Euro-Konten für Schweizer: in Deutschland am günstigsten

Wer regelmässig in der Euro-Zone einkauft, kann mit einer Kreditkarte in Euro bares Geld sparen. Dabei ist auf die Konditionen von Schweizer und ausländischen Euro-Konten und -Karten zu achten.


Felix Ertle, Bernhard Bircher-Suits
30.03.2022, 05.30 Uhr

 

Viele Schweizerinnen und Schweizer profitieren regelmässig von den günstigen Preisen in den grenznahen deutschen Geschäften und Supermärkten. Aber auch online gehen sie im Ausland auf Schnäppchenjagd. Jetzt, wo der Franken gegenüber dem Euro besonders stark ist, scheint der Einkauf im Ausland besonders attraktiv.

Überdurchschnittlich viele Online-Waren in der Schweiz stammen gemäss einer 2019 veröffentlichten Studie der DPD Group denn auch aus dem europäischen Ausland. So haben 86 Prozent der Schweizer Online-Shopper bereits Waren in ausländischen E-Shops eingekauft. Sie liegen damit rund ein Viertel über dem europäischen Durchschnitt. Was viele allerdings nicht wissen: Auslandeinkäufe mit Schweizer Kreditkarten gehen schnell ins Geld – ebenso wie Auslandeinkäufe an den Schweizer Grenzen.

Zwar bieten Schweizer Banken gebührenlose Sepa-Überweisungen in den europäischen Zahlungsraum an. Bei einer Zahlung von einem Franken-Konto in Euro erheben sie jedoch einen Fremdwährungszuschlag. Dieser liegt, je nach Bank, zwischen 1,5 und 2,5 Prozent. Wer mit Franken-Konten Onlinebestellungen in der Euro-Zone von 4000 Franken tätigt, legt bei einem Fremdwährungszuschlag von 2,5 Prozent noch einmal saftige 100 Franken für das Kreditinstitut drauf – oft, ohne es zu bemerken.

Eine günstige Alternative

Fremdwährungszuschläge gelten auch für den Grenzeinkauf in Deutschland. Besonders teuer sind Euro-Bargeldbezüge im Euro-Raum mit Schweizer Karten in Franken. Ein Beispiel: Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) etwa verlangt zusätzlich 4 Prozent Kommission pro Bezug, mindestens jedoch 10 Franken Gebühr. Wer in Deutschland über das Jahr hinweg etwa 6000 Euro am Automaten bezieht, zahlt der Zürcher Kantonalbank bei 4 Prozent Kommission und einem Fremdwährungszuschlag von 1,75 Prozent happige 345 Franken.

Für diejenigen, die in der Euro-Zone mithilfe von Euro-Konten zahlen, entfällt der Fremdwährungszuschlag. Online-Shopper und Grenzkäufer können im Euro-Raum mit einer Karte in Euro gebührenfrei einkaufen. Je nach gewählter Bank und Kreditkarte entfallen im Euro-Raum auch die Bargeldbezugsgebühren am Automaten. Die Konditionen für Euro-Konten variieren erheblich. Diese Zeitung hat die Angebote von sechs Schweizer und zwei deutschen Banken verglichen (vgl. Tabelle).

Wenig überraschend: Keine der untersuchten Banken vergibt Habenzinsen. Der Vergleich der Euro-Konten zeigt: Wer auf deutsche Kreditinstitute setzt, zahlt keine Kontoführungsgebühren. Bei der Migros Bank entfallen die Gebühren von 36 Franken jährlich ab Gesamtkundenbeziehungen im Wert von 7500 Franken. Die Postfinance erlässt die Gebühren von 60 Franken ab einem Anlagevermögen im Wert von 25 000 Franken, bei einer bei der Postfinance abgeschlossenen Hypothek oder Lebensversicherung.

Die Migros Bank und die Credit Suisse locken mit hohen Freibeträgen bei Negativzinsen. Mit Freibeträgen in Höhe von 1 Million beziehungsweise 500 000 Franken lohnen sie sich besonders für Grosskunden. Die DKB-Bank brummt ihren Kunden bereits ab 25 000 Euro «Guthabengebühren» von 0,5 Prozent auf. Wer zum Beispiel bei der N26-Bank 1 Million Euro parkiert, wird auch mit 4750 Euro Guthabengebühren geschröpft.

Dagegen fallen bei der Migros Bank bis zu einem Gegenwert von 1 Million Euro keine Guthabengebühren an. Bei der Credit Suisse ist diese Gebühr bei einem Guthaben von 1 Million Franken mit 3000 Franken Sollzins vergleichsweise niedrig. Gut zu wissen: Guthabengebühren beziehungsweise Negativzinsen sind je nach Kundenbeziehung verhandelbar.

Kreditkartenkosten überprüfen

Neben der Kontoführungsgebühr und Negativzinsen fallen weitere Kosten an. Für den Bargeldbezug im Euro-Raum und ebenso für viele Online-Shopping-Portale bietet sich die Nutzung von Kreditkarten in Euro an.

Die gute Nachricht: Mit allen Kreditkarten kann man im Euro-Raum bargeldlos zahlen. Sonst vertiefen sich die Gräben erheblich. Die DKB-Bank gewinnt den Kostenvergleich mit rund 30 Euro pro Jahr für die Visa-Kreditkarte. Die UBS lockt mit günstigen Kartenführungsgebühren von 40 Euro im ersten Jahr. Doch Vorsicht: Die Kartenführungskosten erhöhen sich ab dem zweiten Jahr auf 80 Euro.

Mit jeweils 200 Euro jährlich pro Kreditkarte bilden die Euro-Kreditkarten von Raiffeisen Zürich, der ZKB und der Credit Suisse die Schlusslichter. N26 und Postfinance bieten dagegen keine Kreditkarten in Euro an.

Kostenfalle: Barbezüge in der Euro-Zone

Die Jahresgebühren für die Kreditkarten sind jedoch nicht die einzigen Kosten. Auch bei den Schweizer Kreditkarten in Euro empfiehlt es sich nicht, Bargeld im Euro-Raum abzuheben. Denn bei allen verglichenen Schweizer Kreditinstituten fallen dafür zwischen 3,75 und 4 Prozent Gebühren an.

Die DKB-Bank hat auch hier das günstigste Angebot. Mit der Visa-Kreditkarte der DKB-Bank beziehen Kundinnen und Kunden das ganze Jahr über kostenlos Bargeld im Euro-Raum. Bei höheren Ausgaben mit vielen Bargeldbezügen brilliert die DKB-Bank mit durchgehend kostenlosem Bezug und niedrigen Jahresgebühren.

Fazit: Die Universalbank für alle Bedürfnisse gibt es nicht. Regelmässige Online-Shopper oder Einkaufstouristen profitieren von den Angeboten der DKB-Bank am meisten, da diese mit den niedrigsten Gebühren herausragt. Zudem sind die Barbezüge bei der DKB-Bank kostenlos.

Die Schweizer Euro-Konten sind zwar teurer. Für Kunden mit bereits bestehenden Geschäftsbeziehungen entfällt aber häufig ein Teil der Kosten. Wer keine Kreditkarte benötigt, der sollte für grenznahe Einkäufe die meist günstigere Anschaffung einer Debitkarte in Erwägung ziehen. Die N26-Bank etwa bietet die gebührenfreie Debit Mastercard World mit drei kostenlosen Bargeldbezügen monatlich an.

Checkliste für Euro-Konten

Kontoführungsgebühren senken: Vergleichen Sie nicht nur die Gebühren. Fragen Sie beim Kreditinstitut nach möglichen Bonusaktionen, Kombipaketen und weiteren Vergünstigungen aufgrund guter Kundenbeziehungen.

Kreditkartengebühren senken: Lesen Sie das Kleingedruckte bei Kreditkartenverträgen. Die UBS verdoppelt die Kreditkartengebühren zum Beispiel ab dem zweiten Jahr.

Kosten für Kontoauszüge im Auge behalten: Freunde von Papierauszügen sollten mit Mehrkosten rechnen. Beispielsweise erhebt die Raiffeisenbank nach 15 kostenfreien Bankauszügen eine Bezugsgebühr für jeden weiteren Auszug. Online-Auszüge sind bei den verglichenen Banken kostenfrei.

Gebühren für Barbezüge im Euro-Raum beachten: Mit Schweizer Euro-Kreditkarten am Bankautomaten in Deutschland Bargeld zu beziehen, ist wegen hoher Gebühren nicht zu empfehlen. Für solche Zwecke eignen sich Karten deutscher Institute.

Nur im Euro-Raum zahlen: Nutzt man das Euro-Konto ausserhalb der Euro-Zone, fallen wieder Fremdwährungsgebühren zwischen 1,7 und 2,5 Prozent an, je nach Kreditinstitut. Folglich ist es empfehlenswert, das Euro-Konto und die Kreditkarte in Euro darum ausschliesslich für den Euro-Raum zu nutzen.

Lesen Sie den Originalartikel vom 30.03.2022 auf nzz.ch oder laden Sie sich die NZZ-Online-Version als PDF herunter.

 

 

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Umwelt-Hypotheken: «Zinsvorteile» im Detail prüfen

Wer nach umweltfreundlichen Kriterien baut oder renoviert, senkt den Energieverbrauch und profitiert von Förderbeiträgen und Steuervergünstigungen. Dutzende Banken versprechen Kreditnehmern zudem Zinsreduktionen auf Umwelt-Hypotheken.

Bernhard Bircher-Suits
24.03.2022, 05.30 Uhr

 

Gemäss dem Programm Energie Schweiz des Bundesamts für Energie sind mehr als eine Million Häuser in der Schweiz «energetisch dringend sanierungsbedürftig». Rund 60 Prozent dieser Immobilien sind älter als 20 Jahre, und noch immer wird ein grosser Anteil mit fossilen Brennstoffen beheizt. Aufgrund der massiv gestiegenen Preise für Heizöl und Gas wird dies immer teurer.

Neue Fenster mit Dreifachverglasung oder die Dämmung von Wänden und Dach verbessern neben dem Wohnklima auch den ökologischen Fussabdruck. Eine bessere Wärmedämmung und dichtere Fenster können gemäss Energie Schweiz bis zu 60 Prozent Heizkosten sparen. Nachhaltig bauen kann sich auch finanziell lohnen. Zum einen, weil der Wiederverkaufswert der Immobilie steigt, zum anderen, weil energieeffiziente Massnahmen den Energie- und Wasserverbrauch senken und so das Budget entlasten.

Marketinginstrument «Zinsrabatt»

Gemäss mehreren befragten Marktbeobachtern steigen das Angebot der Kreditgeber an solchen Umwelt-Hypotheken wie auch die Nachfrage stark an. So hat zum Beispiel der Hypothekenvermittler Moneypark im Rahmen einer neuen Partnerschaft mit einer Pensionskasse im Frühjahr 2021 unter anderem auch ein Hypothekarprodukt für energieeffiziente Eigenheime entwickelt.

Laut einer Moneypark-Sprecherin hat diese Pensionskasse in den neun Monaten nach dem Start des Programms bereits rund die Hälfte ihrer Hypotheken mit Nachhaltigkeitsabschlag gewährt, was einem Volumen von 150 Millionen Franken entspricht. Rund die Hälfte davon gehe auf das Thema Heizung.

Wer beim Bauen oder beim Renovieren auf die Umwelt und den CO2-Fussabdruck achtet, findet mittlerweile bei Dutzenden Kreditgebern wie beispielsweise der Alternativen Bank, Bank Cler, Raiffeisen, UBS, der Zürcher Kantonalbank und anderen Anbietern spezielle Bau- und Renovationskredite mit Sonderkonditionen. Solche Umwelt-Darlehen mit Zusätzen wie Umwelt-, Öko-, Eco-, Nachhaltigkeit- oder Minergie im Namen sollen einen finanziellen Anreiz bieten, um Wohnbauten energetisch besser und nachhaltiger zu gestalten.

