monatlich einen Beitrag in die steuerbegünstigte, freiwillige Säule 3a einzuzahlen. «Hohe» Zinsen zahlt zum Beispiel die WIR-Genossenschaftsbank mit derzeit noch 0,3% im Jahr. Den jährlichen Maximalbetrag von gegenwärtig 6826 Fr. können Junge ohne hohe Einkommen und Reserven auf kleine, monatliche Tranchen aufteilen, mit dem Ziel, am Jahresende den Maximalbetrag zu erreichen. Steuerlich bringen solche Einzahlungen aufgrund des tiefen Lohnes und geringer Steuerprogression aber noch wenig Vorteile.

Und das Problem von 3a-Einzahlungen: Das Geld ist blockiert, und falls eine junge Person zum Beispiel eine Weiterbildung machen möchte, kann sie das Geld in der dritten Säule nicht beziehen. Da Berufseinsteiger einen sehr langen Anlagehorizont bis zur Pensionierung haben, gilt es zu prüfen, ob sie ihre dritte Säule nicht in Wertschriften anlegen sollten. Ab einem Anlagehorizont von zehn Jahren ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein 3a-Sparer mit Wertschriftenfonds deutlich mehr Rendite erzielt als mit einem derzeit mager verzinsten 3a-Zinskonto. Vorteilhaft sind passiv verwaltete 3a-Wertschriftenfonds. Die Terzo-Stiftung der WIR-Bank bietet beispielsweise unter der Marke Viac solche kostengünstigen Fonds an.

Fallgrube 3a-Sparpolicen

Eine Verkaufsstrategie von wenig seriösen Finanzberatern ist es, jungen Leuten Säule-3a-Sparpolicen mit sehr langen Vertragslaufzeiten anzudrehen. Der Versicherungsexperte Stefan Thurnherr vom VZ Vermögenszentrum warnt: «Man sollte sich nicht zu einer gemischten Lebensversicherung 3a überreden lassen. Es drohen hohe Kosten, wenig Flexibilität, und es wäre schlicht das falsche Produkt für Junge.»

Steuern: Mit Dauerauftrag Löcher im Sparstrumpf vermeiden

Jugendliche werden in dem Jahr, in dem sie 18 Jahre alt werden, persönlich steuerpflichtig. Falls sie schon vorher einen Lohn erhalten, müssen sie diesen selbständig versteuern. Eine Steuererklärung müssen sie erst im folgenden Jahr ausfüllen. Mit dem Online-Steuerrechner des Wohnkantons lässt sich die mutmassliche Steuer im Voraus berechnen. Diesen Betrag sollten Jugendliche dann durch zwölf Monate teilen und monatlich einen Teil ihres Lohns an das Steueramt bezahlen. So vermeiden sie spätere Steuerschulden, ein häufiger Grund für Verschuldung bei Jungen. Andrea Schmid von der Budgetberatung Schweiz sagt: «Viele Berufseinsteiger treten ihre Stelle unterjährig an. Die erste Steuerrechnung täuscht darüber hinweg, dass Steuern im Folgejahr nochmals wesentlich höher eingeplant werden müssen, wenn anstelle von wenigen Monaten ein volles Einkommen mal 12 oder 13 versteuert werden muss.»

So hat man das Familienbudget im Griff

Ein Kind stellt oft nicht nur das Leben von Eltern auf den Kopf, sondern auch das Haushaltsbudget. Die grössten Ausgabeposten sind Wohnen, Steuern und Krankenkasse. Mit einfachen Massnahmen können Eltern die vermeintlichen «Fixkosten» senken.

Sieben von zehn Frauen und rund zwei Drittel der Männer in der Schweiz sind Eltern von einem oder mehreren Kindern. Das zeigt der Bundesratsbericht «Familien in der Schweiz» aus dem Jahr 2017. Kinder machen nicht nur viel Freude und stiften Lebenssinn, sie belasten auch das Haushaltsbudget einer Familie – mit direkten und indirekten Kosten. Zu den direkten Kosten zählen zum Beispiel Ausgaben für Essen, Kleider und Handy-Abo. Die Studie «Kinderkosten in der Schweiz» des Bundesamts für Statistik kommt auf durchschnittliche direkte Kosten für das erste Kind bei Paaren von 819 Fr. pro Monat. Als Folge der Corona-Pandemie müssen viele Familien nun noch genauer rechnen.

 

Teure Krippenphase

Zu den indirekten Kosten zählt der Betreuungsaufwand mit Erwerbsausfall bzw. Fremdbetreuungskosten. Denn meist reduziert ein Elternteil sein Arbeitspensum, um die Kinder zu betreuen. Die kinderbedingte Einbusse liegt bei Frauen in Paarhaushalten bei 960 bis 1060 Franken pro Monat bei einem Kind und bei 1600 bis 1660 Franken für zwei Kinder.

Die hohen Kinderkosten werden zum Teil dank Steuerreduktionen, Kinderzulagen, Prämienverbilligungen bei der Krankenkasse sowie dem einkommensabhängigen Tarif für die Drittbetreuung abgefedert. Eine Fremdbetreuung in einer Krippe hat aber vor allem für Doppelverdiener ihren Preis. Ein Beispiel: In der Stadt Zürich zahlt eine Familie mit einem Kleinkind und einem steuerbaren Jahreseinkommen von 108 000 Franken für drei volle Krippentage pro Woche jeden Monat 1233 Franken. Mit dem Eintritt in den öffentlichen Kindergarten entspannt sich das Familienbudget aber immerhin in der Regel wieder.

Kinder sind ein Armutsrisiko

Gemäss Caritas Schweiz sind 144 000 Kinder in der Schweiz von Armut betroffen. Mitschuld haben gemäss Caritas hohe Kinderkosten, tiefe Einkommen der Eltern, mangelnde Möglichkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren, und eine schlechte Absicherung im Falle von Scheidung. Giulia L. (27) zählt zu den Eltern mit tiefen Einkommen. Sie schreibt in einem Online-Leserforum: «Ich bin verheiratet und habe ein Kind. Wir haben Schulden, weil wir die Krankenkasse und die Serafe-Gebühren nicht zahlen können – und die Steuern auch nicht. Ich und mein Mann arbeiten 100 und 80%. Wir haben keine Ausbildung und darum einen niedrigen Lohn. Sobald eine hohe Rechnung kommt, haben wir ein Riesenproblem.»

Ein Budget ist ein Muss

Damit Kinder nicht zur Schuldenfalle werden, sollten Eltern vorzeitig mit der Budgetplanung beginnen. Ein vollständiges Budget schafft Planungssicherheit und zeigt auf, bei welchen Budgetposten Eltern überhaupt Einsparungen bzw. Optimierungen vornehmen können, um über die Runden zu kommen.

Der Dachverband Budgetberatung Schweiz bietet nicht nur allgemeine Vorlagen für Alleinerziehende oder Familien, sondern auch spezifische Vorlagen für Lernende und Studierende. Die kostenlose «BudgetCH»-App von Budgetberatung Schweiz hilft Eltern zudem, die budgetierten Ausgaben und Einnahmen auch im Alltag im Griff zu halten.

Hälfte der Ausgaben sind «Fixkosten»

Budgetbeispiele mit Schweizer Durchschnittszahlen von der Budgetberatung Schweiz zeigen: Eine durchschnittliche Familie mit zwei Kindern hat bei einem Haushaltseinkommen von 9000 Franken rund die Hälfte Fixkosten: 4640 Franken. Auch die alleinerziehende Person mit zwei Kindern muss rund die Hälfte ihres tieferen Haushaltseinkommens fest einplanen. Der grösste Fixposten in den Beispielbudgets sind jeweils die Wohnkosten, es folgen die Steuern und die Krankenkassenprämien.