Gemäss Moneypark bewegen sich die beworbenen Zinsabschläge bei 17 untersuchten Finanzinstituten für Minergie- oder energetisch sanierte Immobilien im Rahmen von 0,06 (Zuger Pensionskasse) bis zu 0,8 Prozentpunkten bei der Zürcher Kantonalbank. Die beworbenen «Zinsrabatte» sind meist schwer vergleichbar, und die auf den ersten Blick attraktiven Angebote sind für die Kreditnehmer mit vielen Auflagen und diversen Einschränkungen verbunden.

Grüne Technik bedeutet Mehrkosten

Zinseinsparungen bei Hypotheken sind aber höchst willkommen, denn die Mehrkosten von Umweltumbauten und Neubauten liegen in der Regel bei bis zu 5 Prozent gegenüber der konventionellen Bauweise. Berechnungen und Erfahrungswerte von Minergie Schweiz zeigen zum Beispiel, dass sich die Mehrinvestitionen für den Minergiestandard auf Basis eines Mehrfamilienhauses mit drei Wohneinheiten je nach Baustandard brutto zwischen rund 3 und 7 Prozent der Bauinvestitionen bewegen.

Auf Stufe Bund, Kanton und Gemeinden erhalten Investoren indessen Fördergelder für den Einsatz einer bestimmten, umweltfreundlichen Gebäudetechnik oder die Zertifizierung nach einem Minergiestandard. Eines der wichtigsten Förderprogramme ist das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen. Damit werden energetische Gebäudesanierungen gefördert, die unter anderem die Wärmedämmung verbessern.

Allerdings legt jeder Kanton selber fest, welche Massnahmen er finanziell unterstützt, welche Bedingungen er vorgibt und wie hoch die Beiträge sind. Fördergelder relativieren zumindest die Mehrausgaben. Die stark gestiegenen Preise für Heizöl und Gas sowie die 2022 in der Schweiz erhöhte CO2-Abgabe darauf sprechen ebenfalls dafür, längst fällige Renovationen und Sanierungen nicht mehr auf die lange Bank zu schieben.

Umwelt-Darlehen nur unter Auflagen

Umweltbewusste Personen mit Geldbedarf für Bauprojekte spricht die Zürcher Kantonalbank (ZKB) auf ihrer Website mit einem sogenannten Umwelt-Darlehen an. Zur Zielgruppe zählen Personen, welche «neu bauen oder ihr Eigenheim renovieren und dabei die Umwelt schonen». Die ZKB verspricht einen vergünstigten Zinssatz von bis zu 0,8 Prozent während maximal fünf Jahren. Den Zinssatz kann man bis zu 24 Monate vor Beginn der Laufzeit fixieren. Die Laufzeiten des Umwelt-Darlehens liegen zwischen 2 und maximal 15 Jahren.

Mit dem Geld können Neu- oder Umbauten in der Schweiz nach allen Minergiestandards, energetische Sanierungen oder Investitionen in erneuerbare Energien finanziert werden. Der Haken: Die Vergünstigung wird nur auf Festhypotheken und nur für bis zu fünf Jahre gewährt. Wer Stockwerkeigentum oder ein Einfamilienhaus renoviert, profitiert zudem nur bis zu einer Kreditsumme von maximal 250 000 Franken vom vergünstigten Zinssatz.

Immerhin: Die ZKB übernimmt die Zertifikatsgebühren für Minergie-, 2000-Watt-Areal- oder GEAK-Zertifikat. Das Beispiel zeigt: Man sollte sich nicht von hohen Zinsrabatten blenden lassen – schliesslich muss man immer das Gesamtpaket prüfen und Vergleichsofferten einholen. So kann beispielsweise das Angebot der Versicherung Swiss Life sogar attraktiver sein, da der Zinsbonus von 0,3 Prozent über die gesamte Laufzeit gewährt wird.

Vergleiche mit anderen Umwelt-Hypotheken zeigen: Die Bedingungen für den Erhalt einer Öko-Hypothek unterscheiden sich von Bank zu Bank. Die Alternative Bank Schweiz (ABS) mit Hauptsitz in Olten finanziert beispielsweise grundsätzlich keine «Luxus- und Ferienhäuser oder Liegenschaften, die der Zersiedelung Vorschub leisten».

Wie bei jeder Bank müssen Kreditnehmerinnen und ‑nehmer auch bei der ABS genügend Eigenmittel haben – in der Regel 20 Prozent – und einen Kredit langfristig tragen können. Die ABS nutzt ein eigenes Bewertungstool, welches entlang von fünf Bereichen – Betriebsenergie, Bauökologie, Standort, Nutzung und Ökonomie – die Nachhaltigkeit von Liegenschaften aufzeigt, um von einem allfälligen Zinsvorteil zu profitieren. Die ABS verbilligt die Hypothekarzinsen für Neubauten (Econova) und Sanierungen (Ecosana) um bis zu 0,625 Prozent. Und das zeitlich unbefristet – im Gegensatz zur ZKB.

Minergie-Zertifikat oder GEAK-Ausweis Klasse A ist meist Pflicht

Die meisten der untersuchten Banken verlangen für den Abschluss einer Öko-Hypothek ein Minergie-Zertifikat oder einen GEAK-Ausweis der Klasse A. GEAK steht für Gebäudeenergieausweis der Kantone. Dabei prüft eine zertifizierte Fachperson, wie energieeffizient die Gebäudehülle vor der geplanten Renovation ist, und bestimmt, wie energieeffizient sie danach sein wird. Der ermittelte Energiebedarf wird in Klassen von A («sehr energieeffizient») bis G («wenig energieeffizient») eingeteilt.

Gut zu wissen: Einige Banken geben für einen höheren GEAK-Standard auch einen höheren Zinsrabatt. Die UBS gewährt mit ihrer Hypothek «UBS Hypothek Renovation» für die Laufzeit von 2 bis 10 Jahren einen Zinsbonus auf den gesamten Kreditbetrag für Neu- oder Umbauten. Es werden ein höchstens fünf Jahre altes Minergie-Zertifikat sowie GEAK A und B zugelassen. Bei Umbauten kann man bei der UBS bei einem Anteil energetischer Baumassnahmen von mindestens 50 Prozent der Gesamtkosten vom Angebot profitieren.

Grüne Mehrinvestitionen machen sich meist bezahlt: Gemäss einer älteren Studie der Zürcher Kantonalbank lag der Mehrpreis für Minergie-Einfamilienhäuser beim Verkauf bei 7 Prozent, bei Eigentumswohnungen bei 3,5 Prozent. Auswertungen von Wüest Partner von 2017 ergaben bei Minergie-P-ECO-Wohnungen zudem um 3,6 Prozent höhere Mieterlöse.

Ökologisches Bauen ist somit nicht nur für die Kreditnehmenden, sondern auch für die Banken interessant, da der Wert solcher Immobilien eher steigt. Robert Weinert, Leiter Immo-Monitoring bei Wüest Partner, sagt aus heutiger Sicht betrachtet dazu: «Die Auswertungen haben gezeigt, dass sich der Zuschlag, der für Mietwohnungen und Einfamilienhäuser in den Jahren davor gezahlt wurde, reduziert hat.»

Viele Minergievorgaben seien mittlerweile als Standard im Gebäudepark etabliert, weshalb die zusätzliche Zahlungsbereitschaft für das Label heute geringer sei als noch in den nuller Jahren. «Mit den Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich von 2014 genügen viele Neubauten ähnlich hohen Ansprüchen wie die Minergiegebäude, und viele kantonale Gebäudeförderprogramme subventionieren Neu- und Umbauten nur noch, wenn mindestens der Minergie-P-Standard erreicht wird», sagt Weinert. Das Risiko für Immobilieneigentümer sei heute vielmehr, «dass Objekte mit Öl- oder Gasheizungen in nicht allzu ferner Zukunft einen Abschlag auf den marktüblichen Wert verbuchen müssen».

So findet man eine passende Umwelt-Hypothek

Wie gehen Kreditsuchende am besten vor, um eine attraktive Umwelt-Finanzierung zu finden? Der erste Schritt ist immer, die Kriterien der Bank genau zu prüfen: Wie kann ich mich für diese Hypothek qualifizieren? Was muss mein Objekt erfüllen? Kann ich die Kriterien überhaupt erreichen? Wer wie beim Autokauf nicht auch beim Baudarlehen vergleicht, zahlt meist zu viel. Nicht selten kann durch gutes Verhandeln mit einer «normalen» Hypothek ein besserer Zinssatz ausgehandelt werden als mit einer Umwelt-Hypothek. Günstige Saron-Hypotheken finden sich zudem eher selten im Öko-Angebot. Wer nur auf Zinsvorteile schielt, sollte auch solche Geldmarkthypotheken prüfen. Historisch betrachtet waren Geldmarkthypotheken meist die günstigste Finanzierungsvariante. Wer von stark steigenden Zinsen ausgeht und keine finanziellen Polster für höhere Geldmarkt-Zinskosten hat, sollte zumindest eine Tranche mit einer langjährigen Festhypothek abschliessen. Und zu guter Letzt noch ein wichtiger Tipp: Gesuche für energetische Förderbeiträge unbedingt vor Baubeginn einreichen.

Öko-Hypotheken: 17 Anbieter im Vergleich* (Siehe PDF-Artikel)

Die Tabelle des Hypothekenvermittlers Moneypark zeigt, zu welchen Bedingungen die Banken solche Hypotheken üblicherweise vergeben. Schliesslich ist aber alles immer auch Verhandlungssache. Vor allem Kunden mit gutem Kreditrating haben meist noch Verhandlungsspielraum. Die Tabelle zeigt, dass der Zinsbonus nicht immer bis zum Ende der abgemachten Laufzeit gilt. Es kann zum Beispiel sein, dass eine Öko-Hypothek mit einer festen Laufzeit von zehn Jahren nur fünf Jahre lang verbilligt wird. Variable und Saron-Hypotheken sind eher die Ausnahme als die Regel.

Gefördert werden in den weitaus meisten Fällen Minergie-zertifizierte Bauten, oft auch die Zertifizierung nach Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK). Bei GEAK-zertifizierten Neubauten wird normalerweise nur die höchste Energiesparklasse A verbilligt. Gut zu wissen: Die Zertifizierungskosten für ein Minergiehaus oder die Gebühren für einen GEAK-Bericht übernimmt häufig die kreditgebende Bank.

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Newsletter 1/2022

 

Ob Webdesign, Fundraising oder Nutzwert-Artikel: Die FundCom durfte wieder spannende Projekte abwickeln. Für die Zürcher Meisterwerkstatt Rast Geigenbauer haben wir zum Beispiel die brandneue Website https://rast-violins.ch produziert. Sie rankt auf Seite eins bei Google.

Viel Herzblut haben wir auch in das Weihnachtsmailing für die Stiftung Humanitas in Horgen gesteckt. Der Spendenbrief mit ausmalbaren Weihnachtskarten öffnete bei vielen GönnerInnen die Herzen und das Portemonnaie.

Die Auktion «We love to give» für die Stiftung für Kinder in der Schweiz hat bei 28 Schweizer Prominenten Erinnerungen geweckt – und noch viel mehr. Die Versteigerung ihrer liebsten Stücke erzielte Spenden von über 24’000 Franken.

Lesen Sie auch unseren NZZ-Fachartikel zum Thema Spendenabzüge.

Viel Spass beim Lesen unseres Newsletters.

 

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Betrug: So erkennen Sie Finanzschwindler

Wenn die Rendite zu gut aussieht, um wahr zu sein, dann ist sie es wahrscheinlich auch nicht: Das sind die gängigsten Maschen von Finanzbetrügern, und so schützt man sich davor.

Bernhard Bircher-Suits
14.03.2022, 05.30 Uhr

 

Die Zeiten für Betrüger sind im gegenwärtigen Tiefzinsumfeld rosig. Anleger wie auch Normalbürger erhalten immer wieder unseriöse Angebote per Telefon, SMS, Post oder E-Mail – von selbsternannten «Finanzexperten». Ihre bevorzugte Masche: Sie ködern potenzielle Investoren mit dem Versprechen einer Toprendite bei Investitionen in Aktien, Devisen, Kryptowährungen, Edelmetallen, Edelhölzern, Fonds oder Immobilien.