Die Budgetberatungen empfehlen, dass die Wohnkosten rund einen Viertel der Einnahmen ausmachen sollten. Ist der Anteil höher, gilt es zu handeln. Denn auch eine vermeintlich «fixe» Miete kann im besten Fall deutlich sinken. Der Grund hierfür ist, dass Mieter einen Anspruch auf die Senkung des Mietzinses haben, wenn der Referenzzinssatz bei Vertragsabschluss oder bei der letzten Änderung höher war, als er gegenwärtig ist. Der Satz liegt momentan auf dem Rekordtief von 1,25%. Der Vermieter kann die Teuerung und die allgemeine Kostensteigerung mit dem Senkungsanspruch des Mieters verrechnen. 

Eine Alternative zu teuren Mietwohnungen sind die über 150 000 Wohnungen, die von Schweizer Wohnbaugenossenschaften unterhalten werden. Dank lediglich kostendeckenden Mieten sind solche Wohnungen rund 20% günstiger. Der Haken ist das beschränkte Angebot mit langen Wartelisten. 

Eigentum ist momentan günstig finanzierbar

Aufgrund der rekordtiefen Hypothekarzinsen sollten Eltern aber auch den Kauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung prüfen, um Mietkosten zu sparen. Ein Beispiel zeigt: Wer mit 100 000 Franken Eigenkapital (20%) eine Wohnung für 500 000 Franken kauft und für 0,7% eine zehnjährige Festhypothek aufnimmt und mit 1% bzw. 5000 Franken Unterhaltskosten pro Jahr rechnet, spart im Vergleich zu einer Wohnung mit einer Monatsmiete von 2500 Franken während zehn Jahren rund 177 000 Franken. Das zeigt der «Mieten- oder Kaufen-Rechner» des Vergleichsportals Moneyland.ch.

Keine Überraschungen bei Steuern

Für Wohneigentum brauchen Familien jedoch Eigenkapital. Vielen jungen Familien fehlt aber sogar das Geld für die Steuern. Jede fünfte Betreibung in der Schweiz wird wegen ausstehender Steuern eingeleitet. In eine seriöse Budgetplanung gehören daher auch die Steuerausgaben. Sébastien Mercier, Geschäftsleiter der Schuldenberatung Schweiz, rät allen Steuerpflichtigen: «Steuerpflichtige sollten ihre voraussichtlich geschuldeten Steuern nach Möglichkeit mit Online-Rechnern abschätzen und die Steuern in Raten monatlich per Dauerauftrag im Voraus ans Steueramt überweisen.»

Nicht zu vergessen sind die erlaubten Abzüge in der Steuererklärung, die geltend gemacht werden können. Fast alle Eltern machen den Kinderabzug geltend. Im Kanton Zürich lag er für minderjährige Kinder im vergangenen Jahr bei 9000 Franken. Bei der Bundessteuer waren es 6500 Franken pro Kind. Es gibt aber noch andere Abzüge, die häufig übersehen werden. Dazu gehören Ausgaben für die Kinderbetreuung. Hier können Eltern bei der direkten Bundessteuer bis zu 10 100 Franken pro Kind abziehen.

Krankenkasse wechseln

Eltern sollten sich auch die Zeit nehmen, die Prämien der Krankenkassen miteinander zu vergleichen. Bei Familien sind die Ersparnisse enorm. Für Kinder wird in der Regel null Franken Franchise empfohlen. Für Erwachsene mit geringen Gesundheitskosten ist die Franchise 2500 Franken optimal, ab Gesundheitskosten von durchschnittlich 1800 bis 2000 Franken in der Regel die 300er-Franchise.

Auf dem behördlichen Prämienportal Priminfo.ch lassen sich neutrale Vergleiche machen. Mit einem günstigen Managed-Care-Modell lassen sich die Prämien stark senken. Familien sollten auch prüfen, ob sie Anspruch auf Prämienverbilligungen der Krankenkasse haben. In vielen Kantonen erhalten sie diese nur auf Antrag. Autor: Bernhard Bircher-Suits

Dieser Artikel ist in der Neuen Zürcher Zeitung am 3. Juni 2020 erschienen.

Wer vertritt mich, wenn ich urteilsunfähig bin?

Mit einem Vorsorgeauftrag können Personen jene Vertrauten bestimmen, die sie in finanziellen oder persönlichen Belangen vertreten sollen, wenn sie dazu nicht mehr fähig sind. Die Erstellung durch Dritte kann teuer werden.