Die Website CryptoChargeback.org gibt zum Beispiel vor, von Krypto-Börsen Betrogenen zu helfen, ihr Geld wiederzuerlangen. Nachdem man bezahlt hat, hört man von der Firma gemäss Warnliste des Konsumentenmagazins «K-Tipp» «nie wieder etwas».

Warnliste der Finma konsultieren

Gelegentlich sind auch Kryptowährungen angeblich nur zeitlich befristet erhältlich – man müsse rasch zuschlagen. Der Zweck solcher bei Betrügern beliebten Zeitlimiten: Ein Anleger soll keine Zeit für eine kritische Durchleuchtung des «tollen» Angebots erhalten. Wer mit Finanzfirmen in Kontakt kommt, sollte immer zuerst ihren Handelsregister-Eintrag unter www.zefix.ch prüfen. Ist die Firma nicht im Handelsregister, sollten bereits die Alarmglocken läuten.

Ist das Unternehmen im Handelsregister eingetragen, der Firmenname wurde aber mehrmals geändert oder die Zeichnungsberechtigten haben oft gewechselt, sind das weitere Alarmsignale. Danach gilt es, zu prüfen, ob das Unternehmen überhaupt eine Bewilligung für den Vertrieb von Finanzprodukten hat.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) führt eine Warnliste mit Unternehmen, die möglicherweise ohne Bewilligung eine Tätigkeit ausüben, bewilligungspflichtig sind und unter die Aufsicht der Finma fallen. Ein Eintrag in der Warnliste bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die vom aufgeführten Unternehmen ausgeübte Aktivität illegal ist. Die Liste umfasst gegenwärtig rund 1150 Firmennamen. Hat ein Finanzunternehmen keine Finma-Bewilligung, ist erhöhte Vorsicht angebracht.

Aber auch bei Finanzinstituten mit Finma-Bewilligung kann Geld verlorengehen. Denn nicht jede Gesellschaft, die der Finma unterstellt ist, wird intensiv und laufend überwacht. In Diskussionsforen sollte man zudem Erfahrungen von anderen Kunden nachlesen und nach allfälligen Warngeschichten in den Medien mithilfe einer Suchmaschine suchen.

Hilfreich sind auch Warnlisten auf der Website der Internationalen Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (Iosco), eines Gremiums, das die Wertpapieraufsichtsbehörden der Welt zusammenbringt und als globaler Standardsetzer für den Wertpapiersektor anerkannt ist. Die Iosco entwickelt, implementiert und fördert die Einhaltung international anerkannter Standards für die Wertpapierregulierung.

Viel zu hohe Renditen versprochen – Anleger verloren Millionen

Was Anlagebetrüger meist verbindet: Sie versprechen Traumrenditen. Doch sehr hohe Renditen sind immer ein Zeichen für hohe Anlagerisiken oder schlicht Betrug. Das zeigt auch der Fall Ulrich Engler. Der deutsche Staubsaugervertreter zog mit Renditeversprechen von bis zu 72 Prozent pro Jahr rund 5000 Anleger über den Tisch, darunter auch viele Schweizer.

Die schriftlich garantierten Superrenditen waren zu schön, um wahr zu sein – die Schadenssumme lag bei 500 Millionen Euro. Engler hatte eine altbekannte Masche benutzt. Er gab sich als erfolgreicher Investmentexperte aus. Seinen Kunden tischte er eine sagenhafte Story auf. Er könne mithilfe eines Computerprogramms die Entwicklung von Aktien als Erster erkennen.

Tatsächlich besass er nur ein Computerprogramm, mit dem er Aktienkurse analysieren konnte. Er wurde 2013 in Deutschland zu achteinhalb Jahren Haft wegen gewerbsmässigen Betrugs verurteilt. «Wegen guter Führung» und des Abschlusses einer Schreinerlehre wurde er nach Verbüssung von etwas mehr als der Hälfte seiner Strafe auf Bewährung entlassen. In den Medien verriet er, er werde «nichts mehr im Finanzsektor machen». Er suche sich «etwas Bodenständiges».

Der «Tinder-Schwindler»

Betrüger halten sich aber gelegentlich auch an Orten auf, wo man sie nicht erwarten würde. Sie lauern zum Beispiel auf Dating-Apps wie Tinder auf ihre gutgläubigen Opfer. Anschauungsunterricht über ihr oft ähnliches Vorgehen liefert momentan der US-Streamingdienst Netflix mit der sehenswerten Dokumentation «Tinder-Schwindler».

Der Dokumentarfilm war Mitte Februar der beliebteste Netflix-Film in der Schweiz. Er erzählt die wahre Geschichte des israelischen Hochstaplers und Betrügers Simon Leviev (31, Geburtsname: Shimon Hayut). Leviev nutzte die Smartphone-App Tinder, um Frauen kennenzulernen und finanziell auszubeuten.

Seine Masche auf Tinder: beeindruckende Bilder hochladen, welche ihn in Privatjets, auf teuren Jachten oder mit anderen Statussymbolen zeigen. Leviev gab sich als Sohn einer steinreichen Diamantenhändler-Familie aus, um das Vertrauen und die Herzen von Dutzenden Frauen zu gewinnen. Er stellte ihnen neben einem unbeschwerten Luxusleben auch Heirat und Kinder in Aussicht. Um Vertrauen zu schaffen, nahm er seine «Angebetete» gerne einmal mit auf eine «Alles gratis»-Reise im Privatjet.

Was die Date-Partnerinnen nicht wussten: Die Zeche zahlte Leviev immer mit Darlehen oder «geliehenen» Kreditkarten von anderen Frauen. Sobald er das Vertrauen einer Frau gewonnen hatte, begannen seine finanziellen «Notlagen», aus denen er nur dank seiner «heissgeliebten» Freundin herauskommen konnte. Rund 10 Millionen Franken hat sich Leviev laut der Netflix-Doku von seinen gutgläubigen Freundinnen mutmasslich ergaunert.

In der Schweiz richten sich zwei Drittel aller Straftaten gegen das Vermögen

Nach Angaben der US Federal Trade Commission erreichten die gemeldeten Verluste durch solchen «Romantikbetrug» (romance scam) im Jahr 2020 in den USA einen Rekordwert von 304 Millionen Dollar. Die Banden, die hinter Dating-Betrügereien stecken, sitzen oft in Russland, Osteuropa oder Westafrika. Das macht sie für die lokale Polizei schwer greifbar. Bemerkenswert: Rund zwei Drittel aller ermittelten Straftaten in der Schweiz richteten sich gemäss Schweizer Polizeistatistik im Jahr 2020 gegen das «Vermögen» von Personen. Der Angriff aufs Portemonnaie ist somit häufig.

Wer denkt, wer auf Betrüger hereinfalle, müsse leichtgläubig und naiv sein, täuscht sich. Der Soziologe Christian Thiel von der Universität Augsburg schreibt über Betrügermaschen: «Die überzeugende Kraft entsteht nicht durch einen einzelnen Trick, sondern durch den komplexen Ablauf – wie beim Zauberkunststück. Hier spielt die Dramaturgie, die Geschichte, die Show eine grössere Rolle als der Trick selbst.»

Thiel erforscht seit mehreren Jahren, warum altbekannte Betrügermaschen nach wie vor erfolgreich sind. Gemäss ihm kann «jeder und jede auf Betrugsmaschen hereinfallen». Thiel hat für seine Forschung Strassentricks von Gaunern beobachtet, Fälle bei Gericht und in den Medien verfolgt und Gespräche mit Rechts- und Staatsanwälten, Ermittlern sowie Opfervereinigungen geführt.

Keine Freundschaftsanfragen von fremden Menschen annehmen

Die Polizei rät, auf Facebook oder ähnlichen Plattformen niemals Freundschaftsanfragen von Menschen anzunehmen, die man nicht aus dem realen Leben kenne. Man solle sich zudem fragen, wie realistisch es ist, dass ein gutsituierter, attraktiver Mensch aus einem fernen Land ohne irgendeinen Bezug zur Schweiz plötzlich eine Fernbeziehung im Ausland beginnen möchte. Beispielsweise könne man mit der Bildsuche-Funktion von Google prüfen, ob das Foto des Gegenübers auch anderswo im Web auftauche. Wenn jemand dasselbe Foto, aber mit einem anderen Namen auf anderen Websites finde, dann handele es sich «zweifellos um einen Betrug».

Den Kontakt abbrechen solle man spätestens dann, wenn die Person Geld fordere oder man gebeten werde, irgendwelche Güter wie zum Beispiel Mobiltelefone, iTunes-Karten usw. zu verschicken oder Pakete entgegenzunehmen. Besonders wichtig: Man solle «unter keinen Umständen» sein Konto für fremde Finanztransaktionen zur Verfügung stellen. Man könne sich damit strafbar machen wegen Geldwäsche.

Tipps, wie Sie Betrüger entlarven

Schutz von persönlichen Daten: Besser nicht gleich den vollständigen Namen, Wohnort und Arbeitsplatz verraten, sondern beim Online-Dating ein Pseudonym verwenden. Anstatt Handynummer eine extra dafür eingerichtete Mail-Adresse als Kontakt angeben.

Treffen in der Öffentlichkeit: Das erste Date wählt man am besten an einem öffentlichen Ort mit viel Publikumsverkehr, Restaurant, Café oder Bar.

Auf Bezahl-Apps ausweichen: Bei kostenlosen Dating-Apps fehlen meist strenge Sicherheitsvorkehrungen, und es finden sich dementsprechend mehr schwarze Schafe unter den Profilen. Kostenpflichtige Portale prüfen ihre Mitglieder auf ihre Echtheit.

Niemals Geld überweisen: Ein absolutes No-Go ist das Überweisen von Geld, egal, wie vertrauenswürdig die Online-Bekanntschaft erscheint.

Unaufgeforderte Zuschriften: Die Alarmglocken sollten läuten, wenn der Erstkontakt unaufgefordert via Telefon, E-Mail oder Brief oder über eine App oder SMS erfolgt. Seriöse Firmen verfolgen keine solch aggressiven Verkaufsstrategien. Aktivieren Sie im Telefonbuch zum Selbstschutz den Stern-Eintrag gegen unerwünschte Werbeanrufe.

Unrealistisch hohe Renditeversprechen: Liegt die in Aussicht gestellte Verzinsung weit über dem Zins eines Sparkontos, besteht neben einem hohen Anlagerisiko auch höchste Betrugsgefahr.

Mehr Schein als Sein: Lassen Sie sich nicht von Titeln, Kleidung, Statussymbolen, teurem Büro oder prominenten angeblichen Freunden beeindrucken.

Heisse Tipps von Bekannten: Lassen Sie sich keine Geldgeschäfte durch «gute Bekannte» oder Freunde vermitteln. Privates und Geschäftliches sollte man konsequent trennen.

Komplizierte und teure Produkte: Investieren Sie nur in einfach verständliche, transparente und gebührenarme Finanzprodukte.

Zeitdruck: Lassen Sie sich nie unter Druck setzen, und unterzeichnen Sie Verträge erst nach einer mehrtägigen Bedenkfrist.

Referenzen einholen: Von Investitionen in junge Unternehmen sowie in Geldanlagen ohne langjährigen Erfolgsausweis sollten Sie die Finger lassen. Skeptisch stimmen sollte ein Firmensitz im Ausland oder ein Anlageberater ohne festen Wohnsitz in der Schweiz. Verlangen Sie aktuelle Betreibungsauszüge.

Diversifikation: Diversifizieren Sie in jedem Fall Ihre Anlagen, setzen Sie nicht alles auf eine Karte.

 

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Manuelle Bankaufträge: eine UBS-Inlandzahlung am Schalter für 60 Franken

Manuelle Bankaufträge

Wenn man Geld «manuell» verschiebt, fallen bei Schweizer Banken happige Gebühren an.

Bernhard Bircher-Suits
03.03.2022, 05.30 Uhr

Banken setzen bei Schalterkunden und Fans von Papier und Telefon auf abschreckend hohe Gebühren. Dies zeigt der Kostenvergleich für ein Privatkonto bei fünf grossen Schweizer Banken. Geschröpft werden vor allem wenig internetaffine Menschen über 70 Jahre.

 
 

Laut Bundesamt für Statistik (BfS) haben im Jahr 2019 rund zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung Online-Banking benutzt. Die BfS-Zahlen zeigen auch: Vor allem die jüngere Generation nutzt den digitalen Service ihrer Bank. In der Alterskategorie 60+ hingegen sind mit rund 45 Prozent deutlich weniger Nutzer vertreten. Fakt ist gemäss BfS: In der Schweiz leben mehr als 1,6 Millionen Personen, welche 65 Jahre und älter sind.

Diese Altersgruppe macht somit rund einen Fünftel der Schweizer Bevölkerung aus. Ein beachtlicher Anteil von ihnen dürfte noch auf Schalterzahlungen und Zahlungsaufträge per Briefpost setzen. Darauf lässt auch die Studie «Digitale Senioren» von Pro Senectute Schweiz aus dem Jahr 2020 schliessen. Die Untersuchung zeigt: Vor allem ältere Semester über 70 Jahre nutzen E-Banking kaum.

Trotzdem buhlen Banken um diese vermögenden Rentner – zum Beispiel mit speziellen Senioren-Sparkonten. So wirbt beispielsweise die genossenschaftlich organisierte WIR-Bank mit ihrem «Sparkonto 60+» und dem Slogan: «Ab 60 haben Sie mehr verdient.» Im Werbetext auf der Website steht: «Wenn die Pensionierung näher rückt, dann nehmen Ihre Träume endlich Gestalt an. Und darauf zu sparen, kann richtig Spass machen. Vor allem wenn das Sparkonto einen Extrazins bietet.»

Senioren-Sparkonten bieten kaum noch Vorteile

Was auf der Website nicht sofort ersichtlich ist: Dieser vermeintlich attraktive «Extrazins» beträgt derzeit 0,1 Prozent für Guthaben bis zu 300 000 Franken. Konkret heisst das: Wer als Pensionär für die von der WIR-Bank angeführte «langersehnte Kreuzfahrt» oder den «Oldtimer» spart, wird Geduld aufbringen müssen. Ein Rechenbeispiel: Wer zum Beispiel einmalig 10 000 Franken aufs Sparkonto einzahlt und das Geld zu diesem Zins während 10 Jahren liegen lässt, spart gerade einmal 100 Franken zusätzlich. Mit diesen «Extrazinsen» können also auch reiche Senioren keine Kreuzfahrten ansparen.

Immerhin verrechnet die WIR-Bank für Summen über 300 000 Franken keine Negativzinsen. Trotzdem zählt die WIR-Bank in Zeiten von Negativzinsen mit diesem Extrazins-Angebot sogar zu den Schweizer Banken mit den besten Konditionen bei Senioren-Sparkonten – zusammen mit der Tessiner Kantonalbank. Senioren-Sparkonten boten lange Zeit einen etwas höheren Zinssatz als gewöhnliche Sparkonten. In der gegenwärtigen Niedrigzinsphase haben sie sich den übrigen Sparkonten bezüglich Zinsen angeglichen. Ihr Zinsvorteil ist mittlerweile vernachlässigbar, und daher haben einige Banken diese «Sonderangebote» längst beerdigt.

Teure Zahlungen von Sparkonten

Was nicht nur ältere Semester beachten sollten: Sparkonten sind keine günstige Lösung für den Zahlungsverkehr. So verlangt die WIR-Bank zum Beispiel auch bei Zahlungen über das Online-Banking 2 Franken pro Zahlung. Dieselbe Gebühr fällt bei der Zürcher Kantonalbank für Zahlungen ab Sparkonto an. Deshalb empfiehlt sich für alle Bankkunden, für den Zahlungsverkehr ein Privatkonto zu führen. Privatkonten für Senioren können im kleineren Rahmen bezüglich Zinsen und Kosten für Kontoführung, Zahlungsverkehr und Debitkarte von «gewöhnlichen» Privatkonten abweichen. Zu beachten ist dabei, dass viele allgemeine Privatkonten auch Senioren offenstehen. Je nach Nutzungsprofil bieten sie sogar bessere Konditionen als spezialisierte Senioren-Konten.

Klassischer Einzahlungsschein ist ab Oktober Geschichte

Weniger technikaffine, meist ältere Menschen bevorzugen oft noch Papier für Zahlungen per Post oder den Gang zum Bankschalter. Wichtig zu wissen für alle: Ab dem 1. Oktober 2022 ist der altbekannte Einzahlungsschein definitiv Geschichte. Die QR-Rechnung hält dann Einzug in den Schweizer Zahlungsverkehr. Sie schlägt eine Brücke zwischen der papierbasierten und der digitalen Welt. Sie kann sowohl am Postschalter als auch fürs Mobile und Online-Banking genutzt werden. Nutzerinnen, welche auf E-Banking verzichten, können trotzdem beruhigt sein, denn die QR-Rechnung kann weiterhin am Postschalter und am Einzahlautomaten benutzt werden.

Der QR-Einzahlungsschein kann zudem mit dem Zahlungsauftrag im Kuvert an die Hausbank gesendet werden. Der neue Einzahlungsschein besteht aus einem Empfangsschein und einem Zahlteil mit QR-Code. Der Empfangsschein dient als Quittung bei Bareinzahlungen am Post- oder Bankschalter. Im Zahlteil ist der QR-Code integriert, neben dem wie bisher alle für die Zahlung relevanten Informationen aufgeführt sind.

Nicht technikaffine Personen werden geschröpft

Wer kein Vertrauen in E-Banking hat oder schlicht technisch überfordert ist und Rechnungen am Bankschalter begleicht, zahlt aber zum Teil happige Spesen für den personellen Mehraufwand der Banken. Bei der Credit Suisse fallen für eine Inlandzahlung am Schalter 35 Franken an, beim Konkurrenten UBS sind es sogar 60 Franken. Bei der Genossenschaftsbank Raiffeisen sind es 25 Franken, bei der Postfinance ist diese Transaktion kostenlos – zumindest für den Zahler. Der Haken: Die Postfinance belastet den Empfängern des Geldes Gebühren. Ein Beispiel illustriert die Kosten: Eine Überweisung im Betrag von 1300 Franken per roten Einzahlungsschein kostet den Empfänger 4.75 Franken. Eine QR-Rechnung kostet den Empfänger bei Einzahlung am Schalter 3.95 Franken bei einem Rechnungsbetrag von 1000 bis zu 10 000 Franken.

Zahlungsempfänger sollen Gebühren zurückfordern

Postfinance schreibt zu diesen Unkosten für Zahlungsempfänger im Preisreglement: «Es liegt im Ermessen der Empfängerin bzw. des Empfängers, diese Preise allenfalls bei der Zahlerin bzw. dem Zahler zurückzufordern.» Auch wenn die Post beim Empfänger zulangt: Am Ende bezahlen oft die Konsumenten die Zeche. Verschiedene Unternehmen überwälzen die Schalterspesen auf die Kunden. So verlangen die Telekomfirmen Swisscom, Salt, Sunrise und UPC von Kunden Aufschläge bis zu 7.50 Franken, wenn sie die Rechnung am Postschalter bezahlen.

Tiefe Kontoführungsgebühr bei der ZKB

Doch wie hoch sind die Kosten konkret bei führenden Schweizer Banken für Papier und Schaltergeschäfte mit einem Privatkonto? In der Tabelle werden die Preise von Credit Suisse, Postfinance, Raiffeisen, UBS und Zürcher Kantonalbank unter die Lupe genommen. Aufmerksame Leserinnen bemerken sofort, dass die Rubrik «Zins» in der Tabelle ganz fehlt. Der Grund: Alle angefragten Banken zahlen keinen Zins auf Privatkonten. Freuen dürfen sich Menschen, welche gerne ihren Kontosaldo per Telefon und nicht per Smartphone-App, SMS oder online abfragen. Lediglich Postfinance und UBS schrecken Anrufer mit einer Gebühr von 5 Franken ab.

Wer Zahlungsaufträge gerne per Post an seine Bank sendet, zahlt bei der Credit Suisse 1 Franken pro Zahlungsauftrag. Bei der Zürcher Kantonalbank sind es 4.80 Franken plus Porto. Die Staatsbank brilliert hingegen bei der Kontoführungsgebühr mit 12 Franken pro Jahr. Die höchste Kontoführungsgebühr im Vergleich weist unter den fünf Instituten die UBS mit 108 Franken im Jahr aus. Bankbezüge am Automaten der Hausbank sind überall kostenlos. Wer hingegen seiner Bank untreu wird und bei einer Fremdbank Bargeld bezieht, bezahlt überall eine Gebühr von 2 Franken. Barbezüge am Schalter sind – mit Ausnahme der UBS – bei allen Banken kostenlos. Die UBS verrechnet pro Bezug 2 Franken.

Auch E-Banking ist nicht mehr gratis

Die Erkenntnis: Richtig teuer sind vor allem die UBS und auf Dauer generell Zahlungen von Rechnungen am Bankschalter sowie Zahlungsaufträge per Post und Bezüge an fremden Bancomaten. Wer hohe Spesen für manuelle Bankgeschäfte vermeiden will, muss zwangsläufig auf E-Banking setzen und möglichst auf Bankbelege aus Papier verzichten. Die in der Tabelle nicht aufgeführten Gebührenvergleiche mit den E-Banking-Kosten für dieselben Geschäftsfälle zeigen: Die anfängliche «Alles-gratis-Kultur» beim E-Banking ist längst Geschichte. Mit papierlosem E-Banking lässt sich je nach Bank und Nutzungsprofil aber immerhin rund ein Drittel bis zur Hälfte der Gebühren sparen. Wer auf Papier und Schaltergeschäfte setzt, hat klar die höchsten Kosten.

Unter hohen Gebühren leiden vor allem ältere Bankkunden, welche noch weniger affin für Smartphone-Lösungen und E-Banking sind. Peter Burri Follath, Sprecher der Altersorganisation Pro Senectute, sagt zu Bankgebühren für manuelle Bankgeschäfte: «Banken sollten nach wie vor hybride Lösungen anbieten.» Diesen förderten aber, falls sie kostenpflichtig seien, den reibungslosen Übergang in die digitale Welt nicht.

Lesen Sie den Originalartikel vom 03.03.2022 auf nzz.ch oder laden Sie sich die NZZ-Online-Version mit nutzwertiger Tabelle als PDF herunter.

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Trotz Corona und Geldmangel zum Studium

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Nachhaltige Schweizer Investment-Apps auf dem Prüfstand

Patrik Schär (links) ist CEO und Gründer des Unternehmens Selma Finance, das nachhaltige Anlagestrategien mit ETF anbietet. Tillmann Lang (rechts), CEO und Co-Gründer der Yova AG, schwört für mehr nachhaltigen Impact auf Einzelaktien.

Felix Ertle, Bernhard Bircher-Suits
17.02.2022, 05.30 Uhr

Die Schweizer Robo-Advisors Selma und Inyova stellen nachhaltige Aktienportfolios automatisch zusammen, zugeschnitten auf die Wünsche der Investoren. Wie schlagen sich die Lösungen im Nachhaltigkeits-Check?

 

Zwischen der Zürcher Stadionbrache und der nahen Limmat befindet sich der Firmensitz von Selma Finance. Rund drei Kilometer entfernt am Limmatplatz liegt der Sitz von Yova. Beide Firmen bieten Privatanlegern gemäss eigenen Angaben «nachhaltige» Anlagestrategien an.

Die zwei Unternehmen setzen mit den Lösungen Selma und Inyova auf vollautomatische Finanzberatungen, sogenannte Robo-Advisors. Auf Basis der Nachhaltigkeitsbedürfnisse der Anleger wie Umwelt oder erneuerbare Energien erstellen die Algorithmen der Finanzdienstleister vermeintlich passende Anlagestrategien. Doch während Selma ausschliesslich Investitionen in Exchange-Traded Funds (ETF) – börsengehandelte Anlagefonds – anbietet, befinden sich in den Portfolios von Inyova ausschliesslich Einzelaktien.