Timon Schenker (56, Name geändert) ist selbstständiger Architekt und Inhaber einer Einzelfirma. Er möchte sicherstellen, dass sein Kleinunternehmen in Zürich im Falle eines schweren Unfalls oder Krankheit und einer daraus resultierenden Urteilsunfähigkeit weiter funktioniert. Als urteilsunfähig gilt, wer nicht mehr vernunftmässig handeln kann. Der Architekt möchte, dass seine zwei langjährigen Geschäftspartner in einem solchen Fall den Betrieb weiterführen können. Gründe für eine Urteilsunfähigkeit gibt es viele: Ein Autounfall, eine Demenz oder eine psychische Störung. Verliert eine Person ihre Urteilsfähigkeit, kann sie von Gesetzes wegen nicht mehr frei über ihr Vermögen verfügen und keine medizinischen und juristischen Entscheide mehr fällen. Mit einem sogenannten Vorsorgeauftrag kann eine volljährige und urteilsfähige Person wie Schenker sicherstellen, dass im Fall einer Urteilsunfähigkeit selbst bestimmte Personen wie Familienmitglieder, Geschäftspartner oder auch ein Treuhänder die eigenen Interessen vertritt. In einer separaten Patientenverfügung kann jedermann ausserdem medizinische Massnahmen regeln, die man sich für den Fall seiner Urteilsunfähigkeit wünscht.

Die KESB prüft jeden Vorsorgeauftrag
Eine Urteilsunfähigkeit wird meist durch Angehörige, Nachbarn oder medizinisches Personal der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) gemeldet. Damit die KESB einen Vorsorgeauftrag für gültig erklären kann, muss die Behörde prüfen, ob die Urteilsunfähigkeit ärztlich bestätigt, der Vorsorgeauftrag gesetzeskonform errichtet wurde und die eingesetzten Personen oder Unternehmen geeignet sind, den Auftrag zu erfüllen (siehe Kasten). Sofern die im Vorsorgeauftrag eingesetzten Personen fähig und willens sind, den Auftrag zu übernehmen, werden sie von der KESB «validiert». Diese Validierung ist ein schriftlich begründeter Entscheid, in dem die KESB den Vorsorgeauftrag für wirksam erklärt und die vorsorgebeauftragten Personen und deren Aufgaben und Berechtigungen bezeichnet. Damit besteht eine öffentliche Urkunde, mit der sich die vorsorgebeauftragten Personen gegenüber Dritten ausweisen können. Im Beispiel Schenker könnten sich die beiden Geschäftspartner somit auf diese Urkunde abstützen. Architekt Schenker kann in seinem Auftrag zum Beispiel konkrete Handlungsanweisungen festhalten, wie seine Geschäftspartner ihre Tätigkeit auszuüben dürfen. Solange eine Rechtshandlung wie zum Beispiel der Zugriff auf das Geschäftskonto vom Vorsorgeauftrag gedeckt ist und auch kein Interessenkonflikt besteht, muss nicht jeweils noch das Einverständnis der KESB eingeholt werden.

Unternehmensinhaber sollten auch Vollmachten und Unterschriften regeln
Gabrielle Sigg, Teamleiterin Nachlass beim VZ VermögensZentrum, empfiehlt vorsorglich auch Bankvollmachten für Geschäftspartner auszustellen und allenfalls die Unterschriftsregelungen im Handelsregister so zu regeln, dass eine Firma handlungsfähig bleibt. «In komplizierten Fällen kann es bis zum Validierungsentscheid der KESB einige Monate dauern. Es gilt daher die Handlungsfähigkeit des Unternehmens sicher zu stellen.» Bei Unternehmen mit Aktionären und Mitgliedschaftsrechten fügt das VermögensZentrum bei Bedarf einen Passus in den Vorsorgeauftrag mit ein, womit die beauftragte Person befugt wird, an der Generalversammlung bzw. der Gesellschafterversammlung das Stimmrecht weisungsfrei auszuüben. Zudem kann die beauftragte Person ermächtigt werden, Aktien bzw. Stammanteile zu verkaufen.