Gefragte nachhaltige Investments

Nachhaltige Investments gewinnen in der Schweiz rasant an Popularität. Gemäss einer Marktstudie der von Swiss Sustainable Finance sind sie von 2019 auf 2020 um rund einen Drittel gestiegen. Insgesamt flossen 2020 über 1520 Milliarden Franken in der Schweiz in solche Anlagen. Das ist über 37 Mal mehr als zehn Jahre zuvor. Inzwischen bieten nahezu alle Finanzdienstleister in der Schweiz nachhaltige Anlagen in Form von ETF und Aktienfonds an. Dabei sorgen sie allerdings für Verwirrung.

«Die vorhandenen Anlagemöglichkeiten sind für Anlegerinnen und Anleger nicht einfach zu durchschauen. Zudem werden Begriffe wie ESG oder Nachhaltigkeit von verschiedenen Anbietern unterschiedlich interpretiert», sagt Manuel Rütsche, Leiter Asset-Management beim Finanzdienstleister VZ Vermögenszentrum.

Nachhaltige Anlagen werden oft anhand dreier Werte gemessen: Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Geschäftsführung (Governance) – die sogenannten ESG-Kriterien. Selma Finance kauft ihre nachhaltigen Anlageoptionen direkt von Rating-Agenturen wie dem US-Indexhaus MSCI. Das Problem dabei ist, dass es unter Rating-Agenturen Unterschiede in den Unternehmensbewertungen gibt.

Unterschiede bei den Ansätzen

Der weit verbreitete MSCI-ESG-Index bewertet weltweit 8500 Unternehmen. Dazu vergleicht er den Umgang mit brancheninternen Risiken und wählt einen «Best-in-Class-Ansatz». Der Dow-Jones-Sustainability-Index verfolgt einen ähnlichen Gedanken. Darin finden sich jedoch nur die 500 vorbildlichsten Firmen aus den 2500 grössten börsengehandelten Firmen. Der Pferdefuss dabei ist, dass damit auch Aktien aus den wenig nachhaltigen Branchen Auto, Luftfahrt und Erdöl in den Index Eingang finden.

Laut Patrick Schär, Geschäftsleiter bei Selma Finance, nutzt sein Unternehmen überwiegend die Indizes aus der Gruppe MSCI Socially Responsible Investing (SRI). Laut dem US-Indexhaus MSCI bilden SRI-Ratings die besten 25 Prozent der Unternehmen in jedem Sektor auf Basis ihrer ESG-Ratings ab. Unter dem SRI-Standard werden solche Unternehmen und Branchen ausgeschlossen, die als einer «sozial und/ oder ökologisch nachhaltigen Entwicklung entgegenstehend eingestuft werden – wie zum Beispiel Atomkraft, Kinderarbeit oder Rüstung».

Die ausschliesslich auf nachhaltige Investments fokussierte Finanz-App Inyova besitzt gemäss dem Geschäftsleiter Tillmann Lang eigene Messmethoden. «Wir überprüfen, welche Produkte und Dienstleistungen Unternehmen anbieten und ob sie einen positiven Effekt haben», sagt Lang. «Zudem betrachten wir, wie sie CO2-Emissionen, Chancengleichheit, gerechte Löhne und Menschenrechte in ihrer Arbeit berücksichtigen.»

Zudem müssten Unternehmen für Inyova in allen Nachhaltigkeitsdimensionen unbedenklich sein und mindestens in einer Dimension herausragen, um es ins Portfolio zu schaffen. Reine Waffenhersteller würden direkt ausgeschlossen. Die Anleger könnten in der App eigene Ausschlusskriterien definieren, wie zum Beispiel «Fleischindustrie» oder «Atomkraft».
Prüfung auf eigene Faust nötig

Gemäss dem Selma-Vertreter Schär bieten ETF mehr finanzielle Sicherheit als Aktien: «Mit ETF ermöglichen wir unseren Kunden eine kostengünstige Risikostreuung. So ermöglichen wir nachhaltige Investitionen und vermeiden gleichzeitig Klumpen- und Verlustrisiken.»

Dagegen sagt der Yova-Geschäftsleiter Tillmann Lang: «Auf Basis der Bedürfnisse unserer Anlegerinnen und Anleger erstellt der Inyova-Algorithmus ein Portfolio mit 37 bis 40 einzelnen Aktien, gewählt aus 350 Unternehmen.» Diese Liste könne individuell angepasst werden. Gefalle einem Anleger beispielsweise Tesla nicht, könne er dieses Unternehmen aus seinem Portfolio streichen. Als Inhaber von Unternehmensanteilen könnten Anleger zudem die nachhaltige Entwicklung der einzelnen Unternehmen mitlenken. Das gehe mit börsengehandelten Anlagefonds nicht.
Aktien bieten Vorteile bei speziellen Themen wie Recycling

Gemäss Rütsche hängt die Anlagewahl von den eigenen Bedürfnissen ab. Durch die freie Titelselektion könnten die Fondsmanager bei Aktienfonds in das Portfolio eingreifen. Auf diese Art könnten sie ihre Sichtweise zum Thema Nachhaltigkeit abbilden. Aktienfonds hätten zudem zu speziellen Themen wie Recycling einen Vorteil gegenüber ETF, da diese Themen von ETF seltener abgebildet würden.

ESG-Indizes verbänden oft mehrere Nachhaltigkeits-Massnahmen, sagt Rütsche. Dadurch stellten sie teilweise deutlich nachhaltigere Portfolios zusammen als ETF auf klassische Indizes oder aktiv verwaltete Fonds. Durch unterschiedliche Konstruktionsweisen könnten die Indizes jedoch stark voneinander abweichen.

Selma ist günstiger als Inyova

Der Anbieter-Vergleich zeigt: Die Mindestinvestionssumme ist bei beiden gleich tief (vgl. Tabelle) – bei den Gebühren bezahlt man umso weniger, je mehr man investiert. Die Lösung von Inyova ist mit Webbrowser sowie iOS- und Android-App einsetzbar. Selma ist bis jetzt nur als Web-Lösung und iOS-App verfügbar. Eine Android-App ist in Planung.

Gemäss Manuel Rütsche vom VZ schneiden Exchange-Traded Funds bei der Rendite meistens besser ab: «Ein ETF ist sehr kostengünstig und hat das Ziel, möglichst genau die Entwicklung des jeweiligen Vergleichsindexes nachzubilden.» Bei den im Normalfall deutlich teureren aktiven Fonds gehe es darum, den Index zu schlagen. Die Praxis zeige aber, dass dieses Ziel oftmals deutlich verfehlt werde.

Tillmann Lang gibt sich dennoch zuversichtlich: «Entscheiden sich unsere Anlegerinnen und Anleger gegen bestimmte Aktien, passt der Algorithmus die Gewichtung des gesamten Portfolios neu an, damit das Risikoprofil passt. Die Beimischung von grünen Anleihen sorgt für eine weitere Diversifizierung.» Durch die vollautomatische Anpassung sei diese Anlagelösung viel günstiger als von Menschen verwaltete Aktienfonds. Zudem werde bei einem Inyova-Portfolio eine langfristige Rendite von 6 bis 7 Prozent vor Gebühren pro Jahr erwartet – was sich entlang der Märkte bewege.

Nachhaltigkeit ist nicht mit Impact gleichzusetzen

Die Wissenschafter Stefan Zeisberger und Julian Kölbel von der Universität Zürich forschen eingehend zu nachhaltigen Investitionen. «Die nachhaltigste Anlagestrategie hängt von der zugrunde liegenden Motivation der Anleger ab. Wenn man nachhaltige Werte im Portfolio reflektieren möchte, dann sind klare Ausschlusskriterien oder Best-in-Class das Beste», teilen sie auf Anfrage mit.

Wenn man Nachhaltigkeitsrisiken eingrenzen wolle, sei die Berücksichtigung von ESG-Ratings der richtige Ansatz. Wer mit seinen Investitionen etwas bewirken wolle, sollte Mitbestimmungsrechte als Aktieneigentümer oder Investitionen in alternative Anlagen erwägen. Wichtig sei, die eigenen Ziele klar zu benennen und einen Ansatz zu finden, der mit ihnen in Einklang stehe.

Gut zu wissen: Es gibt noch weitere prüfenswerte Schweizer Anbieter von nachhaltigen Anlagen. Beim Robo-Advisor True Wealth beträgt das Startkapital aber beispielsweise 8500 Franken. Bei Descartes Finance beginnen Investitionen erst ab 25 000 Franken – und das zu deutlich günstigeren Grundgebühren von 0,5 bis 0,25 Prozent für die Finanzlösung True Wealth und 0,3 Prozent für Descartes Finance (Zusatzkosten exklusive). In Bezug auf Nachhaltigkeit muss man aber auch hier – wie bei allen angeblich nachhaltigen Lösungen – genau hinschauen.

Tipps für nachhaltige Anlagen
  • Eigenes Nachhaltigkeitsprofil erstellen: Möchten Sie nachhaltige Werte im Portfolio reflektieren oder mitbestimmen? Sind bestimmte Branchen ein No-Go? Ihr Nachhaltigkeitsprofil hilft Ihnen mit der Suche nach den richtigen Investitionen.

  • Mehrere Finanzanbieter vergleichen: Es gibt eine Vielzahl von Robo-Advisors, mit denen man in der Schweiz nachhaltig investieren kann. Diese Anbieter unterscheiden sich teilweise deutlich in Mindestinvestitionsmenge, Gebühren und angebotenen Anlagen. Eine aktuelle Liste der digitalen Schweizer Vermögensverwalter finden Sie unter: https://www.moneyland.ch/de/robo-advisor-schweiz-vergleich

  • Fonds miteinander vergleichen: Vergleichen Sie nachhaltige Fonds auf Plattformen wie zum Beispiel https://www.meinfairmoegen.de/infomaterial vom unabhängigen, nichtkommerziellen Projekt MeinFairMögen der Investing Initiative Deutschland oder auf www.morningstar.ch vom amerikanischen Finanzinformations- und Analyseunternehmen Morningstar.

  • Auf Kosten achten: Achten Sie auf die Kosten der Anlagelösungen. Interessant sind generell Anlagelösungen, die deutlich unter 1 Prozent pro Jahr kosten. Wenn die Kosten über 1 Prozent liegen, sollten die Nachhaltigkeitsbestrebungen des Finanzanbieters besonders hoch sein. 

  • Bei Finanzanbietern nachfragen: Fragen Sie bei potenziellen Anbietern direkt nach, wie genau Nachhaltigkeit die Investitionsentscheidungen beeinflusst und ob es Beispiele dafür gibt.

 

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So klappt die Steuererklärung 2021 ohne Stress und Mahngebühren

Jeder zehnte Haushalt in der Schweiz hat Steuerschulden. Doch wer Fristen beachtet und keine Abzüge vergisst, vermeidet teure Mahnungen und unnötig hohe Steuerrechnungen. Ein Ratgeber für Steuerpflichtige.

Bernhard Bircher-Suits
07.02.2022, 05.30 Uhr

Je schneller man die Steuererklärung einreicht, desto eher kann die Veranlagung mit der definitiven Abrechnung erfolgen.

Der Bund, die 26 Kantone und die rund 2200 Gemeinden erheben in der Schweiz Steuern aufgrund ihrer eigenen Gesetzgebungen. Der föderalistische Aufbau der Schweiz hat die Schaffung eines einheitlichen Steuersystems verhindert. Für viele Menschen sind dieser Steuerdschungel und alleine die Vorstellung an die Steuererklärung ein Albtraum. Kein Wunder, verzichten in der Schweiz Jahr für Jahr Tausende steuerpflichtige Bürgerinnen und Bürger darauf, ihre Steuererklärung bei den Steuerbehörden einzureichen.

Wer die Steuererklärung nicht rechtzeitig einreicht, wird vom Steueramt gemahnt. Für eine Mahnung wird im Kanton Bern zum Beispiel eine Gebühr von 60 Franken in Rechnung gestellt. Im Aargau werden 35 Franken für die erste Mahnung fällig. Dagegen kommen säumige Einreichende im Kanton Zürich vergleichsweise gut weg. In einer Weisung der Finanzdirektion steht: «Für die Mahnungen dürfen vom Steueramt keine Gebühren erhoben werden.»

Wer trotz Mahnung keine Steuererklärung einreicht, wird durch das Steueramt nach «pflichtgemässem Ermessen» eingeschätzt. Zusätzlich können Steuerpflichtige «wegen Verletzung der Verfahrenspflichten» mit einer Busse bestraft werden. In der Stadt Zürich beträgt sie in «schweren Fällen und im Wiederholungsfall» bis zu 10 000 Franken.

Jeder zehnte Schweizer Haushalt hat Steuerschulden

Doch auch wer die Deklaration fristgerecht einreicht, kann oft die nachfolgende Steuerrechnung nicht bezahlen. Steuerschulden zählen in der Schweiz zu den häufigsten Schuldenarten – noch vor den Krankenkassenprämien. Gemäss einer Erhebung vom Bundesamt für Statistik haben rund 9 Prozent aller Schweizer Haushalte Steuerschulden.

Wer wegen Einkommensausfällen während der Corona-Krise oder anderer nicht selbst verschuldeter Gründe nicht fristgerecht zahlen kann, sollte dem Steueramt so früh wie möglich ein schriftlich begründetes Gesuch um Ratenzahlung oder einen Zahlungsaufschub unterbreiten

Corona-Pandemie: keine massive Zunahme bei Betreibungen

Im Kanton Aargau hat die Corona-Pandemie Spuren in der Betreibungsstatistik hinterlassen: Die Zahl der Betreibungen, welche die Gemeinden und die kantonale Behörde veranlasst haben, stieg 2021 auf 34 973. Im Jahr 2018 waren es 33 315 Betreibungen.

Diese Angaben sind mit Vorsicht zu geniessen: Von März bis Juni 2020 galt im Kanton nämlich ein gesetzlicher Betreibungsstopp. Im Kanton Zug dürfte die Zunahme an steuerlich motivierten Betreibungen pandemiebedingt gemäss Finanzdirektion «gegenüber dem Jahr 2020 bei rund 5 bis 10 Prozent liegen». Die Finanzdirektion des Kantons Zürich führt keine solche Statistik für alle Zürcher Gemeinden.

Steuererlass nur bei besonderen Anlässen

Chancen auf einen (Teil-)Erlass von Steuerschulden bestehen nur in besonderen Fällen: beispielsweise, wenn die Bezahlung unverschuldet wegen besonderer Umstände wie etwa Arbeitslosigkeit, Krankheit, Unfall oder nach einer Scheidung eine unzumutbare Einschränkung der Lebenshaltung zur Folge hätte. Der Steuerpflichtige darf zudem über keinerlei Ersparnisse verfügen oder Wohneigentum besitzen.

Ein Trost für zeitlich stark ausgelastete Steuerpflichtige: Sie können zumindest beim Ausfüllen der Steuererklärung einige Monate Zeit schinden. In der Regel kann man die Einreichefrist – meist Mitte oder Ende März 2022 für private Arbeitnehmende – ohne Begründung und mit wenigen Mausklicks online verlängern. Eine Fristerstreckung auf elektronischem Weg wird zum Beispiel in der Stadt Zürich bis zum 30. September 2022 beziehungsweise bis längstens zum 30. November 2022 gewährt. Weitere Fristverlängerungen sind nur bei Todesfällen in der Familie oder Krankheit möglich.

Verzugszins bei Bund liegt bei 3 Prozent

Doch Steuerpflichtige halten sich besser an den Leitsatz: «Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.» Der Grund: Je schneller man die Steuererklärung einreicht, desto eher kann die Veranlagung mit der definitiven Abrechnung erfolgen.

Und auch mit der Zahlung der Steuerrechnung sollte man nicht zu lange zuwarten. So verlangt der Kanton Zürich beispielsweise im Corona-Jahr 2021 4,5 Prozent Verzugszinsen. Auch der Bund verlangt Verzugszinsen. Wer seine direkte Bundessteuer zu spät bezahlt, wird mit 3 Prozent Verzugszins bestraft. Früh bezahlte Steuern honoriert der Bund nicht. Diese Beispiele zeigen: Die Steuern rechtzeitig zu bezahlen, ist die günstigste Lösung.

Die Zinsen auf im Voraus bezahlte, mutmassliche Steuerschulden tendieren hingegen immer häufiger gegen null. Immerhin: Im Kanton Schwyz gibt es in den Steuerjahren 2021/22 attraktive 0,5 Prozent auf Vorauszahlungen. Im Kanton Zürich sind es 0,25 Prozent für vorzeitig bezahlte Staats- und Gemeindesteuern. Der Kanton Thurgau zahlt beispielsweise 0,2 Prozent, der Kanton Bern gar nichts.

Teure Flüchtigkeitsfehler mit Hilfsprogrammen vermeiden

Positiv ist, dass alle Kantone das elektronische Ausfüllen der Formulare am Computer oder online im Internet-Browser ermöglichen. In den Kantonen Schwyz und Zürich kann man bereits seit letztem Jahr alle Belege auch nur elektronisch einreichen. Mit der Steuererklärung 2021 ist dies nun auch im Kanton Aargau möglich. Voll digitale Lösungen bieten zum Beispiel auch die Kantone Luzern, Nidwalden, Obwalden, Solothurn, St. Gallen und Zug.

Elektronische Helfer haben Vorteile: So werden viele Abzüge wie Kinder-, Familien- und Doppelverdiener-Abzüge automatisch generiert. Ausserdem sind Additionsfehler bei den elektronischen Lösungen ausgeschlossen. Doch gegen Flüchtigkeitsfehler und Vergesslichkeit helfen auch die Computerprogramme nicht.

Gut, wenn man sich dann zumindest auf die Steuerbeamten aus Fleisch und Blut verlassen kann. Gemäss Roland Teuscher, Leiter Kommunikation beim kantonalen Steueramt Aargau, werden zumindest «Flüchtigkeitsfehler» beim Ausfüllen amtlich berichtigt. «Bei der Berechnung der Berufskosten gibt es viele Personen, die statt 220 Arbeitstage pro Jahr nur 5 Arbeitstage deklarieren, da sie von einer Woche ausgehen.» Dieser Fehler werde «selbstverständlich durch die Steuerbehörde zugunsten der Steuerpflichtigen korrigiert».

Falsche Annahmen entdeckt die Software nicht

Das korrekte Ausfüllen der Steuererklärung bleibt trotz digitalen Helfern und hilfsbereiten Steuerbeamten eine Kunst, die nicht alle beherrschen. Ein Beispiel: Ein Ehepaar ist in der Vergangenheit zweimal vorzeitig aus einer Festhypothek ausgestiegen und hat die Bank gewechselt. Die an die Bank bezahlte Vorfälligkeitsentschädigung hat das Ehepaar in der Steuererklärung jeweils abgezogen.

Das Bundesgericht entschied aber im Jahr 2019: Wer die Festhypothek vorzeitig kündigt und die Bank wechselt, kann die Vorfälligkeitsentschädigung nicht von den Steuern abziehen. Das gilt laut den Bundesrichtern auch bei der vorzeitigen Kündigung wegen eines Liegenschaftsverkaufs. Abziehen darf die Entschädigung nur, wer die Hypothek vorzeitig auflöst und bei derselben Bank eine neue Hypothek abschliesst.

Gelegentlich gilt es aber nicht nur Abzüge geltend zu machen, sondern bereits bezahlte Steuern vom Fiskus zurückzufordern. Steuerpflichtige, die beispielsweise für selbst bewohntes Wohneigentum vorbezogene Pensionskassengelder wieder in die Pensionskasse zurückführen, können vom Steueramt verlangen, dass die beim Vorbezug oder bei der Pfandverwertung für den entsprechenden Betrag bezahlten Steuern zurückerstattet werden.

Die teuersten Fehler

Doch was sind die teuersten Fehler beim Ausfüllen der Steuererklärung? Roland Teuscher sagt: «Die teuersten Fehler entstehen durch Nichtdeklaration von Einkommens- und Vermögensfaktoren oder die unwahre Deklaration von Abzügen, sprich durch Steuerhinterziehung und daraus resultierende Nach- und Strafsteuerverfahren.»

Tanja Bertholet, Verantwortliche externe Kommunikation bei der Finanzdirektion des Kantons Bern, sagt: «Teuer wird es dann, wenn hohe abzugsfähige, effektiv angefallene Kosten nicht deklariert werden. Diese Abzüge werden von uns nicht von Amtes wegen gewährt, bei fehlender Deklaration wissen wir gar nichts von diesen Kosten. Als Beispiel seien etwa Drittbetreuungskosten für Kinder genannt.» Auch Sozialabzüge für erwachsene Kinder in Ausbildung gehen oft vergessen.

Ein weiterer «teurer» Fehler kann auch eine nicht vollständig ausgefüllte Steuererklärung sein. Bei Feststellung durch die Steuerverwaltung führt dies zu einem teuren «Nach- und Strafsteuerverfahren». Was gemäss Steuerexperten oft auch vorkommt, ist ein fehlender Beleg für die Säule-3a-Einzahlung.

Wohneigentümer sollten zudem Unterhaltskosten bei Liegenschaften nicht vergessen. Steuerpflichtige dürfen jedes Jahr und für jede Liegenschaft zwischen Pauschale und effektiven Kosten wählen. Abziehen darf man werterhaltende Investitionen in Immobilien. Eine Ausnahme sind Investitionen mit dem Ziel, Energie zu sparen oder die Umwelt zu schützen.

Kaum noch Corona-Erleichterungen im Jahr 2021

Zu Beginn der Corona-Krise im Jahr 2020 wurden in verschiedenen Kantonen Sofortmassnahmen getroffen. So wurde beispielsweise von Steuerbehörden die Einreichefrist verlängert und der Verzugszins ausgesetzt. Doch wie sieht es bei der Steuererklärung 2021 aus? In den meisten Kantonen gibt es keine Sonderregelungen mehr – oder nur mehr wenige, welche die Berufsauslagen betreffen.

Im Kanton Zürich haben die Corona-Massnahmen keine besonderen steuerlichen Auswirkungen. Insbesondere können Berufsauslagen so geltend gemacht werden, als hätte es keine Pandemie mit Home-Office-Pflicht gegeben. Auch im Kanton Thurgau hat die Corona-Krise «grundsätzlich keine Auswirkungen auf die Steuererklärung 2021».

Tipps zum Ausfüllen der Steuererklärung
  • Eine detaillierte Übersicht über Abzugsmöglichkeiten findet sich unter anderem im sogenannten ESTV-Steuermäppchen oder in Informationen der Schweizerischen Steuerkonferenz (SSK).

  • Vor dem Ausfüllen der Steuererklärung gilt es die offizielle Wegleitung zu lesen. Darin werden auch die steuerlich zulässigen Abzüge aufgeführt.

  • Hilft vor bösen Überraschungen: Beim Eidgenössischen Finanzdepartement lässt sich die für das betreffende Steuerjahr fällige Einkommenssteuer für natürliche Personen unverbindlich im Voraus berechnen (siehe: https://www.estv.admin.ch/estv/de/home/die-estv/steuerstatistiken-estv/steuerrechner.html).

  • Eine gute Vorbereitung erleichtert und beschleunigt das Ausfüllen der Steuererklärung. Es ist ratsam, folgende Unterlagen zu sammeln und bereitzuhalten:

– Lohnausweis

– Kontoauszüge von Bank oder Post

– Belege zu den Wertschriften

– Belege für Beiträge an die Säule 3a (freiwillige Vorsorge)

– Belege für besondere Einzahlungen in die zweite Säule (Pensionskasse/BVG; die ordentlichen Beiträge sind auf dem Lohnausweis ausgewiesen)

– Zusammenzug der Krankheitskosten

– Zusammenstellung der Berufskosten

– Belege zu Weiterbildungen

– Spendenbelege

– Für Wohneigentümer: alle Unterlagen zu Liegenschaftssteuer, Schuldzinsen, Rechnungen für Unterhalts- und Renovationsarbeiten, Betriebs- und Verwaltungskosten usw.

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So senken Sie Ihre Fixkosten um Tausende Franken pro Jahr

Fixkosten senken

Auch in der Schweiz steigt die Inflation. Gegen hohe Preise kann man ankämpfen, indem man Fixkosten bei Telekom-Abos, Geldanlagen, Krankenkassen und Versicherungen reduziert.