Ehegatten und eingetragene Partner brauchen meist keinen Vorsorgeauftrag
Bei Ledigen oder Verwitweten ohne Vorsorgeauftrag ernennt die KESB jeweils einen Beistand, wenn sie urteilsunfähig werden. Ehegatten und eingetragene Partner erhalten auch ohne einen Vorsorgeauftrag ein Vertretungsrecht. Gemäss der Schweizer Behindertenorganisation «Pro Infirmis» besteht dieses Vertretungsrecht aber nur «wenn die Beziehung tatsächlich gelebt wird, d.h. wenn das Paar einen gemeinsamen Haushalt führt oder wenn im Falle eines Heimaufenthalts der Partner bzw. die Partnerin der urteilsunfähigen Person regelmässig und persönlich Beistand leistet.» Das gesetzliche Vertretungsrecht im Bereich Wohnen umfasst gemäss der Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz KOKES den Abschluss, die Änderung oder Aufhebung eines Betreuungsvertrags mit einer Wohn- oder Pflegeeinrichtung. Im Bereich Finanzen können Ehegatten und eingetragene Partner/innen die üblichen Zahlungen und Vermögensverwaltungshandlungen erledigen.

Personensorge, Vermögenssorge und Vertretung im Rechtsverkehr
Im Vorsorgeauftrag kann eine Person festhalten, welche Aufgaben die bezeichneten Personen wahrnehmen sollen. Dabei kann es sich um die Personensorge (Öffnen der Post, Betreuung, Pflege, medizinische Versorgung, etc.), die Vermögenssorge (Verwaltung des Einkommens und Vermögens, Abwicklung des Zahlungsverkehrs etc.) und die Vertretung im Rechtsverkehr drehen. Beim Aufsetzen des Auftrags muss man sich strikte an die gesetzlichen Formvorschriften halten (siehe Kasten). Die KESB der Stadt Zürich hat in den Jahren 2013 bis 2018 insgesamt 92 Vorsorgeaufträge validiert. Weitere zehn Vorsorgeaufträge konnten nicht validiert werden und es musste eine Erwachsenenschutzmassnahme angeordnet werden. In vier Fällen hatte der Vorsorgeauftrag Formfehler und war daher ungültig.

Beratung bei Pro Senectute, Caritas oder Pro Infirmis
Unterstützung bei der Auftragserstellung erhalten Personen bei den Beratungsstellen von Pro Senectute, Caritas oder Pro Infirmis. Es gibt auch digitale Helfer wie die Plattform E-Vorsorgeauftrag.ch. Hier lässt sich online kostenlos ein individualisierter Vorsorgeauftrag mit zusätzlicher Patientenverfügung erstellen. Einzelunternehmer Schenker kann den Vorsorgeauftrag somit entweder auf eigene Faust erstellen oder ihn zusammen mit einem Notar schreiben und das Dokument am Wohnort beurkunden lassen. Die Vobox AG in Bäch im Kanton Schwyz hat sich auf diesen Service spezialisiert. Das Unternehmen bietet einen Vorsorgeauftrag für Paare für pauschal 1500 und für Einzelpersonen für 1000 Franken an. Dazu kommen im Kanton Schwyz noch 150 Franken für die Beurkundung beim Notar. Bei der Advokatur «Bleuer und Klegler» in St. Gallen kostet ein Vorsorgeauftrag inklusive Beurkundung «ab 380 Franken». Peter Burri, Leiter Marketing und Kommunikation bei Pro Senectute Schweiz, sagt: «Das Geschäft mit Vorsorgeaufträgen ist ein spannender Markt, bei dem verschiedene Player wie Banken, Versicherungen und Notare sowie private Firmen aktiv sind. Es besteht aktuell ein gewisser Wildwuchs und die Angebote sind zum Teil nur schwer vergleichbar.» Es gibt bei komplexen Ausgangslagen somit nur eine Lösung: Vor eine Beratung mehrere Offerten einholen.

Autor: Bernhard Bircher-Suits
Dieser Artikel ist in der NZZ vom 6.4.2020 erschienen.