Bernhard Bircher-Suits
31.01.2022, 05.30 Uhr

Der Schweizer Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) misst die Teuerung der Konsumgüter in der Schweiz. Im Jahr 2021 legte die Teuerung um 0,6 Prozent zu. Zum Vergleich: 2020 gab es noch eine Minus-Teuerung von 0,7 Prozent.

Die Inflation in der Schweiz dürfte dieses Jahr gemäss der Dezember-Prognose des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) aufgrund gestiegener Preise für Energieträger und Vorleistungsgüter moderat auf 1,1 Prozent im Jahresdurchschnitt steigen. Heute können 0,8 bis 0,9 Prozentpunkte der Inflationsrate – und somit der grösste Teil – durch die höheren Erdölpreise erklärt werden.

CO2-Abgabe verteuert Heizöl und Gas im Jahr 2022

Bei den Lebensmitteln wurden zum Beispiel Brotwaren zwischen 10 und 15 Prozent teurer sowie sämtliche Produkte, die mit Weizen hergestellt werden. Aber auch im Non-Food-Bereich sind gewisse Produkte teurer geworden, so zum Beispiel Konstruktionsholz.

Beim Heizen drohen dieses Jahr weitere Mehrkosten: Seit Anfang 2022 kostet die CO2-Abgabe neu 120 statt 96 Franken pro Tonne CO2. Diesen Zuschlag und die gestiegenen Brennstoff- und Strompreise spüren viele Menschen und Unternehmen in der Schweiz direkt im Portemonnaie. Immerhin fliessen zwei Drittel der CO2-Abgabe zurück an die Bevölkerung und die Wirtschaft.

Solchen Mehrkosten kann man auf die Schnelle nur schlecht entgehen. Vermeintliche Budget-Fixkosten lassen sich aber oft einfach senken – und zwar ohne Komforteinbussen. Das «Anti-Teuerungs-Rezept»: Kenntnisse über Steuerabzüge, die Bereitschaft zum Wechsel von Banken, Telekom-Anbietern, Versicherungen und etwas Zeit, um Angebote zu vergleichen und Kündigungsbriefe zu versenden.

Bankspesen: Smartphone-Lösungen bieten tiefe Gebühren

Beim Zahlungsverkehr und Sparen sind die Höhe der Spesen, der Kontozins, allfällige Negativzinsen sowie Rückzugsbeschränkungen wichtig. Die Vergleichsplattform Moneyland.ch ermöglicht Privaten einen individuellen Kostenvergleich.

Ein Beispiel: Ein Erwachsener mit Wohnsitz Zürich und Jahrgang 1962 hat im Schnitt 6000 Franken auf dem Privatkonto. Er nutzt nur E-Banking und hat eine Debit-Karte. Er nutzt seine Bankkarte ab und zu im In- und Ausland. Der Vergleich von 14 Anbietern von Privatkonten zeigt: Der Zürcher zahlt bei der teuersten Bank im Vergleich – der Grossbank UBS – im Jahr 261.90 Franken. Mit der Smartphone-Lösung von Neon, dem Angebot «Neon free», hingegen würden dieselben Kontoaktivitäten 24 Franken im Jahr betragen. Das Sparpotenzial: rund 238 Franken.

Als Neon-Bankpartner fungiert die Schweizer Hypothekarbank Lenzburg. Der Vorteil von «Neon free» wie auch den ähnlichen Smartphone-Apps Zak (Bank Cler) oder CSX (Credit Suisse) sind die fehlenden oder sehr tiefen Kontoführungsgebühren. Aber aufgepasst: Bei solchen Smartphone-Bankkonten gehen vor allem Bargeldbezüge an fremden Bancomaten rasch ins Geld. So kostet bei Zak ein Bargeldbezug an fremden Geldautomaten in der Schweiz 2 Franken, im Ausland 5 Franken.

Tipp: Grundsätzlich lassen sich mit Smartphone-Banking-Lösungen, aber auch bei konventionellen Banken viele Transaktionskosten und Gebühren sparen, wenn man auf Bargeldbezüge an Fremd-Bancomaten verzichtet, keine Telefon- und Schaltergeschäfte tätigt und vor allem auf das papierlose E-Banking setzt.

Währungswechsel: 5000 Franken nach Berlin senden und 257 Euro sparen

In der derzeitigen Tiefpreis-Phase des Euro kann es interessant sein, harte Franken auf Vorrat in Euro zu wechseln und das Geld auf einem Schweizer Euro-Konto für Studien- oder Ferienaufenthalte zu deponieren. Der Haken dabei: Beim Geldwechsel verdienen Banken mit einem versteckten Aufschlag auf den sogenannten Interbankenkurs viel Geld für eine digitale Transaktion.

Das Schweizer Vergleichsportal Monito.com macht die versteckten Aufschläge für viele Währungen transparent. Ein Beispiel zeigt das Einsparpotenzial eindrücklich: Eine Mutter will ihrer Tochter 5000 Franken für das Studium in Berlin überweisen. Nutzt die Mutter die Migros-Bank für ihre Überweisung nach Deutschland, erhält die Tochter netto 4535 Euro auf ihrem Euro-Konto in Berlin gutgeschrieben.

Bei den Online-Anbietern Currencyfair oder Wise wären es aber 4791 beziehungsweise 4792 Euro. Mit diesen Geldüberweisungs-Diensten erhält die Tochter somit 256 oder 257 Euro mehr ausbezahlt als über die Migros-Bank. Gut zu wissen: Die Plattform Monito empfiehlt ausschliesslich regulierte und sichere Unternehmen.

Tipp: Wer viel im Ausland weilt, sollte die Multi-Währungs-Karten der Online-Bank Swissquote und des Anbieters Wise (https://wise.com) prüfen. Wise bietet seine Debit-Karte für 8 Euro an. Eine rein digitale Visa-Karte von Wise lässt sich ohne Jahresgebühr dazubuchen.

Telekom-Abos: Bestandskunden müssen um Rabatte feilschen

Langjährige Kunden von Salt, Sunrise/UPC oder der Swisscom reiben sich immer mal wieder die Augen, wenn sie zeitlich limitierte Billigangebote «nur für Neukunden» erblicken. Meist kosten die Angebote die Hälfte oder weniger, als der treue Kunde Jahr für Jahr bezahlt.

Wer hochpreisige Abos nutzt und schon einige Jahre Kunde ist, kann mit einem Anruf beim Kundendienst auf solche Kampagnen verweisen und zumindest für eine befristete Zeit Einsparungen erzielen. Der Grund: Telekom-Firmen bezahlen treuen Kunden lieber Rabatte, anstatt sie an die Konkurrenz zu verlieren. Zudem ist die Akquise von Neukunden aufwendig und oft viel teurer. Dass Rabatte meist gewährt werden, belegen Kundenerfahrungen in Internetforen.

Tipp: Geld sparen lässt sich auch, wenn man Handy-Einzelabos von Familienmitgliedern bei verschiedenen Anbietern zu einem Anbieter zügelt und so von Mengenrabatten profitiert.

Internet-Abo: Ein günstiger Anbieter hilft Jahr für Jahr Hunderte Franken sparen

Aber auch mit einem Anbieterwechsel des Internet-Abonnements kann man rasch seine Fixkosten reduzieren. Ein Beispiel: Eine Stadtzürcherin zahlt beim Internetprovider iWay für den schnellstmöglichen Internetanschluss gemäss der Vergleichsplattform Moneyland für Glasfaser-Internet mit Tempo 1000 Mbit pro Sekunde 392 Franken im Jahr.

Zum Vergleich: Das Angebot Solnet Expert kommt mit demselben Tempo auf 967 Franken zu stehen. Das Sparpotenzial liegt folglich bei 575 Franken pro Jahr. Ähnliche Telekom-Abo-Vergleiche bieten auch Online-Plattformen wie Comparis.ch, Alao.ch oder Bonus.ch.

Krankenkasse: Prämienerhöhungen kann man umgehen

Der Krankenkassen-Dachverband Santésuisse warnte Ende Januar 2022 vor weiteren Prämienerhöhungen wegen gestiegener Kosten bei der Grundversicherung. Doch steigende Krankenkassen-Prämien sind nicht in Stein gemeisselt. Der Leistungsumfang in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung ist bei allen Krankenversicherern gleich. Mit einem Wechsel der Grundversicherung zu einer günstigeren Kasse kann man mit wenig Aufwand viel Geld sparen. Das vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) kostenlos zur Verfügung gestellte Vergleichsportal Priminfo.ch erlaubt einen raschen Prämienvergleich mit ein paar Mausklicks.

Ein Beispiel zeigt das Sparpotenzial: Eine Einzelperson mit Jahrgang 1980 zahlt bei der SLKK-Versicherung, der ehemaligen Schweizer Lehrerkrankenkasse, im Jahr 5343 Franken Prämien bei einer Franchise von 300 Franken. Bei Vivacare wären es 6900 Franken für dieselben gesetzlich geregelten Leistungen. Die Einsparung liegt folglich bei rund 1560 Franken im Jahr. Wer zudem zu einem günstigeren Hausarztmodell wechselt und die Franchise erhöht, kann zusätzliche Einsparungen erzielen. Versicherte in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen können zudem eine Prämienverbilligung beantragen. Für die Überprüfung des Anspruchs auf Verbilligung der Grundversicherungsprämie sind kantonale Stellen zuständig (siehe: https://www.priminfo.admin.ch/de/verbilligung/kantonale-stellen).

Auch gut zu wissen: Angestellte sind in der Schweiz obligatorisch gegen die finanziellen Folgen von Berufs- und Freizeitunfällen versichert –vorausgesetzt, sie arbeiten mindestens 8 Stunden pro Woche beim gleichen Arbeitgeber. In diesem Fall können Sie auf die zusätzliche Unfalldeckung in der Krankenkasse verzichten.

Tipp: Ein Versicherungswechsel in der obligatorischen Grundversicherung ist per 1. Juli 2022 in bestimmten Fällen möglich. Wer über eine Grundversicherung mit einer ordentlichen Franchise (Erwachsene 300 Franken, Kinder 0 Franken pro Kalenderjahr) und freier Wahl des Leistungserbringers verfügt, kann seine Krankenversicherung auf den 30. Juni unter Einhaltung einer dreimonatigen Kündigungsfrist kündigen.

Weitere Versicherungen: Prämien online vergleichen

Die grössten finanziellen Risiken neben Krankheit sind Unfall sowie Todesfall und Erwerbsausfall-Risiko. Auch die Risiken Haftpflichtzahlungen und zerstörter Hausrat sollten über eine Versicherung abgedeckt werden. Prämienvergleiche für die erwähnten Risiken bieten Online-Plattformen wie Bonus.ch, Comparis.ch oder Moneyland.ch.

Umzug zu Online-Broker prüfen

Internet-Börsenhändler sind für Kleinanleger deutlich günstiger als Universalbanken. Ein Beispiel: Gemäss Moneyland.ch zahlt ein Online-Gelegenheitstrader bei der FlowBank im Jahr rund 345 Franken. Die FlowBank ist eine Schweizer Online-Bank mit Sitz in Genf. Bei der UBS wären es rund 1800 Franken. Die ebenfalls teure Credit Suisse rangiert direkt hinter der UBS mit Kosten von 1679 Franken für dieselben Wertschriften-Transaktionen.

Tipp: Beachten Sie allfällige «Zügelkosten», wenn Sie ihr Wertschriftendepot zu einem günstigeren Anbieter wechseln wollen. Klären Sie mit dem neuen Anbieter, ob er allfällige Transferkosten übernimmt. Die Schweizer FlowBank übernimmt zum Beispiel die Transferkosten von Aktien bis zu einem Betrag von 750 Franken.

Lesen Sie den Originalartikel vom 31.01.2021 auf nzz.ch oder laden Sie die NZZ-Online-Version als PDF.

 

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Spendenabzüge in der Steuererklärung: Darauf sollten Sie achten

Um die Weihnachtszeit spenden Schweizer Haushalte besonders gerne an Stiftungen und Vereine. Schenkungen können unter Umständen vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Doch längst nicht jede Spende mildert die Steuerlast.

Bernhard Bircher-Suits, Felix Ertle
22.12.2021, 05.30 Uhr

Das Spendenaufkommen für Schweizer Hilfswerke war gemäss der Schweizer Stiftung Zewo im Jahr 2020 mit 2,05 Milliarden Franken höher denn je. In Bezug auf die Spenden an zertifizierte Hilfswerke machten die Spenden aus privaten Haushalten mehr als die Hälfte dieser Summe aus. Der Rest kam von Firmen (8 Prozent), gemeinnützigen Organisationen, Kirchen, der Glückskette (20 Prozent) und Erbschaften (16 Prozent). Die Schweizer Bevölkerung kompensierte laut Zewo mit dieser «grossen Solidarität» Einnahmeausfälle, die den Hilfswerken aufgrund der Pandemie entstanden sind.

Die gute Nachricht für Steuerzahler: Der Staat fördert indirekt die Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen mit Steuerreduktionen. Private Haushalte und Firmen dürfen Spenden in ihrer Steuererklärung in Abzug bringen. Aber längst nicht alle Spenden werden von den Behörden als abzugsfähige Zuwendungen akzeptiert. Worauf müssen Gönnerinnen und Gönner achten, um ihre Spenden erfolgreich von der Steuer abzuziehen?

Welche Spenden sind von der Steuer absetzbar?

Die Steuerfachleute René Matteotti und Natalie Dini von der Tax Partner AG in Zürich bringen es mit einer Faustregel auf den Punkt: «Freiwillige Leistungen von Geld und übrigen Vermögenswerten an juristische Personen mit Sitz in der Schweiz, die im Hinblick auf ihre öffentlichen oder gemeinnützigen Zwecke steuerbefreit sind, gelten als abzugsfähig.» Die Rechtsgrundlage dafür findet sich im Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer.

Das Gesetz umfasst juristische Personen wie Stiftungen und Vereine, die aufgrund ihrer gemeinnützigen Tätigkeiten von der Steuer befreit sind. Die Steuergesetze sehen aber Abzüge für Mitgliederbeiträge und Zuwendungen an politische Parteien vor, obwohl diese nicht gemeinnützig tätig sind. Viele andere Institutionen fallen jedoch aus dem Raster – Spenden an sie sind nicht abzugsfähig. Wie also trennt man die Spreu vom Weizen?

Über 6000 Institutionen in Zürich sind steuerbefreit

Gemäss Martina Ziegerer, Geschäftsleiterin der Schweizer Stiftung Zewo, sind alle Organisationen von der Steuer befreit, die ein Zewo-Gütesiegel haben. Die Zewo überprüfe Hilfswerke auf ihre Rechtschaffenheit und die Einhaltung von ethischen sowie finanziellen Standards. Bei Einhaltung der Bedingungen erhielten sie das Gütesiegel. Gegenwärtig seien schweizweit 498 gemeinnützige Organisationen Zewo-zertifiziert. Das umschliesse die meisten grossen Hilfswerke wie das Schweizerische Rote Kreuz, Pro Infirmis oder die Caritas. Ob ein Hilfswerk Zewo-zertifiziert ist, findet man heraus, indem man dessen Namen auf https://zewo.ch/de/fuer-spendende eintippt. Oft steht das Siegel auch auf der Website des entsprechenden Hilfswerks sowie auf den Spendenbriefen und dem Einzahlungsschein.

Doch Vorsicht: Nicht jede Zahlung an ein Hilfswerk ist eine Spende. «Das gilt zum Beispiel für Mitgliederbeiträge. Sie werden von den Steuerbehörden nicht als Spenden akzeptiert, denn die Statuten der Nonprofitorganisation (NPO) verpflichten die Mitglieder zur jährlichen Zahlung der Mitgliedsbeiträge. Die NPO hat also einen Anspruch darauf», sagt Ziegerer.

Zewo-zertifizierte Organisationen machen schweizweit nur einen kleinen Anteil an den steuerbefreiten Institutionen aus. Allein im Kanton Zürich gibt es rund 6000 steuerbefreite Institutionen aufgrund ihrer Ausübung von öffentlichen oder gemeinnützigen Zwecken. Gemäss dem Pressesprecher der Finanzdirektion im Kanton Zürich, Reto Flury, befindet sich auf der Website des Kantons Zürich eine laufend aktualisierte Liste mit den hiesigen steuerbefreiten Institutionen.

NZZ-Recherchen zeigen, dass viele Schweizer Kantone solche Listen führen. Dort kann man unkompliziert überprüfen, ob die Spenden an die Wunschinstitutionen vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können.

Spenden an religiöse Gemeinschaften nur bedingt abzugsfähig

Neben Institutionen mit gemeinnützigen und öffentlichen Zwecken, etwa Hilfswerken und Parteien, gibt es auch Institutionen mit Kultuszwecken, wie religiöse Glaubensgemeinschaften. Sie pflegen oder fördern gemeinsame Glaubensbekenntnisse. Ziegerer stellt klar: «Spenden an Organisationen, die einen reinen Kultuszweck verfolgen, können nicht in Abzug gebracht werden.»

Verfolge die Organisation sowohl gemeinnützige als auch Kultuszwecke, müsse die Spende nachweislich für den gemeinnützigen Zweck geleistet worden sein, um von der Steuer abgezogen zu werden. Dafür sei es sinnvoll, sich vor der Spende bei der betreffenden Institution über den Zweck des jeweiligen Spendenprojekts zu informieren. In jedem Fall sollten Spendende den für einen steuerlichen Abzug erforderlichen Minimalbetrag und die Abzugsgrenze beachten. Was in welchem Kanton gegenwärtig gilt, findet man hier: https://zewo.ch/de/spenden-von-der-steuer-abziehen/.

Sonderfall Parteispenden: 20 000 Franken Maximalabzug in Zürich

Gemäss dem Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (DBG) und den meisten kantonalen Gesetzen sind bis zu 20 Prozent des Reineinkommens für private Personen und 20 Prozent des Reingewinns für Unternehmen steuerlich abzugsfähig. Ein Beispiel: Bei einem Reineinkommen von 100 000 Franken sind Abzüge bis zu maximal 20 000 Franken erlaubt.

Bei Parteispenden sieht die Sache jedoch anders aus. «Mitgliederbeiträge und Zuwendungen an im Gesetz definierte politische Parteien sind bis zu einem gewissen Gesamtbetrag abzugsfähig, unabhängig von der Höhe des Einkommens», sagen Matteotti und Dini.

Die Gesamtsumme betrage bei der direkten Bundessteuer, die für alle Kantone gelte, 10 100 Franken – sowohl für verheiratete Spendende als auch für alle übrigen Steuerpflichtigen. Im Kanton Zürich betrage der Maximalabzug sogar 20 000 Franken für in ungetrennter Ehe lebende Ehegatten und 10 000 Franken für die übrigen Steuerpflichtigen.

Geld- und Sachspenden sind abziehbar, Zeitspenden und Bitcoin nicht

Gut zu wissen: Nicht nur Geldspenden sind steuerlich absetzbar. Seit der Gesetzesänderung vom November 2007 zählen auch «Naturalspenden wie Kleider oder Grundstücke» dazu. Bei der Erbringung von Sachspenden könnten jedoch Schwierigkeiten bei ihrer Bewertung entstehen: «Massgebend hierfür ist der objektive Marktwert, auch Verkehrswert genannt. Anhaltspunkte liefern beispielsweise Kaufquittungen oder Verkehrswertgutachten. Diese sollten deshalb immer aufgehoben werden», sagen die beiden Steuerexperten. Nicht abziehbar sei der Gegenwert für freiwillig erbrachte Arbeit. Das gelte beispielsweise für Ehrenämter sowie Freiwilligeneinsätze.

Einen Sonderfall stellen Bitcoin- und andere Kryptowährungs-Spenden dar. Bekannte Hilfswerke wie SOS Kinderdorf Schweiz oder Amnesty International Schweiz stellen für Krypto-Spenden keine Spendenbestätigung aus. Sie verweisen darauf, dass Spenden in Form von Kryptowährungen in der Schweiz nicht steuerlich absetzbar sind. Gemäss den beiden Steuerfachleuten sind Spenden in Bitcoin und anderen Kryptowährungen jedoch als Sachspenden zu betrachten. Die restriktive Praxis sei daher zweifelhaft. Einzuräumen sei allerdings, dass die Bewertung von Kryptowährungen schwierig sei, da sie sehr volatil seien.

Das digitale Spendenzeitalter? Kein Problem für die Hilfswerke

Hilfswerke erhalten mit Abstand am meisten Spenden über klassische Einzahlungsscheine. Gemäss Zewo-Spendenstatistik sind Beiträge über digitale Zahlungskanäle oder via Internet im Corona-Jahr 2020 jedoch deutlich gewachsen. Demnach haben die Zewo-Werke mehr als doppelt so viele Spenden über die eigene Website erhalten als im Jahr davor. Über Twint und andere Bezahl-Apps waren es beinahe viermal so viel wie vor Corona. Die Spendenstatistik spricht vom «Aufbruch in ein digitales Spendenzeitalter».

Laut Ziegerer können Gönnerinnen und Gönner, was den steuerlichen Abzug anbelangt, sorgenfrei über die neuen digitalen Kanäle spenden: «Die Spendenbestätigung erhalten Sie unabhängig davon, über welchen Zahlungskanal Sie Ihre Spende an das Hilfswerk überweisen. Das Hilfswerk muss jedoch über Ihre Kontaktdaten verfügen, um Ihnen eine Spendenbestätigung zustellen zu können. Das ist bei SMS-Spenden nicht unbedingt der Fall. Dann müssen Sie die Abzüge gegenüber den Steuerbehörden auf andere Art nachweisen können.»

Spendenbelege der Steuererklärung beilegen

Abzugsfähige Spenden sind in der Steuererklärung über die Aufstellung der gemeinnützigen Zuwendungen einzureichen, wie in der Wegleitung zur Steuererklärung unter der Ziffer 22.2 ausgeführt wird. Gerade bei grösseren Spenden ergibt es Sinn, wenn man die ausgestellten Nachweise zusammen mit der Steuererklärung einreicht. «Das minimiert die Rückfragen des Steueramts», sagt Flury.

Diese Spendenbelege werden von den beschenkten Institutionen Mitte Januar in Papierform an ihre Gönnerinnen und Gönner verschickt. Mit Adresse und Namen der unterstützenden Person sowie der Summe der Spenden im vergangenen Kalenderjahr enthalten die Schenkenden alle nötigen Informationen zum Beantragen von Steuervergünstigungen.

Spendentipps

Die Zahl der beschenkten Institutionen beschränken: Verteilen Sie das Spendenbudget auf wenige ausgewählte, Ihnen wichtige Institutionen. So reduziert sich auch die Post in Ihrem Briefkasten.

Auf der Website des Kantons nachschauen: Die meisten Kantone führen stetig aktualisierte Listen mit steuerbefreiten Institutionen.

Hilfswerke mit Zewo-Gütesiegel sind steuerbefreit: Das Zewo-Gütesiegel ist ein Garant für die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden, insofern es sich bei den Spenden um Geldspenden (keine Krypto-Spenden) und Naturalspenden handelt. Hier finden Sie alle Hilfswerke, die von der Zewo zertifiziert sind: https://zewo.ch/de/fuer-spendende/.

Zweckstatus überprüfen:
Bei Institutionen mit Kultuszwecken muss die Gemeinnützigkeit für das betreffende Spendenprojekt sichergestellt sein. Fragen Sie dazu am besten direkt bei der Institution nach.

Auslandspenden vermeiden: Steuerbefreite Institutionen müssen ihren Sitz in der Schweiz haben. Spenden an gemeinnützige Organisationen im Ausland werden vom Schweizer Steueramt nicht akzeptiert. Zudem könnte für Auslandspenden eine Schenkungssteuerpflicht anfallen.


Lesen Sie den Originalartikel vom 22.12.2021 auf nzz.ch oder laden Sie die NZZ-Online-Version als PDF.

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